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Neue Aufgabe für alte Glocke: Von ihrem Turm aus läutet die ehemalige Notglocke nun das Pausenende ein. Darüber freuen sich (vorne v.l.) Tobias Schweighart, Albert Donhauser, Ma rkus Scholz und Gemeinderätin Marianne Kaunzinger.   „Schön, dass die Glocke wieder inGröbenzell erklingt.“Albert Donhauser, Vorsitzender der Gröbenhüter

Rudolf-Steiner-Schule

Eine neue Heimat für die alte Notglocke

Vor rund 100 Jahren rief die Glocke einer kleinen Notkirche die Gröbenzeller Siedler zum katholischen Gottesdienst. Nun hat sie eine neue Heimat gefunden – in einem eigenen Glockenturm, den Schüler der Rudolf-Steiner-Schule errichtet haben.

GröbenzellJede dritte Klasse an einer Waldorfschule beschäftigt sich mit einem Bauprojekt. So manches Kletterhaus, ein Pizzaofen und ein Wasserhaus sind dadurch in den vergangenen Jahren an der Rudolf-Steiner-Schule entstanden. Die letzte dritte Klasse aber wollte etwas anderes machen: einen Glockenturm bauen. Dieser wurde nun feierlich eingeweiht.

Markus Scholz, der Vater eines Schülers, stand den eifrigen Baumeistern dabei mit Rat und Tat zur Seite. Als erstes wurde die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt, erzählte er bei der Einweihungsfeier. Jede Gruppe baute einen halben am Boden liegenden Turm. Dann wurden die beiden Elemente mit Scharnieren verbunden und auf einem Fundament aufgestellt.

So weit, so gut. Doch ein Glockenturm braucht auch eine Glocke, die schlagen kann. Deshalb suchte man nach einem Glockenbauer. Fündig wurde man in Österreich. Doch eine Glocke anfertigen zu lassen, kostet viel Geld – und das war nicht vorhanden.

Als Retter in der Not entpuppten sich dann die Gröbenhüter. Tobias Schweighart ist gelernter Schreiner, hat den Turmbau fachmännisch begleitet. Er hat gute Beziehungen zum historischen Verein, ganz speziell zum Vizevorsitzenden und Museumsleiter Albert Donhauser. Er ist mit einer seiner Nichten verheiratet.

Als Donhauser von dem Problem erfuhr, wusste er sofort Abhilfe. Schließlich befindet sich im Besitz der Gröbenhüter auch eine Glocke, genauer gesagt die Glocke der ersten Gröbenzeller Kirche. Der frühere katholische Pfarrer, Egid Schierer, hatte die Glocke dem historischen Verein geschenkt. Seitdem lagerte diese in einem Keller und „ging uns im Weg um“, verriet Donhauser bei der Einweihung des Glockenturms. Er bot sie den Schülern an, die begeistert zugriffen.

Vor rund 100 Jahren war die Glocke in den Bielefelder Vereinigten Glockengießerwerkstätten gegossen worden. Aufgehängt wurde sie 1920 in der sogenannten Notkirche, die in einer ehemaligen Baracke untergebracht war, die aus dem Kriegsgefangenenlager in Puchheim stammte.

Lange rief die Glocke dort aber nicht die Gläubigen zu Gottesdiensten zusammen. Denn fünf Jahre später wurde die Kirche St. Johann Baptist, das Wahrzeichen Gröbenzells, eingeweiht. Die Notglocke wurde im Turm der neuen Kirche eingelagert – bis Pfarrer Schierer sie schließlich den Gröbenhütern gab.

Geschenkt hat der historische Verein der Rudolf-Steiner-Schule die Glocke aber nicht. Vielmehr überlässt er sie ihr als Dauerleihgabe. Doch als Donhauser die Glocke an Schweighart übergeben wollte, stellten beide entsetzt fest, dass der Klöppel fehlte. Aber auch hier war schnell Abhilfe gefunden worden. Kunstschmied Helmut Brunner, der regelmäßig mit der Schule zusammenarbeitet, fertigte einfach gemeinsam mit den Kindern einen neuen. Er stellte auch die Aufhängung für die Glocke in ihrem neuen Turm her. Von dort aus läutet sie nun täglich das Pausenende ein – zu Donhausers großer Freude: „Schön, dass die Glocke wieder in Gröbenzell erklingt.“ (sus)

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