Ein eingespieltes Trio (v.l.): Mutter Michaela, Emma und Felizia. „Es kommt darauf an, dass man offen ist und Empathie hat“, sagt die Familienhelferin. Foto: osman „Wenn die beiden losziehen, kann ich ganz beruhigt sein.“Mutter Michaela T.

Eltern kreis behinderter Kinder Olching

Damit Mama mal durchschnaufen kann

Familien mit behinderten Angehörigen sind stark belastet. Oft dreht sich alles nur um das behinderte Familienmitglied, die Leben der anderen fallen hinten runter. Dem will der Familien entlastende Dienst (FeD) des EBK Olching entgegenwirken – und schickt Helfer in die Familien. Eine davon ist Felizia J. Das Tagblatt hat sie begleitet.

Olching/Gröbenzell„Die beiden haben sich gesucht und gefunden“, sagt Michaela T. und schaut auf ihre Tochter Emma, die mit Felizia J. am Tisch sitzt und sich eine klein geschnittene Banane schmecken lässt. Wenn es draußen nicht so schütten würde, könnten die beiden später mit Emmas Therapie-Fahrrad zum Spielplatz gehen. Aber auch im Haus gibt es genug zu tun – Ball spielen, Bilderbücher anschauen oder sich auf dem Computer ein Video ansehen. Zum Beispiel das von Emmas Geburtstagsparty letzte Woche.

„Ja“, ruft die Sechsjährige begeistert. Es ist das einzige Wort, das sie sagen kann. Emma leidet am Rett-Syndrom, einem seltenen Gen-Defekt, der schwere körperliche Behinderungen und autistische Züge mit sich bringt. Verständigen kann sie sich über einen Sprachcomputer, den sie mit den Augen bedient.

Die Sechsjährige muss rund um die Uhr betreut werden. Einmal in der Woche übernimmt das Felizia J. vom Familien entlastenden Dienst (FeD), den der Kreis Eltern behinderter Kinder (EBK) Olching vor 20 Jahren ins Leben gerufen hat (siehe Kasten). Hier erhalten Familien mit behinderten Angehörigen praktische Hilfe – idealerweise präventiv und frühzeitig, bevor körperliche oder psychische Erschöpfung eintritt. Außerdem sollen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit bekommen, durch den Kontakt mit den Ehrenamtlichen mehr Selbstständigkeit zu erlangen.

Die Helfer gehen stundenweise in Familien im ganzen Landkreis, wobei jeder selbst entscheiden kann, wie viele Einsätze er übernehmen will. „Jeder darf es so gestalten, wie er möchte“, sagt FeD-Leiterin Yvonne Resl. „Das kann einmal im Monat sein oder jede Woche.“

Felizia J. verbringt jeden Donnerstag ein paar Stunden mit ihrem Schützling Emma in Gröbenzell. „Mir macht das so viel Freude, dass ich inzwischen noch andere Aufgaben übernommen habe“, erzählt die 63-Jährige. So unterstützt sie zweimal im Monat eine weitere Familie und engagiert sich in der inklusiven Sportgruppe des EBK.

Michaela T. ist glücklich über die Hilfe, die sie bekommt. An diesen Tagen kann sie länger arbeiten, hat mehr Zeit für Emmas vierjährige Schwester oder für einen Friseurbesuch. Ihre Sechsjährige weiß sie derweil bei Felizia J. in guten Händen. „Wenn die beiden losziehen, kann ich ganz beruhigt sein.“

Dass es zwischen Felizia J. und Emma so gut klappt, liegt nicht zuletzt an der Sorgfalt, mit der die Helfer vermittelt werden. Für Vorgespräch und Ersteinführung nimmt man sich beim FeD viel Zeit. „Wir schauen genau, wer in welche Familie passt“, so Resl. Dank jahrelanger Erfahrung liegt sie bei der Zuweisung meistens richtig. Wenn es doch Probleme gibt, hat sie immer ein offenes Ohr – das hat auch Michaela T. schon erfahren. Mit einer früheren Helferin stimmte die Chemie einfach nicht. Dafür klappt es jetzt mit Felizia J. umso besser.

Vorbildung in der Arbeit mit Behinderten oder einen sonstigen sozialen Hintergrund muss niemand mitbringen. „Es kommt darauf an, dass man offen ist und Empathie hat“, sagt Felizia J., die bis zu ihrem Ruhestand als Assistentin auf Geschäftsleitungsebene gearbeitet hat. „Ich habe Emma so genommen, wie sie ist – eine kleine liebenswerte, charmante Person.“ Dann hebt sie die Sechsjährige aus ihrem Hochstuhl, denn jetzt ist Ballspielen angesagt. „Sie mag am liebsten Action.“ (os)

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