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Wie rettet man einen Afrikaner? Die Schauspieler (v.l.) Heike Maltan, Jutta Hatzold, Günther Bülig, Barthl Sailer und Monika Sailer grübeln auf der Bühne darüber, wie man eine Wohltätigkeitsveranstaltung organisiert. Dabei wird auch dem Publikum der Spiegel vorgehalten. 

Benefiz

Theaterstück parodiert Wohltätigkeit für Afrika

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Witzig, intelligent, bitterböse, vor allem aber sozialkritisch – so präsentiert sich das Theater TiG mit seinem neuesten Stück „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“.

Gröbenzell –  Aber Vorsicht: Wer die Aufführung im Bürgerhaus besucht, muss es vertragen, den Spiegel vorgehalten zu bekommen.

Dass es Ingrid Lausund, die Autorin des satirischen Stückes, gerne schwarzhumorig mag, weiß ein breites Publikum spätestens seit der deutschen Erfolgsserie „Der Tatortreiniger“ mit Bjarne Mädel. Für die Serie schrieb Lausund unter dem Pseudonym „Mizzi Meyer“ die Drehbücher. Zuvor, im Jahr 2009, verfasste sie das Theaterstück „Benefiz“. Und das hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt, wie einem die Aufführung des TiG bewusst macht.

Auf der Bühne stehen dabei fünf Schauspieler – und das im doppelten Wortsinne. Die TiG-Darsteller spielen tatsächlich Schauspieler, die eine Wohltätigkeitsveranstaltung für einen Schulbau in Afrika auf die Beine stellen sollen. Doch wie weckt man Spendenbereitschaft? Soll man eine Schwarze auf die Bühne holen (und darf man sie überhaupt so nennen)? Wo hört die Political Correctness auf, wo fängt der Alltagsrassismus an? Darf man über einen rassistisch angehauchten Witz lachen, wenn ihn ein Afrikaner macht?

Wer sich auf einer Theaterbühne mit solchen Fragen beschäftigt, bewegt sich auf dem schmalen Grat zur Grenze des guten Geschmacks oder kann unter Umständen zum Fremdschämen einladen. Doch diese Hürde meistern die fünf TiG-Schauspieler Jutta Hatzold, Monika Sailer, Heike Maltan, Günther Bülig und Barthl Sailer mit souveräner Bravour. Keine Spur von Fremdscham – im Gegenteil. Man muss sich als Zuschauer am Ende selbst infrage stellen.

Überhaupt ist man als Zuschauer nicht außen vor. Zwar ist das Stück nicht im tatsächlichen Sinne interaktiv. Doch schon früh wird die vierte Wand durchbrochen und erst einmal geklärt, ob das Publikum auch wirklich – also in der Welt des Stückes – da ist. Ist es natürlich.

Die Aufführung der Gröbenzeller Laienbühne bringt gleich eine ganze Reihe Highlights mit sich. Da ist zum einen der Monolog von Barthl Sailer, der das afrikanische Land vorstellen soll, in dem das Schulbauprojekt verwirklicht werden soll.

Mit stammelnden Halbsätzen, abgelesenen und im gleichen Zuge infrage gestellten Fakten und jeder Menge Klischees holt Sailer das in der realen Welt oft als Diskussionsgrundlage verwendete Halbwissen auf die Bühne. Schmerzhaft zynisch wird es, wenn Jutta Hatzold und Monika Sailer darüber diskutieren, welches Patenkind man am Besten unterstützen sollte. Lieber einen Waisenjungen, der auf Wellpappe schlafen muss, oder doch das Mädchen ohne Arme?

Sogar grandios ist der mehrminütige Monolog von Hatzold, in dem sie gnadenlos mit sämtlichen Klischees und Vorurteilen rund ums Thema Spendenbereitschaft aufräumt. Das ist nicht nur überragend gespielt, sondern lässt auch die Grenze zwischen Theater und Realität komplett verschwimmen.

Das Publikum bekommt jedenfalls einen riesigen Spiegel vorgehalten, in dem sich jeder – sofern er mit sich ehrlich ist – an einer oder mehreren Stellen wiederfinden muss. Das mag manchmal wehtun, regt aber auch dazu an, über sich und seine Einstellung nachzudenken. Dass das Publikum am Premierenabend sich nicht nur bespaßen lassen wollte, sondern auch die Sozialkritik goutieren konnte, zeigte sich am verdienten Applaus.

Weitere Aufführungen

des Theaterstücks „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ finden von Freitag, 22., bis Sonntag, 24. März, sowie von Donnerstag, 28., bis Sonntag, 31. März, statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags bereits um 17 Uhr. Karten für zwölf, ermäßigt zehn Euro kann man im Internet auf der Seite www.theater-tig.de reservieren.

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