Gemeinsames Singen

Ein Hauch von Weihnachten am Friedhof

Am späten Nachmittag des Heiligen Abend besuchen viele Bürger die Gräber ihrer Angehörigen. Auf den Friedhöfen in Olching und Gröbenzell wird es dabei besonders stimmungsvoll. Denn dort werden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen – mittlerweile eine lieb gewonnene Tradition.

Olching/Gröbenzell– Wenn die Dämmerung hereinbricht, gegen 16 Uhr, stimmt der Gröbenzeller Männergesangverein auf dem Friedhof bekannte Weihnachtslieder an – sehr zur Freude der Bürger. „Seit Jahrzehnten besuchen am späten Nachmittag des Heiligen Abends viele Gröbenzeller die Gräber ihrer Verwandten und Bekannten“, erzählt Peter Schmoll, der erste Vorsitzende des Männergesangvereins. So sei man auf die Idee gekommen, dort zu singen.

Jahrelang bestritt der Männergesangverein dieses Weihnachtssingen allein. Doch seit zwei Jahren verstärken Sänger des Gemischten Chores, der Gröben-Töne und die Sängerinnen des Frauenchors die Stimmen der Männer. Der so entstandene Projektchor nennt sich die „Gröben-Singers“.

Auch in Olching können die Bürger im Alten Friedhof, im Parkfriedhof und im Estinger Friedhof weihnachtlichen Klängen lauschen – und sie dürfen natürlich auch gerne mitsingen. Auf dem Alten Friedhof stimmt die Olchinger Blaskapelle ab 15.30 Uhr Weihnachtslieder an. Der Vorsitzende der Bläser, Marcus Jaura, sagt: „Die Idee wurde vom damaligen Bürgermeister Siegfried Waibel geboren. Diese Veranstaltung gibt es seit rund 15 Jahren.“

Gespielt wird etwa eine halbe Stunde in einer kleinen Besetzung von rund zehn Bläsern. „Bei den klassischen Weihnachtsliedern, die jeder kennt, kommen den Besuchern manchmal auch Tränen, wenn sie dabei an ihre Angehörigen denken“, erzählt Jaura. Bei dieser beschaulichen Veranstaltung könne man den Trubel der Vorweihnachtszeit hinter sich lassen, innehalten und zur Ruhe kommen. Am Ende des Konzerts spricht der Bürgermeister oder ein Vertreter zu den Besuchern und wünscht allen ein gesundes und friedliches Weihnachtsfest.

Auf dem Olchinger Parkfriedhof stimmen die Neurieder Blasmusikanten um 16.30 Uhr ihre Lieder an. „Ursprünglich spielte immer eine Gruppe der Olchinger Big Band, doch diese hatte an Heiligabend oft Besetzungsprobleme“, erzählt Sibylle Knöller von den Neurieder Blasmusikanten. Gespielt werden alpenländische Weihnachtsmusiken, Intraden und Stücke aus Renaissance und Barock – und natürlich Weihnachtslieder. „Die Friedhofbesucher singen mit, und dann entsteht immer eine besonders besinnliche Atmosphäre“, sagt Knöller.

Auf dem Estinger Friedhof musiziert der Evangelische Posaunenchor heuer schon um 16 Uhr – also eine halbe Stunde früher als in den Vorjahren. Die Besucher des Konzerts sollen dadurch die Möglichkeit haben, ohne Zeitnot den 17-Uhr-Gottesdienst besuchen zu können. „In den Anfangsjahren spielten wir auf dem Parkfriedhof, seit 2006 immer auf dem Estinger Friedhof“, erzählt Obmann Hartmut Walker. Zu Gehör gebracht werden neben alten und neueren kirchlichen Weihnachtsliedern und Instrumentalstücken auch volkstümliche Lieder und Weisen, Traditionals und Spirituals. „Die Besucher dürfen gerne mitsingen.“ (akk)

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