Schreiben an Aigner

Bocklet verzichtet auf Listen-Kandidatur

Dem neuen Bayerischen Landtag wird der 1. Vizepräsident Reinhold Bocklet definitiv nicht mehr angehören. 

Fürstenfeldbruck/Gröbenzell - Dies geht aus einem Schreiben hervor, das der zweite Mann des bayerischen Parlaments dieser Tage an die CSU-Bezirksvorsitzende von Oberbayern und stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner gesandt hat. Aigner hatte Bocklet im Herbst letzten Jahres eine Kandidatur auf der Oberbayern-Liste angeboten, nachdem er angekündigt hatte, sein Direktmandat an jüngere Bewerber abzugeben. Wie er in seinem Schreiben betont, sei er zwar zuversichtlich, dass die CSU im Herbst wieder gut abschneiden werde, so dass auch noch realistische Chancen für reine Listenbewerber bestünden. Im Fall seiner Wahl hätte er aber noch eine weitere fünfjährige Mandatszeit vor sich, an deren Ende er das 80. Lebensjahr vollendet haben würde. „Und obwohl mir die Arbeit eines Landtagsabgeordneten nach wie vor Freude macht, bin ich im Zweifel, ob ich die gesamte Wahlperiode gesundheitlich durchhalten würde.“ So gern er mit seiner Bewerbung mitgeholfen hätte, im Gefolge von Aigners Spitzenkandidatur in Oberbayern zusätzliche Stimmen zu gewinnen, bitte er um Verständnis für seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur.

Damit beendet Reinhold Bocklet seine politisch-parlamentarische Laufbahn, die 1979 mit seiner Wahl in das erste direktgewählte Europäische Parlament begann, dem er bis 1993 angehörte und in dem er die Funktionen des Agrarsprechers der EVP-Fraktion sowie des Vorsitzenden des Ausschusses für Recht und Bürgerrechte bekleidete. 1993 wurde er von Ministerpräsident Edmund Stoiber zum Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten berufen und übernahm 1998 das Amt des Staatsministers für Bundesangelegenheiten und Europafragen in der Staatskanzlei, das er bis 2003 innehatte. In dieser Eigenschaft errichtete er auch die Vertretung des Freistaates bei der EU im Brüsseler Institut Pasteur. Von 1994 bis 2003 war er Vertreter des Freistaates im Ausschuss der Regionen der EU, zuletzt als dessen 1. Vizepräsident. 1994 und 1998 zog er über die Oberbayern-Liste in den Landtag ein. 2003 übernahm er den Stimmkreis Fürstenfeldbruck-Ost. Seit der Landtagswahl 2008 bekleidet er die Funktion des 1. Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags, in der er den Landtag u.a. auch in der Konferenz der Regionalparlamente mit Gesetzgebungskompetenz in der EU vertritt.

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