Auf Spurensuche

Diese Fische leben in unseren Bächen

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Karfreitag ist für viele traditionell der Tag, an dem Fisch auf den Tisch kommt. Auch ein Anlass, mal nach den lebendigen Exemplaren zu schauen. Welche Fische gibt es noch in den natürlichen Gewässern? Welche sucht man mittlerweile vergebens? Eine Spurensuche am Gröbenbach.

Gröbenzell/Puchheim– Der Weg der kleinen Bachforelle ins Leben ist steinig. Die Fische legen ihre befruchteten Eier ausschließlich auf kiesigem Untergrund ab, diese rutschen dann durch den lockeren Boden nach unten. Experten wissen auch, warum: „Dort haben sie ihren eigenen Schutzraum vor Fressfeinden“, erklärt Thomas Schiffler, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Fürstenfeldbruck und Vizepräsident des oberbayerischen Fischereiverbandes. Den sicheren Laichplatz verlassen die Tiere erst, wenn sie geschlüpft sind und der Dottersack – ein Rest des Eis an der Bauchseite – aufgebraucht ist.

Das Kinderbett istaus Kies gemacht

Die kleinen Steinchen sind für Fischarten wie die Bachforelle, die zu den Kieslaichern gehört, lebenswichtig, um sich fortzupflanzen. Der Gröbenbach, der nahe des Germeringer Sees entspringt, bietet noch einen guten Lebensraum, erläutert Schiffler. Aufmerksame Spaziergänger, die zum Beispiel von Gröbenzell nach Puchheim laufen, werden in dem Gewässer vor allem Bachforellen entdecken. Die Tiere sind verhältnismäßig groß, werden bis zu 65 Zentimeter lang. „Es handelt sich um einen Raubfisch“, sagt Schiffler. Am liebsten ernährt er sich neben Larven und Insekten von kleinen Fischen, die auch im Gröbenbach schwimmen. Hierzu gehören Mühlkoppen, die zwischen zehn und 15 Zentimeter lang werden, und Elritze. Beide gibt es allerdings nicht mehr häufig. „Ich habe schon ewig keine mehr gesehen“, berichtet Schiffler. Der um die 20 Kilometer lange Gröbenbach sei nur eine kleine Lebenseinheit, vergleichbar mit dem Starzelbach in Eichenau. Doch wo das Wasser fließe, sei auch Kies. Dabei hat der Mensch ordentlich am Verlauf des Baches herumgedoktert. Der Gröbenbach war einmal ein mäandernder Wiesen- und Moosbach und ist heute fast in seinem gesamten Verlauf begradigt und kanalisiert. Welche Auswirkungen solche Eingriffe haben können, ist in größeren Dimensionen an dem Fluss zu sehen, in den der Gröbenbach mündet: die Amper, 168 Kilometer lang.

Hier gibt es laut Schiffler immer mehr Stellen ohne den lebenswichtigen Schotterboden. Durch Wehre werden Stillbereiche geschaffen. Durch starke Verbauung der Fließgewässer (zum Beispiel Stauwerke), aber auch Abtragung von Mutterboden durch die Landwirtschaft, wodurch Uferrandstreifen zerstört werden, werden die Gewässer verdichtet und verschlammt. Der Kies verschwindet nach und nach. Ein großes Problem sind kleine Wasserkraftanlagen. „Sie schneiden die Gewässer in zwei Hälften“, so Experte Schiffler. Die Kieslaicher können nicht mehr wandern, wie sie es eigentlich tun würden. Manche Fische legen Kilometer zurück. Viele Fischtreppen, insofern vorhanden, funktionieren nur für den Aufstieg. Das alles fordert seinen Tribut.

Nur noch ein Drittel aller in Bayern vorkommenden Arten ist mittlerweile in der Amper aufzufinden – genauer gesagt: 20 von 60. Zum Beispiel die Barbe (70 Zentimeter). Ein sehr schmackhaftes Exemplar und somit gerade für Angler interessant. Mittlerweile so gut wie ausgestorben ist die Nase, die sich durch einen „großen Zinken“ auszeichnet, scherzt Schiffler. Auch einer der größten Fische, der Huchen („Donaulachs“), der bis zu eineinhalb Meter lang wird, schwimmt nicht mehr durch unsere Gewässer. Ohne das Zutun der Fischereivereine sähe es noch düsterer aus.

Entenfüttern birgteine Gefahr

Die ehrenamtlichen Helfer versuchen, Restbestände in künstlicher Aufzucht zu erhalten – sowohl die für die Fischerei interessanten Speisefische als auch die, die für das Gleichgewicht des Ökosystems wichtig sind. Mit Brutboxsystemen wird der Mangel an Laichplätzen aufgefangen. In der Amper bei Fürstenfeldbruck werden durch diese Methode jährlich 15 000 Eier der Bachforelle und 5 000 Eier der stark bestandsgefährdeten Äsche ausgebrütet und aufgezogen. Finanziert wird das aus Mitgliedsbeiträgen.

Auch der kleine Mann oder der Spaziergänger am Gröbenbach kann dazu beitragen, dass der Überlebenskampf einzelner Fischarten nicht noch härter wird. Es passiere häufig, so Schiffler, dass Aquarien in Bächen und Seen entleert werden. „Das ist so, wie wenn man ein Zebra im Wald aussetzt“, erklärt er.

Die fremden Fischarten haben kaum eine Überlebenschance und bringen Mikroorganismen in das Wasser, die die heimischen Fische oder auch den Edelkrebsbestand töten können. Manchmal meinen die Menschen es gut und bewirken das Gegenteil, zum Beispiel beim Entenfüttern. Brot, Toast und Semmeln verändern die Verdauung der Tiere und ihr natürliches Verhalten, eine Futterquelle zu suchen. Und es kann zu einem explosiven Wachstum einer Population kommen, weil so viel Futter vorhanden ist. „Es gibt Wahnsinnige, die schmeißen ganze blaue Müllsäcke voll Brot ins Wasser“, schimpft Schiffler. Entsprechende Fundstücke beim alljährlichen Ramadama am Ufer würden das belegen. Da offenbaren sich zudem Müll-Sünden wie Auto-Batterien oder Öle. Wie tödlich diese Substanzen für das Ökosystem sind, sollte jeder mit gesundem Menschenverstand wissen. Es gibt aber auch eine gute Nachricht für alle Kneipp-Freunde: Die Anlagen zum Wasserstampfen im Gröbenbach schaden dem Ökosystem nicht.

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