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Spinnen war früher Frauensache Das Spinnrad: Roswitha Hofrichter zeigt im Heimatmuseum, was man beim Spinnen alles beachten muss. 

Im Gröbenzeller Heimatmuseum 

Ausstellung über ein vergessenes Handwerk

Spinnen ist ein fast ausgestorbenes Handwerk. Dabei hat es eine lange Tradition. Eine Ausstellung im Gröbenzeller Heimatmuseum greift das Thema nun auf.

Gröbenzell – „Man riecht es schon“, sagt Brigitte Böttger. Der Geruch von Flachs ist ihr in die Nase gezogen. Die CSU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat steht im Gröbenzeller Heimatmuseum. Die Einrichtung widmet sich im Rahmen einer Sonderausstellung dem Spinnen.

Das Spinnen hat eine jahrhundertlange Tradition. Die verschiedensten Spindeln sind im Heimatmuseum zu sehen. Die Ausstellung zeigt einerseits: Selbst mit einem Holzstab, einer Schraube und einer CD kann Wolle gesponnen werden. Andererseits geht es um die Geschichte dieses Handwerks.

Seit Ende des 12. Jahrhunderts greift man in Europa beim Spinnen zu technischen Hilfsmitteln. Das Spindelspinnrad gelangte aus dem orientalischen Raum nach Europa und verbreitete sich dort im darauffolgenden Jahrhundert. Spinnräder waren in vielen Haushalten Gröbenzells im Einsatz. Einige davon können derzeit im Heimatmuseum besichtigt werden.

Roswitha Hofrichter führt bei der Ausstellungseröffnung vor, wie das Spinnen funktioniert. „Es ist ganz einfach, so wie Fahrradfahren“, sagt die Bruckerin. Ganz einfach ist es aber freilich nicht. Einem ungeübten Spinner reißt in der Regel immer wieder der Faden ab. „Man muss viel üben“, sagt Roswitha Hofrichter.

Andere joggen, um sich zu entspannen, die 56-jährige Büroangestellte setzt sich ans Spinnrad, und dies seit 15 Jahren. Gestrickt hat Roswitha Hofrichter schon immer gerne, vor allem Trachtenjacken. Da reine Wolle nur schwer zu bekommen ist, hatte sie die Idee: Die Wolle spinne ich mir selber. Sie kaufte sich ein Spinnrad. Die Geräte gibt es in den verschiedensten Preisklassen. Für ein Gutes muss man zwischen 300 bis 350 Euro blechen. Hofrichter wurde Mitglied der Handspinngilde der Brucker Spinnstube, wo sie auf Gleichgesinnte traf.

Bevor man loslegen kann, muss man viel beachten. Die Wolle muss zunächst gewaschen und gekämmt werden. Dann geht es los. Mit dem Fuß setzt Roswitha Hofrichter das Schwungrad in Betrieb. Der Spinnflügel verdreht den auseinandergezogenen Faden und wickelt ihn auf die Spule. Hofrichters Aufgabe ist es dabei, so viele Fasern freizugeben, wie sie für ihren Faden benötigt. Um den Faden reißfest zu machen, wird er in der Regel durch einen zweiten verstärkt. Etwa 12 bis 14 Stunden lang dauert es, bis 100 Gramm Wolle mittlerer Stärke gesponnen und gezwirnt sind.

Spinnen war früher reine Frauensache, heute widmet sich auch so mancher Mann diesem Hobby. Früher saßen die Männer am Webstuhl und haben mit der gesponnen Wolle Stoffe gefertigt. So manches Produkt aus früherer Zeit hängt momentan im Heimatmuseum an der Leine. Einen Unterrock, ein Handtuch oder eine Tischdecke herzustellen war eine „Wahnsinnsarbeit“, sagt der Leiter des Heimatmuseums Albert Donhauser.

War der Flachs reif zum Ernten, wurde er nicht gemäht, sondern mitsamt seiner Wurzeln büschelweise aus dem Boden gerissen. Anschließend musste er getrocknet werden. Die Flachsstängelbündel mussten durch einen Kamm gezogen werden, um die Samenkapseln zu entfernen. Die Flachsfasern trennte man von den holzigen Stängelteilen. Die zusammenhängenden Fasern wurden mithilfe von Zähnen auf einem Hechelbrett getrennt. Dann konnte gesponnen werden. (sus)

Noch bis 10. September

ist die Ausstellung „Spinn, spinn, Spinnerin“ an jedem Sonntag von 10 bis 12 Uhr im Heimat- und Torfmuseum geöffnet. An jedem dieser Tage kann auch eine Spinnerin bei der Arbeit beobachtet werden.

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