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Das erste Volksradeln fand am 27. September 1981 statt. Auf dem Foto (v.l.) IVG-Vorsitzender Gerhard Raab, Bürgermeister Bernd Rieder und der Organisator der Radtour, Hans Leo Poeplau.

Zusammenhalt

Dieser Verein bringt Gröbenzell voran

Die erste Poststelle, das Bürgerfest und die Flohmärkte: Der Interessensverein Gröbenzell (IVG) ist seit 110 Jahren ein wesentlicher Teil des Ortslebens. Schon ganz früh hat er viel zur Entwicklung beigetragen – und wichtige Weichen gestellt.

Gröbenzell – Als die Siedlung am Gröbenbach nach dem Bau einer Bahnstation 1898 immer größer wurde, 30 Anwesen entstanden, da bildeten sich auch bereits Vereine. Einer davon war der IVG, der sich im Jahre 1910 gründete. Erster Vorsitzender wurde Josef Reithmayr.

Vor über 100 Jahren

Die Lebensverhältnisse waren Anfang des 20. Jahrhunderts schwierig. „Straßen im heutigen Sinne waren nicht vorhanden“, schrieb der damalige IVG-Vorsitzende Albert Meyer 1931 in der ersten Ortschronik. Es sei also notwendig gewesen, dass man sich zusammentat und bessere Bedingungen schuf.

Eine der ersten Taten war es, entlang der Kirchen- und der Eschenriederstraße Fußwege anzulegen und Baumalleen zu pflanzen. Meyer schwärmte: Die Bäume machten die Straßen mit zu den schönsten der Siedlung.

Eigene Poststation

1925 hat der Verein sich für eine eigene Poststation stark gemacht. Denn es war ganz schön verwirrend: Die Teile Gröbenzells, die östlich des Ascherbachs lagen, gehörten postalisch zu Lochhausen, die, die sich westlich davon befanden, zu Olching. So kam es immer wieder vor, dass eilige oder amtliche Schreiben nicht rechtzeitig zugestellt werden konnten. Wie Horst Hell in seinem Heimatbuch schreibt, gab es seit 1924 im Kaufhaus Ernst an der Kirchenstraße lediglich Ansätze einer Poststelle: Hier wurden Pakete ausgeliefert.

Der IVG beantragte bei der Oberpostdirektion Augsburg eine eigene Poststelle für Gröbenzell. Diese wurde im Oktober 1925 eröffnet. Der Interessenverein beteiligte sich daran sogar finanziell: Er übernahm einen Teil des Gehaltes für den Leiter der Stelle und bezuschusste die Einrichtung der Stelle mit 250 Reichsmark.

Schönerer Bahnhof

Der Bahnhof war den Mitgliedern des IVG ebenso ein Dorn im Auge, auch da musste etwas getan werden. Im Herbst 1927 erhielt die Siedlung schließlich einen neuen Bahnhof. Laut Chronik „ein schöner schmucker Zweckbau“. Erst war da lediglich ein Bahnsteig, später kam eine offene Wartehalle nebst Fahrkartenausgabe hinzu.

Nachtwächter

Auch die Sicherheit der Gröbenzeller musste gewährleistet werden. Immer öfter passierte es, dass Einbrecher unterwegs waren. 1928 wurde ein Nachtwächter eingestellt. Der erweiterte sein Aufgabenfeld allerdings noch.

Immer wieder reklamierte er, dass auf der nahe gelegenen Puchheimer Planie eine Deponie mit dem Hausmüll der Münchner angelegt wurde. „Die hiesige Bevölkerung wohnt ja hier, um sich nach getaner Arbeit in der Großstadt an frischer und gesunder Luft zu laben und nicht die ekelhaften stinkigen Gerüche von Münchner Küchen und sonstiger Abfälle einzuatmen“ hieß es in einem Schreiben von 1934.

Diverse Aktionen

Bis heute setzt sich der Verein für das Gemeinschaftsleben ein und bietet diverse Veranstaltungen an. Im Frühjahr und im Herbst ziehen Flohmärkte hunderte Käufer und Verkäufer in das Freizeitheimgelände. In der Regel im Juni lädt der IVG zum Volksradeln und im Sommer zum traditionellen Bürgerfest ein. Im November steht der beliebte Hobbykünstlermarkt und im Dezember die Seniorenfeier und das gemeinsame Weihnachtsliedersingen auf dem Programm. In diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie jedoch alles anders.

Verlorener Kampf

2018 hatte sich der Verein für den Erhalt der alten Bahnhofswirtschaft – der „Hexe“ – eingesetzt. Es wurde eine Demonstration mit über 300 Teilnehmern organisiert und es wurden über 1000 Unterschriften gesammelt. Das Engagement blieb allerdings ohne Erfolg. Die Hexe gibt es nicht mehr, sie wurde abgerissen. Dort soll ein neues Gebäude entstehen.

In der Vorstandschaft hat vor zwei Jahren eine Verjüngung eingesetzt. Marina Kinzel und Annalena Berger hatten damals den Vorstand übernommen.

Das Jubiläum

Der 110. Geburtstag wird heuer aufgrund der Corona-Pandemie nicht gefeiert. Stattdessen ist für das kommende Jahr ein Fest zum 111. Ehrentag geplant.

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