Rita Erhardtwar eine Frohnatur im Sinne der heiligen Elisabeth. Repro: os

Nachruf

Wenn jemand Hilfe brauchte, stand sie mitten in der Nacht auf

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„Sagen Sie, ich komme!“ Diesen Satz hat Schwester Rita Erhardt oft gesagt. 

Gröbenzell  Wenn die Ordensschwester mitten in der Nacht geweckt wurde, weil jemand irgendwo in Gröbenzell ihre Hilfe brauchte – dann war sie schon unterwegs. „Für sie gab es kein Nein“, erinnert sich ihre frühere Oberin Lidwina Keller. Nun ist Schwester Rita im Alter von 84 Jahren gestorben.

Die Ordensfrau gehörte zu den Schwestern von der heiligen Elisabeth. Dass der Orden seine Zelte im Landkreis abbrach, ist lange her – 2003 wurde das Haus in Gröbenzell aufgelöst. Doch an Schwester Rita erinnern sich noch viele im Ort und die Betroffenheit über ihren Tod ist groß. Der Abschied sei der Ordensschwester damals sehr schwergefallen, erinnert sich Beate Inngauer. Sie leitete früher die Kleiderkammer des Sozialdienstes und kannte die Nonnen gut, weil sie ihnen oft Sachen für ein Waisenhaus in Nowosibirsk lieferte. „Schwester Rita ist eine unglaubliche Frau gewesen, immer ausgeglichen und fröhlich. Nie hat sie schlecht über jemanden geredet.“

Rita Erhardt wuchs im thüringischen Eichsfeld auf. „Das liebte sie bis zum Schluss“, erzählt Schwester Lidwina. Als sie 16 Jahre alt war, floh die Mutter mit Rita und einem Bruder in den Westen. Bei Nacht und Nebel ging es über die Grenze – ein gefahrvolles Unterfangen, das Mutter und Kinder aber nach Hannover zum Vater brachte. Rita Erhardt machte eine Friseurlehre und arbeitete dann in einer Weberei, doch ihr Lebenstraum ging in eine ganz andere Richtung. Sie wollte Nonne werden, doch das erlaubten ihre Eltern nicht. Vor allem der Vater war strikt dagegen, dass seine hübsche Tochter ins Kloster ging. Erst als sie 21 Jahre alt und damit volljährig war, konnte sie nichts mehr abhalten.

Kaufmännische Ausbildung

Bei den „Grauen Schwestern“ machte Rita Erhardt eine kaufmännische Ausbildung. Dann arbeitete sie in der Verwaltung eines Ordenskrankenhauses in Kiel. Nach elf Jahren wurde sie nach Berlin an ein 600-Betten-Haus versetzt. Dort gehörte sie zu den ersten, die in EDV geschult wurden. Doch die Arbeit am Computer war nicht wirklich das, was die zielstrebige, bodenständige Schwester tun wollte. In Abend- und Wochenendkursen ließ sie sich zur Altenpflegerin umschulen. Damit hatte Rita Erhardt ihre Berufung gefunden.

In Frankfurt, im Westerwald und ab 1979 in Gröbenzell kümmerte sie sich als Alten- und Krankenpflegerin um Menschen, die Hilfe brauchten. „Sie war immer unterwegs“, erinnert sich Lidwina Keller. Neben ihren pflegerischen Aufgaben engagierte sich Schwester Rita in der Pfarrei als Lektorin, Kantorin und Kommunionhelferin. Sie spielte Orgel, gestaltete gemeinsam mit Schwester Lidwina Kindergottesdienste und trat mit ihrer Gitarre im Gröbenzeller Seniorenclub auf. „Sie war äußerst kontaktfreudig, eine Frohnatur, ganz im Sinne der heiligen. Elisabeth, die gesagt hat: Wir müssen die Menschen froh machen.“

2003 wurden die beiden Ordensfrauen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Nach der Schließung des Hauses in Gröbenzell leiteten die Schwestern ein Ferienheim in Grainau. Zuletzt lebte Rita Erhardt in einem Seniorenheim ihres Ordens in Reinbek bei Hamburg – gesundheitlich zunehmend angeschlagen, doch geistig „fit wie ein Turnschuh“, wie Beate Inngauer erzählt. Sie war eine der ganz wenigen Duz-Freundinnen der Schwester und hat sie noch im Oktober in Norddeutschland besucht. „Ich habe geahnt, dass es der letzte Besuch sein würde.“  

ULRIKE OSMAN

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