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Essen zum Mitnehmen aber ohne Müllberge: Gröbenzeller setzen auf Mehrweggeschirr

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Präsentierten das Mehrweggeschirr: (v.l.) Marina Kinzel, Aaron Sperl, Klaus Brückner, Eva Stephan, Van Nguyen, Larissa Holmer und Doris Hartl.
Präsentierten das Mehrweggeschirr: (v.l.) Marina Kinzel, Aaron Sperl, Klaus Brückner, Eva Stephan, Van Nguyen, Larissa Holmer und Doris Hartl. © Peter Weber

In der Corona-Pandemie lassen sich viele Menschen ihr Essen nach Hause liefern. Ein großes Problem dabei ist der Plastikmüll. Das muss aber nicht sein: Ein Gröbenzeller Restaurant setzt jetzt auf Mehrweggeschirr.

Gröbenzell – Das erst vor wenigen Monaten an der Bahnhofstraße eröffnete vietnamesische Restaurant Van bietet seit Mitte der Woche To-Go-Essen im Mehrweggeschirr an. Möglich macht dies der Gröbenzeller Aaron Sperl gemeinsam mit zwei Partnern einer Münchner Firma.

Die Umweltreferentin der Gemeinde, Larissa Holmer, konnte die Wirtin Van Nguyen für das System gewinnen. Seit Mai vergangenen Jahres war Holmer, unterstützt von der Gröbenzellerin Doris Hartl, in Lokalen unterwegs und hat für die Idee geworben. „Doch das war wahnsinnig zäh“, klagt Holmer, denn „die Gastronomen zeigten wenig Interesse“. Bei Nguyen aber war sie erfolgreich.

„Ich will etwas für die Umwelt tun,“ betont die Wirtin. To-go Essen hat sie auch bisher angeboten, dies zwar in einer Papierverpackung, aber mit einem Deckel aus Plastik. Eigentlich hatten Holmer und Nguyen geplant, das Mehrwegsystem einer Kölner Firma zu übernehmen. Der Vertrag war noch nicht unterschrieben, aber die Verpackungen standen bereits auf dem Tresen der Vietnamesin, als einer ihrer Stammkunden, nämlich Aaron Sperl, der nur wenige Meter von dem vietnamesischen Restaurant entfernt lebt, das Lokal betrat und die Kölner Behälter entdeckte. Schnell stand fest, der Vertrag mit der Kölner Firma wird nicht unterschrieben und stattdessen mit Relevo zusammengearbeitet.

„Denn die Münchner Firma bietet Vorteile“, betont Holmer. Das Geschirr wird in Deutschland produziert. Zwar ist das Material aus Plastik, allerdings schadstofffrei. Zudem können die Schüsseln bis zu 1000 Mal wieder verwendet werden. Die Deckel sind dicht. „Die Suppe läuft beim Transport nach Hause nicht aus“, betont Sperl. Beim Transport bleibt das Essen warm, ist aber deckellos auch mikrowellengeeignet. Vor allem aber erspart es große Mengen an Abfall. Allein in Deutschland fallen jedes Jahr 155 Tonnen Verpackungsmüll durch To-Go-Essen an.

Für die Kunden macht das Mehrweggeschirr finanziell keinen Unterschied, lediglich der Gastronom muss an Relovo je nach Größe des Bechers oder der Schüssel einen Betrag zwischen fünf und 20 Cent bezahlen. Die Rückgabe muss innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Allerdings gibt es eine Verlängerungsoption um wenige Tage.

Seit rund eineinhalb Jahren bietet Relovo dieses System an, und dies mit großem Erfolg. Laut Sperl nutzen rund 750 Gastronomen in 80 Städten das Mehrweggeschirr, allein 260 in München. Im Landkreis Fürstenfeldbruck bisher aber nur einer in der Kreisstadt. Und dies, obwohl Relovo nicht nur Müll, sondern den Gastronomen auch Geld spart. Denn eine Verpackung, beispielsweise die, die Nguyen bisher benutzt hat, hat bis zu 40 Cent gekostet.

Begeistert von dem System ist auch die Vorsitzende des Gröbenzeller Interessenvereins, Marina Kinzel. Als Mutter kleiner Kinder geht sie ungern in Restaurants zum Essen. Das Essen nach Hause zu holen, widerstrebte ihr bisher aber aus Umweltgründen. Doch dank Relovo ist ihr dieses nun möglich. Ihre Begeisterung ist sogar so groß, dass der IVG die Kosten für die ersten 500 gefüllten Behältnisse übernehmen wird.

Holmer hofft nun, dass weitere Lokale in Gröbenzell sich dem Mehrwegsystem anschließen. Denn, wie Sperl berichtet, wird es 2023 Pflicht für Gastronomen, bei To-Go auch Mehrweggeschirr anzubieten. Susanne Schwind

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