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Ein Flachdach

Gröbenzell

Flachdach-Regel stößt auf Kritik

Eigentlich gab es kürzlich einen Durchbruch in Sachen Bahnhofsareal: Nach Jahrzehnten liegt nun ein konkreter Entwurf für einen Bebauungsplan vor. Eine Sache sorgt dabei allerdings für heftige Kritik: die Flachdächer. Das hat auch einen Grund.

Gröbenzell – Dem Gemeinderat lagen nun entsprechende Stellungnahmen hinsichtlich der Pläne für die westliche Bahnhofstraße vor – wie in einem öffentlichen Beteiligungsverfahren üblich. Vor allem die festgesetzte Dachform auf den Häusern zwischen Bahnhof und Angerstraße stößt auf Kritik: Die Gebäude, die zwischen zwei und fünf Geschossen hoch werden sollen, sollen alle Flachdächer erhalten. Diese müssen begrünt werden und tragen so zur Entwässerung bei.

Flachdach-Vorschrift hätte weitreichende Folgen

Diese Regel schmeckt nicht jedem. Ein Gröbenzeller fürchtet, dass das ortsprägende Bild mit versetzter Anordnung der Häuser, unterschiedlichen Dachformen und Firstrichtungen durch eine monotone Zeilenbauweise mit Flachdächern ersetzt werde. Auch die Gemeinderatsfraktion der CSU erklärt in einer Stellungnahme: Eine Flachdach-Vorschrift hätte weitreichende Folgen für Charakter und Ortsbild der Kommune. Es wird gar eine „optische Verstädterung“ prophezeit. Die Gröbenhüter äußerten sich ähnlich, ebenso Marina Kinzel, Vorsitzende des Interessenvereins (IVG): Der Ort würde „urbanisiert“. Eine Stellungnahme, die durch ein Versehen, wie Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) sich entschuldigte, nicht vorlag.

Befürchtung, dass Plattenbauten entstehen

Im Gemeinderat griff Anton Kammerl (CSU) die Kritik auf. Er fürchtet, dass Plattenbauten entstehen. Kammerl wünscht sich Korrekturen: „So dass Gröbenzell Gröbenzell bleibt.“ Zudem kritisierte er, dass Gemeinbedarfsflächen (wie ein Jugendcafé) im Bebauungsplan nicht festgesetzt werden dürften. Er monierte weiterhin, dass keine Bürgerversammlung zum Thema Bebauungsplan für die westliche Bahnhofstraße stattgefunden habe.

Angesichts dieser massiven Kritik platzte mehreren Gemeinderäten samt Rathauschef der Kragen. Schäfer warnte: Würde die Dachform verändert, fangen wir von vorne an. Sein Stellvertreter Martin Runge (Grüne) forderte Kammerl auf, „keine Unwahrheiten zu behaupten“. Niemand habe gesagt, es dürften keine Gemeinbedarfsflächen aufgenommen werden. Es habe lediglich geheißen, dies sei nicht zweckmäßig, denn ein Großteil der Grundstücke an der Bahnhofstraße sei in kommunaler Hand. Er warf dem CSU-Gemeinderat angesichts seiner Kritik an Plattenbauten vor: „Von Baukultur hast du keine Ahnung.“

Grüne loben das viele Grün

Runge beschrieb den Bebauungsplanentwurf als einen gelungenen Kompromiss, der sehr viel Grün freihält. Wie der Bürgermeister erinnerte Runge zudem daran, wie oft die Bürger in Sachen Bebauung der Bahnhofstraße eingebunden waren, wie beispielsweise in einer Bürgerwerkstatt und einem Bürgerentscheid.

Jammert nur eine Alt-Herren-Riege über die Flachdächer?

Für Peter Falk (SPD) stand fest: Kammerl ist im Wahlkampfmodus. Falk hatte die Mitgliederversammlung des IVG live miterlebt, als die Stellungnahme zum Bebauungsplan Bahnhofstraße beschlossen wurde. Auf der Tagesordnung habe das nicht gestanden, doch eine ältere Herrenriege habe unter Verschiedenes schließlich über Flachdächer gejammert. Falk forderte dazu auf, Vereine nicht zu instrumentalisieren.

Das wiederum wies Michael Schweyer (CSU) zurück. Er erinnerte daran, dass dem IVG vor wenigen Monaten noch zugejubelt worden war. Damals waren hunderte Bürger dem Aufruf des IVG gefolgt, sich für den Erhalt der Hexe einzusetzen. Doch Schäfer erwiderte, damals waren es 300 Bürger und nicht 30.

Die Flachdach-Vorschrift ist im Übrigen nichts Neues. Der Sieger des Architektenwettbewerbs Hans-Peter Hebensperger-Hüther hatte diese vor knapp zehn Jahren ebenfalls eingeplant. (sus)

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