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Aus dem Brucker Amtsgericht

Bankerin trickst falschen Polizisten aus

Als falscher Polizist ergaunerte sich ein gelernter Dreher Geld von gutgläubigen Seniorinnen. Eine Bankangestellte legte ihm schließlich das Handwerk.

Gröbenzell – Ein Abend im Juli 2016: Immer wieder klingelt bei einer 90-jährige Gröbenzellerin das Telefon. Jedesmal gibt sich der Anrufer als Polizist aus. 50 Mal wählt er die Nummer der Seniorin. Jedesmal geht es um den gleichen erfundenen Sachverhalt. Der Mann behauptet, einem Ring von Verbrechern auf der Spur zu sein. Um diesen Ring auffliegen zu lassen, brauche er die Hilfe der Seniorin. Konkret sollte die die alte Dame 15 000 Euro deshalb an den angeblichen Polizisten übergeben.

Die 90-Jährige fiel auf den Schwindel herein. Sie versprach, die Summe zu besorgen. Prompt fuhr sie am nächsten Tag mit dem Taxi nach Olching zu ihrer Bank und wollte das Geld abheben. Doch die Mitarbeiterin am Schalter wurde hellhörig. Statt der Seniorin das Geld einfach so auszuhändigen, informierte sie die Polizei.

Als dann wenig später ein junger Mann vor der Wohnungstür der 90-Jährigen stand, um das Geld abzuholen, wurde dieser postwendend verhaftet. Wegen gewerbsmäßiger Beihilfe zum versuchten Betrug saß der junge Mann jetzt auf der Anklagebank des Brucker Amtsgerichtes.

Dem 22-jährigen Münchner wird nicht nur der Fall in Gröbenzell zur Last gelegt. Wenige Tage vorher soll er es in Holzkirchen bei einer 77-Jährigen mit der gleichen betrügerischen Masche probiert haben – und damals hatte er Erfolg. Auch hier hatten angebliche Polizisten die Frau telefonisch zur der Geldübergabe aufgefordert. Knapp 26 000 Euro holte er dann bei der Seniorin ab.

Der 22-Jährige Angeklagte hatte bereits bei der Vernehmung durch die Polizei seine Schuld unumwunden eingeräumt. Sein Verteidiger kämpfte beim Gerichtstermin in einem Rechtsgespräch lediglich darum, dass sein Mandant nicht ins Gefängnis muss. Doch Richter Johann Steigmayer machte klar: „Ich tue mich schwer, Bewährung zu geben“. Denn der 22-Jährige konnte oder wollte seine Auftraggeber nicht nennen. „Ich kenne sie nicht“, betonte er immer wieder.

Das Geld aus dem Betrug in Holzkirchen ist nicht mehr auffindbar. Ersetzen kann es der gelernte Dreher, der derzeit als Kellner tätig ist, nicht. Auch seine Eltern könnten ihn bei der Schadenswiedergutmachung nicht unterstützen, beteuerte er vor Gericht.

In den kommenden Wochen hat er nun Gelegenheit das Geld doch noch aufzutreiben. Denn der Richter setzte das Verfahren aus. Wenn erneut verhandelt wird, könnte die Anklage um einen weiteren Punkt ausgeweitet worden sein. Der Richter forderte die Staatsanwaltschaft auf, zu prüfen, ob der Angeklagte auch in Garmisch als falscher Polizist aufgetreten ist. Es gibt dort einen Fall, der den beiden in Fürstenfeldbruck anhängigen auffällig gleicht.  (sus)

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