Gericht 

Aus Liebeskummer Anschlag vorgetäuscht

Er flehte eine Stunde lang um Hilfe. Der 29-Jährige schrieb seiner Ex-Freundin heuer im Frühjahr Nachrichten per WhatsApp. Jemand wolle ihn töten, so der Tenor.

Gröbenzell –  Die Freundin war besorgt. Sie rief die Polizei. Doch die Beamten erkannten nach einem rund zweistündigem Einsatz, dass der Mann wohlauf war – und ziemlich betrunken.

Am Brucker Amtsgericht wurde der 29-Jährige daher wegen Missbrauchs von Notrufen zu einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro (15 Tagessätze) verurteilt. Es war wohl der Liebeskummer, der den jetzigen Münchner zur Verzweiflungstat getrieben hatte. Die Freundin hatte ihm kurz zuvor den Laufpass gegeben. Er musste aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen.

Der damalige Taxifahrer fand Unterschlupf bei einem Kumpel in Gröbenzell. Alkohol trank er hin und wieder und dies in Maßen. An jenem Abend aber schaute er tief ins Glas: Sechs oder sieben Bier hatte er in einer Kneipe getrunken, bevor ihn der Freund zu sich nach Hause transportierte.

Was er anschließend getan hatte, daran konnte sich der 29-Jährige nicht mehr erinnern. Doch ein WhatsApp-Ausdruck seiner früheren Lebensgefährtin beweist, dass er im Minutentakt Nachrichten verschickte. „Hilfe, Hilfe“ hieß es immer wieder, „komm bitte schnell, die wollen mich töten“, „die haben ein Messer“, „die schlagen mich“, „die haben mein ganzes Geld genommen“, hieß es darin. Letztlich war die frühere Lebensgefährtin so beunruhigt, dass sie die Polizei rief.

Ein Sachverständiger ging davon aus, dass der Mann damals mit rund zwei Promille im Blut zwar alkoholisiert, aber dennoch schuldfähig im juristischen Sinn war. Denn der 29-Jährige sei in der Lage gewesen, auf der eher kleinen Tastatur seines Smartphones die Nachrichten zu tippen. “Man muss motorisch fit sein, um das tippen zu können“, so der Experte. Selbst die Adresse, wo er in Gröbenzell Unterschlupf gefunden hatte, hatte der Angeklagte damals seiner Ex mitteilen können.

Eine Feststellung, die den 29-Jährigen empörte: „Autofahren darf man nicht mehr nach zwei Bier, aber nach sechs bis sieben Bier ist man nicht besoffen“, sagte er, „das ist total ungerecht“. Doch sein Klagen half nichts. Er wurde verurteilt.

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