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Schäferhund Chip mit seinem Lieblingsspielzeug und ein Kumpel.

Dahinter steckt ein Plan

Aus für das letzte Badeparadies bei München - Hundebesitzer empört und entsetzt

Der Böhmerweiher zwischen Puchheim, Gröbenzell und München galt als letztes Bade- und Spiel-Refugium für Hundebesitzer aus der ganzen Region. Jetzt aber müssen die Vierbeiner an die Leine. Das Entsetzen ist riesig.

Gröbenzell/München – Saskia Kobal geht regelmäßig mit ihrem Schäferhund Chip am Böhmerweiher Gassi. Der Vierbeiner liebt es, wenn Frauchen die Frisbeescheibe schmeißt und er hinterherhechten kann – samt Erfrischung an heißen Tagen. „Für viele ist hier die einzige Möglichkeit, ihre Hunde ans Wasser zu lassen“, erklärt die 49-Jährige.

Tierarztpraxis macht sogar Werbung für den Böhmerweiher

Sie selbst kommt aus dem benachbarten Lochhausen. Aubinger Lohe, Langwieder oder Olchinger See – das seien alles keine Alternativen mehr. Entweder sind Hunde dort ganz verboten, dürfen nicht frei herumlaufen oder es gibt kein erfrischendes, sauberes Gewässer. Der Böhmerweiher war bis jetzt das letzte Badeparadies für Mensch und Wuffel – eine Tierarztpraxis macht im Internet sogar Werbung dafür. Damit ist nun aber Schluss.

Sieben Schilder säumen nun das Areal. Die Aufschrift: „Hunde sind an der Leine zu führen.“ Sonst nichts. Der Aufschrei unter den Herrchen und Frauchen ist riesig. Sie haben eine Whatsapp-Gruppe gegründet „Freier Böhmerweiher“ und wollen eine Petition starten. Das Tagblatt erreichten ebenfalls mehrere Protestzuschriften.

Stadt München lässt Schilder am Böhmerweiher aufstellen

Saskia Kobal hat selbst beim Gassigehen am vergangenen Freitag beobachtet, wie ein Mitarbeiter der Stadt München die Schilder montiert hat. Gerüchte darüber kursierten schon länger, vor allem im sozialen Netzwerk Facebook. Nun wurden Fakten geschaffen – und die bislang ausdrücklichste Verhaltensanweisung für Hundebesitzer. Denn man muss wissen: Dass Hunde nicht frei herumlaufen sollen, ist jetzt nicht völlig neu. Vorher war bereits eine höfliche Bitte auf einer Infotafel zu lesen. Ganz abgesehen davon, dass die beiden Böhmerweiher (es gibt noch einen vorgelagerten kleinen) seit jeher in einem Landschaftsschutzgebiet liegen, wo teilweise sowieso Anleinpflicht herrscht.

Eines der neuen Schilder.

Für Hundebesitzer wie Saskia Kobal ist die Botschaft aber nun ganz klar: „Die wollen das halt zu einem Badesee ausbauen.“ Ein Freizeitparadies und Erholungsgebiet für die Zweibeiner – für die Hunde ist dann auch hier kein Platz mehr. Dabei betont Kobal ausdrücklich, dass es ein harmonisches Miteinander ist. „Nur, weil es ein paar Honks gibt, die ihre Hunde nicht im Griff haben, dürfen nicht alle bestraft werden.“

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Beschwerde-Brief in Sachen Böhmerweiher an die Gemeinde

Unter den Protestierenden ist auch der Gröbenzeller Jürgen Kantowski, stolzer Besitzer zweier Hunde. Er ist stinksauer, hat sich mit einem Brief an den Gröbenzeller Bürgermeister Martin Schäfer gewandt, in dem er sehr viele Sachen kritisiert – auch den Müll, den die Badegäste hinterlassen.

Der Erholungsflächenverein, die Kommunen Gröbenzell, Puchheim und München hätten das Gelände von der Familie Böhmer gekauft. Doch außer Schilder mit dem Hinweis auf ein Badeverbot aufzustellen, sei seitdem nichts passiert. Und nun die Sache mit der Anleinpflicht. Als Grund seien einem Bekannten Beschwerden von Badenden genannt worden, berichtet Kantowski. Hunde würden Wasservögel jagen. Das kann er sich aber kaum vorstellen: „Eine Ente kann fliegen, Hunde nicht.“

Stadt München: Nur ein erster kleiner Schritt am Böhmerweiher

Die Stadt München erklärt auf Tagblatt-Anfrage, dass es sich bei der Maßnahme um einen ersten kleinen Schritt handelt. Der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied unterstützt den Leinenzwang. Dieser soll, wenn das Naherholungsgebiet einmal ausgebaut ist, in einer Grünanlagensatzung festgehalten werden. Bis dahin überbrücken das die Hinweisschilder. In der Gemeinde war man überrascht über die Maßnahme. Erwartet wird dort hingegen, dass die ersten Pläne für das Böhmerweiher-Badeparadies für Menschen im Spätherbst vorgestellt werden.

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Regeln an anderen Seen

In den meisten Badeseen in der Umgebung sind die Regeln deutlich strenger. Am Germeringer See gilt ein ganzjähriges Hundeverbot, im Sommer wird dieses sogar von einem Sicherheitsdienst überwacht. Am Olchinger See sind die Vierbeiner von April bis September unerwünscht und am Pucher Meer in Fürstenfeldbruck ist das Mitbringen von Haustieren ebenso verboten. (Susanne Schwind, Kathrin Garbe)

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