Routine sticht! Sechzig siegt dank Oldie-Toren bei Grünwalder-Rückkehr

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Deutsch lernen als wichtiger Schritt zur Integration: Kulturreferentin Brigtitte Böttger (v.l.) mit Rita, Jana und Proscovia. Die drei jungen Frauen sind aus Uganda geflohen und haben sich Sprachbücher ausgeliehen.

Asylothek in Gröbenzell eröffnet

Bücherei-Angebot speziell für Flüchtlinge

Gröbenzell - Lesen bildet und klärt den Menschen auf. Aus diesem Grunde wurde nun in der Gröbenzeller Gemeindebücherei eine Asylothek für Menschen, die durch Flucht ihr Hab und Gut verloren haben, eingerichtet. Denn: Gelerntes kann man nicht wieder verlieren.

Immer wenn er Zeit hat, kommt Samiulla Taufigi, ein Flüchtling aus Afghanistan, in die Gemeindebücherei auf der Suche nach neuem Lesestoff. In der Regel wird er sehr schnell fündig und entdeckt auch immer etwas für seine vier Kinder, die begeistert Deutsch lernen. In Zukunft wird er wohl noch öfter hierher kommen, denn die Gemeinde hat einen speziell auf Asylbewerber zugeschnittenen Bereich mit Büchern und digitalen Medien eingerichtet.

Auch Samiulla Taufig (l.) und Ajmal Amin aus Afghanistan nutzen das neue Angebot.

Die Idee entstand bereits vor einem halben Jahr und wurde nun mit Hilfe des Sankt Michaelsbunds umgesetzt. Zur Eröffnung kamen sowohl Bürgermeister Martin Schäfer, als auch Kulturreferentin Brigitte Böttger. Sie zeigten sich sichtlich begeistert, dass zur feierlichen Eröffnung der sogenannten Asylothek mehr als 50 Interessierte den Weg in die Bücherei gefunden haben.

Das Besondere in Gröbenzell sei, dass es im Gegensatz zu anderen Kommunen ein derartiges Angebot nicht in verschiedenen Einrichtungen, sondern direkt unter dem Dach der Bibliothek gebe, erklärte Schäfer. Im Grunde genommen handelt es sich um die Erweiterung der Bücherei, die bereits Literatur in unterschiedlichsten Sprachen, wie Englisch, Französisch und Spanisch besitzt. Nun steht eben auch spezieller Lesestoff mit arabischen Themen zur Verfügung, vor allem der Bereich Islam wird in manchen Werken neutral und sachlich betrachtet. Dadurch können Asylbewerber Informationen erwerben, die ihnen vorher nicht zugänglich waren.

Die nun bereitgestellte Sammlung soll Stück für Stück erweitert werden. Aus diesem Grund richtete Schäfer seine Bitte auch an die Kunden: „Nutzen Sie dieses Angebot.“

Mit den Worten „Use the book!“ wurden die Interessenten anschließend dazu angehalten, in den Büchern zu stöbern, ungestört ihre Entdeckerlust auszuleben sowie weitere Ideen und Anregungen einzubringen.

Drei Asylbewerberinnen aus Uganda, die unabhängig voneinander in Deutschland ankamen und sich hier anfreundeten, haben bereits nach kurzer Zeit in der Asylothek etwas entdeckt. Proscovia, eine der drei Frauen, hält ein Lehrbuch mit dem Titel „Deutsch in 30 Tagen“ in der Hand und hat sich sichtlich viel vorgenommen. Momentan besucht sie einen Sprachkurs und will eines Tages Physiotherapeutin werden. So schwer es für manchen ist, dieses Wort zu schreiben, so schwierig ist es für Proscovia bisher noch, den Wunschberuf auszusprechen.

Dennoch hält sie an ihrem ehrgeizigen Ziel fest. Und der Schlüssel zum Erfolg ist nunmal das Lernen. Ganz allgemein wollen sämtliche Beteiligte durch die Vermittlung von Sprache und Wissen über die Literatur die Integration der Flüchtlinge vorantreiben. Denn es gilt der Grundsatz: „Man kann alles verlieren was man hat, aber man kann nicht verlieren, was man kann“, zitiert Böttger einen weisen Satz ihres Vaters.

Genauso sieht es auch Ajmal Amin. Der 28-Jährige aus Afghanistan ist seit nunmehr zweieinhalb Jahren hier und spricht so gut wie fließend Deutsch. Zwar ist er zum ersten Mal in der Gemeindebücherei, zeigt sich aber sehr erstaunt über das hiesige Angebot.

Eigentlich hatte er sich schon ein Buch in seiner Landessprache ausgesucht, das ihm dann aber vor der Nase weggeschnappt wurde. Macht nichts, denn man hat vereinbart, es gleich nach dem Lesen weiterzureichen. Stattdessen nimmt Ajmal am Ende ein Buch mit dem Titel „Menschenleben retten“ mit, um eines Tages selbst Bedürftigen die Unterstützung zu geben, die er hier in Deutschland erhalten hat.

von Matthias Kast

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