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Er hat 300 Schreibmaschinen gesammelt

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Die unterschiedlichsten Schreibmaschinentypen sind im Gröbenzeller Heimat- und Torfmuseum zu sehen. Sammler Franz Wäcken erklärt Besuchern, worum es sich bei welchem Typ handelt. © sus

Der Gröbenzeller Franz Wäcken hat ein nicht alltägliches Hobby: Er sammelt Schreibmaschinen, die älteste ist aus dem Jahr 1888, eine Hammond. Begonnen hat alles, als die Firma, in der er tätig war, pleite ging.

Gröbenzell – Den Anfang hatte 1967 eine Densmore von 1897 gemacht. Die Firma, in der der 65-jährige Gröbenzeller Franz Wäcken damals tätig war, war insolvent. Der Gerichtsvollzieher war gekommen, um seinen Kuckuck auf die Maschinen zu kleben. Eine interessierte ihn aber so gar nicht: eine Schreibmaschine von 1897, sie hatte für ihn keinen Wert.

Zur großen Freude Wäckens: Der gelernte Büromaschinenmechaniker nahm sie mit nach Hause. Der Anfang seiner Sammlung war gemacht. Wie alle weiteren Sammelstücke restaurierte er die Maschine, schweißte sie in Plastik ein und lagerte sie in seinem Keller. Mittlerweile befinden sich dort 300 Stück.

Einen Teil davon kann nun auch die breite Öffentlichkeit bewundern, die sonst wohl nur noch selten mit den antiquierten Schreibgeräten in Berührung kommt. Laut Wikipedia gab es 2015 weltweit nur noch einen Hersteller von mechanischen Schreibmaschinen: eine Firma in Shanghai. 40 Exemplare aus einigen Jahrzehnten hat Wäcken dem Gröbenzeller Heimat- und Torfmuseum zur Verfügung gestellt. Die älteste Schreibmaschine ist von 1888 – eine Hammond – und die jüngste von 1980, eine Brother super 7800. Die Auswahl fiel nicht leicht, berichtete Museumsleiter Werner Urban bei der Eröffnung.

Wäcken hat im Laufe der Jahre ein Riesen-Spektrum gesammelt. Darunter so genannte Unterschlagmaschinen: Schreibmaschinen, wie sein ältestes Sammlerstück, die Densmore von 1897, die so gegen das Papier schlugen, dass für den Schreibenden nicht sichtbar war, was er produziert. Später kamen die Oberschlagmaschinen, jetzt konnten Fehler sofort entdeckt werden. Wäckens Sammlung enthält aber nicht nur Stücke aus der weiten Vergangenheit. Die Ausstellung zeigt auch so manche elektrische Maschine und die ab den Sechzigerjahren produzierte und in den Jahren danach von Mitarbeitern in Büros heiß begehrte IBM-Kugelkopfmaschine.

Der Vorsitzende der Gröbenhüter, Rudolf Ulrich, früherer langjähriger geschäftsleitender Beamter im Gröbenzeller Rathaus, erinnerte sich anlässlich der Vernissage, dass diese Maschinen zunächst nur wenige Mitarbeiter zur Verfügung gestellt bekamen. Die glücklichen waren die Sekretärinnen der Abteilungsleiter, später hielten die Maschinen bei allen Sekretärinnen Einzug. Mit den Jahren aber wurden Schreibmaschinen nahezu zum Computer, hatten bereits Speicher und Display.

Den Anfang für die Herstellung von Schreibmaschinen hatte bereits 1714 der Engländer Henry Mill gesetzt, der in diesem Jahr ein Patent ausgestellt bekam – auf eine Maschine oder ein künstliches Verfahren, um Buchstaben drucken oder schreiben zu können, einzeln oder nacheinander, wie in der üblichen Schrift. Ab 1860 mehrten sich die Versuche, Schreibmaschinen herzustellen, auch um blinden Menschen die Kommunikation zu erleichtern.

Der Südtiroler Peter Mitterhofer baute zudem zwischen 1864 und 1869 fünf Schreibmaschinen, die er als Tischler aus Holz fertigte. Seine Maschinen perforierten mittels Nadelspitzen das Papier.

In Deutschland war man anfangs wenig begeistert davon. Die Befürchtung bei den meist männlichen Schreibern war groß, dass ihre Arbeitsplätze vernichtet werden könnten. Dennoch hielten die Maschinen Einzug: Ab 1898 wurden in den Adlerwerken die ersten deutschen Schreibmaschinen in Serie gebaut.

Bei der Ausstellung im Gröbenzeller Museum kann man eine Schreibmaschine auch ausprobieren: eine Monica, die erste deutsche Typenhebel-Kleinschreibmaschine mit vierreihiger Tastatur und einfacher Umschaltung. Daher kommt auch der Titel der Ausstellung: „Monica und ihre Typen“. (sus)

Die Ausstellung

geht noch bis zum 3. Februar und ist jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Das Gröbenzeller Heimat- und Torfmuseum befindet sich an der Rathausstraße 3.

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