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Eine böse Überraschung erlebten Besucher des Gröbenzeller Stockwerks: Plötzlich wurden ihre Autos abgeschleppt. (Symbolfoto)

Parkplatz in Gröbenzell

Ärger über rigorose Abschlepp-Aktion - „Absolut unverhältnismäßig“

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Wer sich im Gröbenzeller Stockwerk einen Kabarettabend oder ein Konzert gönnen will, sollte gut gewappnet sein. Denn stellt man sich auf den falschen Parkplatz, endet der Abend böse. Dahinter steckt ein Streit unter Nachbarn.

Gröbenzell– Hedwig Müller hat das Theater nach dem Theater live erlebt. Die 62-Jährige sah sich mit ihrer Familie am 11. Januar den Auftritt des Kabarettisten Claus von Wagner an. Es war ein Weihnachtsgeschenk. Eine ziemlich unschöne Bescherung folgte jedoch am Schluss der Veranstaltung: „Es wurde verkündet, dass sämtliche Autos auf dem Parkplatz des ehemaligen Möbelhauses Fahr abgeschleppt wurden.“

Auch Müllers Tochter hatte ihren Wagen dort, direkt gegenüber dem Kulturtempel, geparkt. Als die Familie mit etlichen anderen zu dem Fahrzeug eilte, warteten bereits vier Abschleppwagen auf sie. Die Auslöse des Autos der Tochter erfolgte nur gegen 310 Euro und Sofortkasse. „So viel Geld hat doch niemand im Geldbeutel“, empört sich die Gröbenzellerin. Im Pulk und in Stöckelschuhen ging es durch die Schneemassen zum nächsten Geldautomat. Müller schimpft: „Die Aktion ist absolut unverhältnismäßig und eine Zumutung für die Betroffenen.“

Insgesamt wurden über 20 Autos an drei Abenden im Januar in einer konzertierten Aktion abgeschleppt. Der Grund: Albert Fahr, Eigentümer des Areals rund um das Dänische Bettenlager, ist stocksauer auf seine Nachbarn vom Stockwerk: Christian Stock und Thomas Breitenfellner, letzteren kennt er noch aus CSU-Gemeinderatszeiten. Jahrelang lebten sie zumindest in der Außenwirkung friedlich nebeneinander her. Tatsächlich brodelt es aber wohl schon länger.

Gröbenzell: Eskalation bei Vorsilvester-Party

„Ich habe bereits 2016 angemahnt, dass Autos unberechtigterweise auf meinem Parkplatz abgestellt werden“, erklärt Fahr. Er hätte sogar Zettel an die Windschutzscheiben gehängt. Seine Nachbarn hätten ihn wiederholt ignoriert. Dabei stünden die 90 Parkplätze ausschließlich den Mietern der Läden zur Verfügung. Davon zeugen Warnschilder mit Abschleppkran.

Auch interessant: Auf Restaurantparkplatz lauert fiese Abschleppfalle - obwohl Lokal dauerhaft geschlossen ist

Endgültig eskaliert sei die Situation dann bei der Vorsilvesterparty. Ganze Teile des Stockwerk-Parkplatzes seien für ein Feuerwerk abgesperrt worden. „Und bei mir war wieder alles zugeparkt“, sagt Fahr. Sogar Rettungswege seien versperrt gewesen. Der Geschäftsmann schrieb seinen Nachbarn eine gesalzene E-Mail und schickte der Polizei ein Fax. Er machte deutlich, dass er sich zumindest gewünscht hätte, dass man ihn um Erlaubnis gefragt hätte. Zudem drohte er, die wild parkenden Autos abschleppen zu lassen. Das setzte er dann auch in die Tat um und schickte Breitenfellner eine Rechnung über 1200 Euro für die Nutzung der Parkplätze.

Breitenfellner will hingegen von einem Nachbarschaftsstreit nichts wissen. „Ich habe Herrn Fahr zum letzten Mal bei einer Beerdigung gesprochen“, sagt er. Das war 2018. Er könne die Autofahrer unter seinem Publikum auch nicht dahingehend beeinflussen, wo sie sich eine Abstellmöglichkeit für ihr Fahrzeug suchten. „Es ist ein großer, leerer Parkplatz. Das Geschäft dort hat längst nicht mehr offen. Jeder normale Mensch fragt sich da doch: Wen stört’s?“ Allerdings betont er zudem: „Wir haben auch bei ausverkauftem Haus selbst genügend Parkplätze.“ Das Gleiche gelte für die Vorsilvesterparty.

BMW zu schwer für den Abschleppdienst

Dennoch ist Thomas Breitenfellner um eine Lösung in dieser Sache bemüht, sagt er. Er weist seine Besucher nun auf die Problematik hin, hat einen Einweiser an der Straße aufgestellt. Die Zahl der Menschen, die nach der Vorstellung ohne Auto in der Kälte bibbern, habe mittlerweile abgenommen.

Das sind im Übrigen nicht nur die Stockwerk-Besucher, die von überall her anreisen. Auch Michael Reitmeir aus Landsberg traf es an einem Abend, als er Gast in einem nahe gelegenen Restaurant war. Das war genau eine Woche nach dem Auftritt von Claus von Wagner. „Ich hatte nur Glück, dass der Abschleppdienst meinen BMW nicht anheben konnte.“ Deshalb musste er nicht zahlen. Die Abschlepp-Aktion kritisiert Michael Reitmeir allerdings aufs Schärfste. Zwei Bekannte von ihm traf es nämlich richtig hart: Sie legten 380 Euro hin und mussten ihren Hund, der sich im Wagen befunden hatte, bei der Polizei abholen.

35 Euro Strafe, obwohl man ein Parkticket gelöst hat? Solch einen Strafzettel bekamen einige Autofahrer am P+R-Parkplatz in Fürstenfeldbruck, berichtet Merkur.de*.

Video: Das sagen Richter über Nachbarschafts-Streit

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*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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