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Dicht an dicht standen die Besucher an den Büchertischen in der Sporthalle, um nach literarischen Kostbarkeiten zu stöbern.

Bücherflohmarkt in Gröbenzell

Sporthalle als Mekka für Leseratten

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Er ist mittlerweile eine Institution in der Gemeinde und einer der größten Bayerns: Der Gröbenzeller Bücherflohmarkt. Zahlreiche Leseratten drängten sich am Wochenende an den fast 200 Tischen in der Wildmooshalle. Die Planung ist jedes Jahr ein wahrer Kraftakt für die Organisatoren und Helfer.

Gröbenzell – Manch einer klopft sich den Schnee von den Klamotten, als er von draußen in die warme Wildmooshalle kommt. Andere stehen an den zahlreichen Bücherkisten, um nach Lesestoff zu stöbern. Und dann gibt es noch die, die von der Schnäppchensuche schon eine Kaffeepause brauchen. Und mittendrin: Renate Müller und Christa Bumeder, die beiden Organisatorinnen des 27. Bücherflohmarkts in der Wildmooshalle.

Seit sieben Jahren sorgen die Gröbenzellerinnen dafür, dass beim wohl größten bayerischen Flohmarkt für Lesestoff alles glatt geht. Weil Christa Bumeder (69) aufgrund einer Erkältung fast nicht sprechen kann, berichtet Müller (68) von den aufwendigen Vorbereitungen für den Flohmarkt. Das Sortieren der Bücherspenden und die Organisation sei ein Vollzeit-Job, sagt die Vorsitzende des Vereins Gröbenzell hilft, welcher den Flohmarkt jedes Jahr durchführt.

Auch günstige Raritäten finden sich in der Wildmooshalle den Kisten

Mit leeren Händen ist fast kein Besucher nach Hause gegangen. Fündig geworden sind auch (v.l.) Rita Volmer sowie Aldur und Renate Schultz.

Bevor das erste Buch den Besitzer wechselt, stellt der Verein im Herbst mehrere Hilfsprojekte vor. An sie wird das erwirtschaftete Geld gespendet. „Wir unterstützen 25 meist kleinere Projekte und wir haben oft Vertreter der Organisationen da, die ihre Aktionen vorstellen“, sagt Renate Müller. „Außerdem achten wir sehr darauf, dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird.“

Sortiert werden die Spenden ab Januar. Das Prozedere dauert rund zwei Monate lang. Obwohl nur an vier Tagen Bücher, Spiele, DVDs und Co. angenommen werden, kommen am Ende fast 2000 volle Bananenkisten zusammen. Plus 500 Kisten von Haushaltsauflösungen – auch sie müssen sortiert und gesichtet werden müssen.

Da heißt es anpacken für Christa Bumeder und Renate Müller. Doch zum Glück können die Frauen auf rund 40 Helfer zurückgreifen. „Wir haben unter der Woche von 9 bis 18 Uhr den Sortierraum geöffnet und ich bin in der Zeit jeden Tag vor Ort“, sagt Renate Müller. Doch die Arbeit mache auch Spaß. „Wir unterhalten uns oft über die Bücher oder trinken einen Kaffee“, sagt sie. Zum Schluss sind alle Spenden in 150 Kategorien aufgeteilt und mit einem Preis zwischen 50 Cent und vier Euro versehen. In der Halle sind es später sogar 250 Kategorien. So weiß jeder, wo er suchen muss. Auch Raritäten, etwa aus der Zeit des Dritten Reichs, finden sich in den Kisten. Sie werden für rund die Hälfte ihres eigentlichen Werts verkauft.

Besucher und Händler aus ganz Deutschland stöbern beim Bücherflohmarkt

„Zu guter Letzt kommen unsere starken Herren, die die schweren Kisten zur Halle transportieren“, sagt Renate Müller. In den Faschingsferien werden die fast 200 Tische aufgebaut. Ausgemessen wird die Halle am Aschermittwoch und am Donnerstag und Freitag verteilen über 45 Helfer die Kisten. Dann beginnt für die Organisatorinnen und ihre vielen Helfer das wohl stressigste Wochenende des Jahres.

Erschöpft, aber glücklich: die Organisatorinnen Renate Müller (l.) und Christa Bumeder von Gröbenzell hilft.

Zahlreiche Besucher sowie professionelle Händler aus ganz Deutschland bahnen sich ihren Weg durch die Reihen und packen sich die mitgebrachten Taschen bis obenhin voll. An den vier Schnell- und zwölf normalen Kassen bilden sich dann vor allem mittags lange Schlangen. „Aber wir versuchen, dass keiner länger als 20 Minuten warten muss“, sagt Renate Müller. Sie selbst steht am Verkaufstag meist an einer Schnellkasse.

Am Sonntagabend ist es dann schließlich geschafft. Die übrig gebliebenen Bücher sind an einen Großhändler aus Halle verkauft und die Helfer gönnen sich als Entlohnung für die harte Arbeit zusammen eine Pizza.

Und Christa Bumeder und Renate Müller? Sie sind erschöpft, aber glücklich. Wenn sie in den nächsten Tagen das eingenommene Geld an die Hilfsprojekte verteilen, werden sie in zahlreiche glückliche Gesichter blicken. Das ist ihre Belohnung für die Planung des jährlichen Bücher-Wahnsinns.

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