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Amtsgericht

Betrüger wandert in den Knast

Ein Münchner hat als Teil einer Bande versucht, eine 90 Jahre alte Frau über den Tisch zu ziehen. Der 23-Jährige flog auf – und jetzt wurde ihm der Prozess gemacht. Er muss ins Gefängnis.

Gröbenzell – Letztlich ist es der Aufmerksamkeit einer Bankmitarbeiterin zu verdanken, dass die 90-jährige Gröbenzellerin im Juli vor einem Jahr nicht um 15 000 Euro betrogen wurde. Denn als die Seniorin die Summe abheben wollte, wurde die Bankmitarbeiterin skeptisch und informierte die Polizei. Der Betrüger hatte sich seinerseits als Beamter ausgegeben, um unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an das Geld zu kommen. Als der Münchner bei der alten Dame erschien, um das Geld abzuholen, griff die echte Polizei zu.

In den Tagen vorher allerdings war der 23-Jährige erfolgreich gewesen, wie jetzt am Brucker Amtsgericht deutlich wurde. Er hatte eine 77-jährige Holzkirchnerin um 25 600 Euro und eine Garmischerin um 15 000 Euro geprellt. Er wurde wegen Betrugs und versuchten Betrugs für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter geschickt. Zudem sollen bei ihm 38 600 Euro eingezogen werden. 2000 Euro hatte der 23-Jährige einem seiner Opfer im Laufe der Verhandlung bereits reumütig zurückgezahlt. „In diesen Fällen darf es keine milden Strafen geben“, betonte der Richter in seiner Urteilsbegründung. „Es muss sich herumsprechen, dass sich so etwas nie und nimmer rentiert“.

Wie sich in der Verhandlung herausstellte, war der 23-Jährige allerdings nur das letzte Glied in einer Kette von Betrügern. Er war wenige Tage vor seinem ersten Einsatz im Juli vergangenen Jahres in München auf einem Parkplatz von zwei Männern angesprochen worden, ob er sich nicht etwas Geld dazu verdienen wolle. Der 23-Jährige befand sich in einer schlechten Lebensphase und war in Geldnot. Er willigte ein. Bei seinem ersten Betrugseinsatz fuhr er zu einem Haus in Garmisch, um die 15 000 Euro abzuholen. Wenige Tage später wiederholte sich dies in Holzkirchen, bis in Gröbenzell alles aufflog.

Als er festgenommen worden war, zeigte sich der 23-Jährige rundum geständig. Sonst hätte der Fall in Garmisch wohl niemals aufgeklärt werden können. Allerdings war der Richter überzeugt, dass er beim Geständnis nicht aus tiefer Reue gehandelt habe, sondern unter Schock stand.

Zutage trat in der Verhandlung auch, wie die falschen Polizisten gearbeitet haben. Die Drahtzieher saßen in der Türkei, berichtete einer der ermittelnden Polizisten. Dies hatte ein Handygespräch offenbart. In Deutschland war ein Mann damit beschäftigt, die Opfer auszusuchen und als angeblicher Polizist anzurufen. Zielgruppe der Bande: Hilflose, betagte und alleinlebende Menschen, wie die Staatsanwältin betonte. Die Opfer wurden immer wieder angerufen – die Gröbenzellerin berichtete sogar von einem „richtigen Telefonterror“. Der angebliche Polizist ließ seinen Opfern keine Zeit nachzudenken oder mit jemandem Kontakt aufzunehmen. Der Anrufer tischte den älteren Damen Geschichten von einer Einbrecherbande auf. Diese sei aufgeflogen und dabei sei ein Zettel mit den Kontodaten des Opfers aufgetaucht. Ihr Geld sei deshalb in Gefahr und solle von einem Polizisten in Sicherheit gebracht werden.

Ein weiterer Mann war damit beauftragt, einen Abholer zu rekrutieren, in diesem Fall den Angeklagten. Dem Abholer wurde auferlegt, möglichst wenig zu reden und schnell mit dem Geld wieder zu verschwinden. Pro Einsatz habe er 200 Euro erhalten, berichtete der 23-Jährige. Das zweifelten Richter und Staatsanwalt aber an. Ein ermittelnder Polizist berichtete dann auch, dass den Abholern mittlerweile bis zu 30 Prozent des abgeholten Geldes ausgezahlt werde.  sus

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