Bezirkstagspräsident Josef Mederer (2.v.l.) überreichte im Beisein von Bezirksrat Jan Halbauer die Urkunde Manuela (r.) und Patrick Brehmer (2.v.r.). Ganz links der Brucker Bezirksrat Jan Halbauer.

Bezirk Oberbayern würdigt integrative Sportgruppe aus Olching

Olching – Spaß an Bewegung und körperlicher Fitness: Das ist der Leitgedanke des Sportangebotes für Kinder mit und ohne Behinderungen, das der Kreis Eltern behinderter Kinder Olching ins Leben gerufen hat. Das Engagement des Elternvereins für Teilhabe im Sport hat auch die Jury des Inklusionspreises des Bezirks Oberbayern überzeugt: Der Elternkreis ergatterte den mit 3000 Euro Preisgeld dotierten zweiten Platz.

Behände erklimmt Nico den Stufenbarren. Mit kleinen, aber sicheren Schritten balanciert der sieben Jahre alte Bub über den Holm. Die Übung klappt so gut, dass Nicos Augen neugierig in der Turnhalle umherwandern – zu Mia, Peter, Melanie und all den anderen Kindern, die sich gerade den Herausforderungen auf dem Parcours stellen.

Bockspringen, Balancieren auf dem Schwebebalken und Trampolinhüpfen: Nico kommt jeden Dienstagnachmittag zum gemeinsamen Turnen von Kindern mit und ohne Behinderungen in die Sporthalle. „Genau diesen Rahmen braucht mein Sohn“, erzählt Christel Waldeyer. „Nico geht es hier bestens. Jedes Kind wird einzeln angesprochen und mitgenommen – einfach wunderbar.“

Die Vertreter der inklusiven Fußballmannschaft des SC Gröbenzell freuten sich über den dritten Platz beim Inklusionspreis des Bezirks Oberbayern.

Dass der Bub eine Behinderung hat, ist in der inklusiven Turngruppe kein Thema. „Für uns sind alle Kinder gleich“, erzählt Vereinsvorsitzende Manuela Brehmer. „Deshalb funktioniert unsere Gruppe so gut.“ Gut die Hälfte der Kinder habe eine Einschränkung. Sich gegenseitig zu helfen, gehört deshalb dazu. Manuela Brehmer sagt: „Unsere Idee ist: Man muss ein offenes Herz haben und einen wachen Verstand, dann klappt das mit der Inklusion ganz von allein.“

Eine Idee, die Jugendleiter Patrick Brehmer vorlebt. Der Bruder der Vereinschefin hat das Down-Syndrom. Vor einigen Jahren hat sich der sportbegeisterte Mann zum Jugendleiter fortbilden lassen. „Ich mag die Arbeit mit den Kindern“, erzählt er stolz. „Den Sport liebe ich. Darum bin ich hier Jugendleiter.“ Das Aufwärmtraining leitet Patrick meist selbstständig; beim Geräteturnen unterstützt er die Kinder und geht den Trainern zur Hand. „Ich bin, wo sie mich brauchen.“

Den Kreis Eltern behinderter Kinder Olching gibt es seit 40 Jahren, seit 2012 die inklusive Kindersportgruppe. Die Kinder kommen aus dem gesamten Landkreis Fürstenfeldbruck. Beim Turnen zählt nach den Worten der Vorsitzenden nicht das Leistungsprinzip, sondern der Spaß an Bewegung, Fitness und der gemeinsam verbrachten Zeit. „Es ist für die Kinder sehr wichtig, dass sie mal einfach nur sein dürfen.“

Das Konzept, Kinder mit und ohne Behinderungen im Sport zwanglos zusammenzubringen, hat auch die Jury des Inklusionspreises begeistert. Das Angebot trage dem Gedanken der Partizipation Rechnung und lege besonderen Wert darauf, „dass Menschen mit Behinderungen aktiv das Programm mitgestalten“ – zum Beispiel durch Angebote in Leichter Sprache. Der Verein sei ein Vorbild auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft, heißt es in der Begründung des Preisgerichts. Das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro wird der Verein übrigens für die Finanzierung von Fortbildungen weiterer Übungsleiter, Trikots und die Teilnahme an inklusiven Wettbewerben verwenden. 

Das Fußballteam des SC Gröbenzell

Auch beim SC Gröbenzell wird Inklusion großgeschrieben: Mädchen und Buben mit und ohne Behinderungen kicken in einer Mannschaft. Diese Chance zur gleichberechtigten Teilhabe hat im Breitensport Fußball immer noch Seltenheitswert. Deshalb hat die Jury des Inklusionspreises des Bezirks Oberbayern dem Verein zusammen mit der Fußball-Inklusionsmannschaft des SC Gauting den 3. Platz zugesprochen.

Miteinander Fußball spielen heißt beim SC Gröbenzell, dass die Buben und Mädchen einander respektieren, unterstützen und mit allen Unterschieden annehmen. Alle dürfen mitspielen, keiner muss vom Feldrand aus zusehen, und Anderssein ist normal. „Das ist für uns Inklusion“, sagt Christian Mausbach, Jugendleiter beim SC Gröbenzell und Vater eines Sohnes mit Behinderungen

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