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„Reißen wir doch das Dach weg“: Der Kiosk von oben.

Pächter startet im Februar

Döner im Bahnhofs-Kiosk: Gröbenzell geht auf die Barrikaden

Die Diskussion um die Zukunft des Gröbenzeller Bahnhofskiosk als Dönergeschäft hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine neue Eskalationsstufe erreicht. 

Gröbenzell – Gemeinderatsmitglied Cordula Braun (UWG) platzte der Kragen. „Ich rufe zum Ungehorsam auf“, forderte sie ihre Gemeinderatskollegen auf. Und brachte einen äußerst unkonventionellen Vorschlag: „Reißen wir doch das Dach des Kiosks ab.“ Hintergrund ist, dass das Dach, das den Kiosk, die Toiletten und die vorderen Fahrradständer bedeckt, nicht der Bahn gehört – sondern der Gemeinde. Das wurde damals in einem Vertragswerk in den 1970er Jahren mit der Bahn so festgelegt: Die Gemeinde baut das Dach, das im Übrigen ein eigenständiges Bauwerk ist, wegen der Überdachung der Radlständer auf der Rückseite des Kiosks. Gemeinderatsmitglied Braun sah darin wohl eine Chance, der Bahn eins auszuwischen.

Denn auch das Rathaus hatte sich immer wieder darum bemüht, den seit Jahren leer stehenden Kiosk anzukaufen oder zu pachten. Warum es nie dazu kam, verriet nun Martin Runge (Grüne) in der Sitzung, bisher war dies nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen worden: Die Bahn habe „einen Apothekerpreis“ gefordert. Wie hoch dieser genau war, wollte er nicht sagen. Die Gemeinde zahlte ihn nicht.

Pächter kann im Februar starten

Offenbar aber jemand anderes. Die Bahn hat einen Pächter gefunden, der einen Döner-Imbiss eröffnen will, in dem man auch Reisebedarf erwerben kann. Die Bahn hofft laut einem Sprecher, den Laden im Februar dem Pächter übergeben zu können. Anschließend wird die Inneinrichtung eingebaut. Wann Eröffnung ist, legt der neue Pächter fest, so der Bahnsprecher. Eigentlich hätte die Übergabe an den Pächter bereits Ende vergangenen Jahres über die Bühne gehen sollen. Doch diese hat sich verzögert, „weil es noch Abstimmungsbedarf mit der Gemeinde bezüglich der Umnutzung des ehemaligen ServiceStores zu einem Imbiss gab“, so der Bahnsprecher. Im Rathaus ist allerdings von einem Antrag auf Nutzungsänderung nichts bekannt, berichtet Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) auf Tagblattanfrage.

Döner-Läden gibt es genug

Im Gemeinderat war die Ankündigung der Bahn, dass in dem Kiosk künftig Döner verkauft werden sollen, auf wenig Gegenliebe gestoßen. Man hatte sich einen Kiosk mit Reisebedarf vorgestellt, in dem man auch Fahrkarten kaufen kann. Das geht bisher nur an den Automaten am Bahnsteig. Dönerläden hingegen gibt es genug. Allein im Ortszentrum finden sich zwei Geschäfte mit dem türkischen Fast Food. Im Gemeinderat kamen bereits erste Zweifel auf, ob der Dönerverkauf im Bahnhofskiosk von Erfolg gekrönt sein wird. Denn Runge vermutet, dass der Pächter den von der Bahn geforderten Wucher-Preis nicht lange zahlen kann und pleite geht.

Die Reaktion auf den Aufstand von Cordula Braun war im Übrigen recht verhalten. Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) verriet: „Ich bin zwar ein Freund schräger Maßnahmen, doch dazu kann ich nicht aufrufen.“ Man werde zudem vertragsbrüchig, wenn man das Dach abreiße. (sus)

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