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Bürgemeister Schäfer

Mit Hotel

Durchbruch beim Plan für Bahnhofs-Areal in Gröbenzell

Seit Jahrzehnten ringt man in Gröbenzell darum, wie das 20 000 Quadratmeter große Areal an der westlichen Bahnhofstraße bebaut werden könnte. Nun gelang der Durchbruch.

Gröbenzell – Der Gemeinderat hat einen Bebauungsplanentwurf gebilligt – nur Anton Kammerl (CSU) stimmte dagegen. Zudem wurde die Umlegung von Grundstücksgrenzen beschlossen. Zahlreiche Hürden waren zu überwinden, erinnerte Bürgermeister Martin Schäfer (UWG). Es gab einen Bürgerentscheid, eine Bürgerwerkstatt, einen Architektenwettbewerb, der Planer wurde gewechselt, Gutachten wurden eingeholt, Träger öffentlicher Belange und Bürger angehört und Einwendungen abgewogen. Nun steht fest, wie das Areal in Zukunft gestaltet werden darf. „Der Entwurf ist sehr geglückt“, lobte etwa Peter Falk (SPD).

Das urbane Gebiet

Über die Hälfte der Flächen an der westlichen Bahnhofstraße zwischen Bahnhof- und Angerstraße gehört der Kommune. Der südliche Bereich (bis zur Bahnhofstraße 7) wird urbanes Gebiet. Hier sind Wohnen, Gewerbe, soziale und kulturelle Einrichtungen zugelassen. Unterkommen können auch Kindertagesstätten, Demenzgruppen oder ein Hotel – mit 120 Betten in 80 Zimmern.

Martin Runge (Grüne) war kritisch: „Ist das nicht zu groß?“ Er warnte vor mehr Verkehr. Falk stimmte zu: Die Gäste würden nicht mit der S-Bahn, sondern mit Auto oder Bus anreisen. Bürgermeister Schäfer beschwichtigte: Er halte es für unwahrscheinlich, dass ein Hotel hier tatsächlich realisiert werde. Wenn die Zimmer nicht nur rund 17 Quadratmeter groß sind, wären dafür 2400 Quadratmeter Fläche Voraussetzung. Dies biete kein privates Grundstück, und ein gemeindliches werde es nicht geben. Generell ausgeschlossen sind Tankstellen und Vergnügungsstätten. Musiklokale sind auf Antrag Runges ausdrücklich zugelassen, sodass eines Tages ein Jugendcafé entstehen könnte. Neben dem urbanen Gebiet liegt ein Mischgebiet mit Wohnen und Gewerbe (keine sozialen und kulturellen Einrichtungen, Tankstellen, Gartenbaubetriebe und Vergnügungsstätten).

Grüner Baum

Für die westlichen Grundstücksteile (Richtung Finkenstraße) wurde ein allgemeines Wohngebiet definiert – hier ist betreutes Wohnen oder Kinderbetreuung erlaubt. Auf dem Grundstück „Grüner Baum“ könnte ein Wohnhaus, aber auch wieder eine Gaststätte oder ein Jugendlokal entstehen. Die Gebäude dürfen zwischen zwei und fünf Geschossen hoch werden, die Höhe fällt aber nach Norden und Richtung Westen ab. Die Geschossflächenzahl schwankt zwischen 0,5 und 1,2, im Durchschnitt liegt sie bei 0,83. Die Erdgeschosse sind für Gewerbe reserviert, die Dächer sind als Flachdächer vorgesehen, die begrünt werden müssen.

Thema war außerdem ein Supermarkt auf dem Areal. In einem Bürgerentscheid war dieser auf 400 Quadratmeter Verkaufsfläche festgesetzt worden. Da seit dem Entscheid bereits mehr als zehn Jahre vergangenen sind, sah Brigitte Böttger (CSU) den Gemeinderat nicht mehr daran gebunden: „Dies entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen.“ Bauamtsleiter Markus Groß erläuterte, dass im Bebauungsplan die Beschränkung nicht festgesetzt werden könne. Allerdings könne die Gemeinde den Markt auf ihren Flächen realisieren. Falk warnte davor, „teure kommunale Flächen hinterrücks zu verplempern“. Runge fügte an: „Die Entwicklung geht zu kleineren Läden“.

Anton Kammerl störte sich daran, dass für sämtliche Gebäude Flachdächer vorgesehen sind, auch für ein künftiges Gebäude auf dem Grundstück des Grünen Baums. Er wollte hier die Dachform freigeben. Für seinen Antrag bekam er aber keine Mehrheit.

Fällungen und Parken

227 Bäume stehen auf dem Areal, 216 sind durch die Baumschutzverordnung geschützt, 150 müssen voraussichtlich gefällt werden. Es soll aber nachgepflanzt werden. Zur Finkenstraße ist ein Grüngürtel vorgesehen, im einstigen Biergarten beim Grünen Baum sollen auch in Zukunft viele Bäume stehen. Wie der Straßenraum gestaltet wird, ist hingegen noch völlig offen. Dies kann nicht im Bebauungsplan geregelt werden, erläuterte Planerin Bettina Gerlach. Die Autos werden überwiegend in Tiefgaragen unterkommen.

Zum Thema Überschwemmungsgebiet

Eine Neuberechnung hat ergeben hat, dass das Areal an der Bahnhofstraße gar nicht mehr im vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet liegt. Das Landratsamt muss das nun neu festsetzen, die Karten liegen offenbar mittlerweile vor. Erleichtert verkündete Bürgermeister Schäfer: „Für Gröbenzell hat es sich hervorragend verändert.“ 

Auch das Bebauungsplangebiet Freyastraße fällt praktisch komplett aus dem Überschwemmungsgebiet raus. Allerdings: Unter den neuen Voraussetzungen wird es für den Bebauungsplan westliche Bahnhofstraße wohl einen erneuten Billigungsbeschluss geben müssen. Gummistiefel, die die Gröbenzeller sich gekauft hätten, könnten jetzt nach Olching und Eichenau weitergegeben werden, scherzte Schäfer. Denn: „Die saufen ab.“ 

Auch in Gröbenzell hat es negative Veränderungen gegeben, wie etwa im Bereich nördlich der Parkstraße Richtung Bahndamm. Auch die Trasse der Süd-West-Umfahrung Olchings ist mehr betroffen als bisher. „Das kann bedeuten, dass wir jetzt bessere Karten haben“, freute sich Martin Runge (Grüne). Er war verärgert, dass es zu dem falsch festgesetzten vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet gekommen ist. So mancher Bürger sei angefressen. So habe ein Gröbenzeller rund ein Jahr auf seine Baugenehmigung warten müssen, habe auf Stelzen gebaut und falle jetzt aus dem Überschwemmungsgebiet heraus.

Der Entwurf

wird erneut ausgelegt. Bürger und Träger öffentlicher Belange können Einwendungen vorbringen.

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