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Die Gemeinde Gröbenzell hat ein innovatives System für Pfandsammler entwickelt.

Konstruktion an Mülleimern

Innovation für Pfand-Sammler: Gröbenzell geht eigene Wege

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Immer mehr Menschen suchen im Müll nach Pfandflaschen - längst nicht mehr nur Obdachlose. Die Gemeinde Gröbenzell hat nun ein neues, verbessertes System entwickelt, damit niemand mehr in die Tonne greifen muss.

Gröbenzell– Die Scham ist dem älteren, ordentlich gekleideten Herren anzusehen: Der Kopf mit dem gepflegten Bart ist nach vorne geneigt, der Blick am Boden. Er schleicht erst um den Mülleimer herum, dann stellt er sich davor und der Ärmel seines Wollmantels verschwindet in dem schmalen Schlitz. Seine Hände tasten den Abfall ab, so lange, bis er findet, was er sucht: Pfandflaschen. Es sind scheinbar nur wenige Cents, aber über den Monat verteilt ist es eben ein ordentliches Zubrot für die knappe Rente.

Szenen wie diese gibt es auch in Gröbenzell immer öfter. „Es gibt mittlerweile viele, die den Wertstoff sammeln. Und es sind nicht nur einkommensschwache Menschen“, schildert Bürgermeister Martin Schäfer seine Beobachtungen. Die Zeiten, in denen nur Obdachlose und Bedürftige um die Mülleimer streunten, sind offensichtlich längst vorbei. Die Gemeinde hat bereits vor Jahren einen Versuch gestartet, auf diese Entwicklung einzugehen. Schäfer entdeckte 2014 in einem Ort einen sogenannten Pfandring. Es handelte sich dabei um eine c-förmige Konstruktion, die außen am Bauch des Mülleimers festgeschraubt wird. Die Flaschen wurden in die Löcher geschoben und standen auf einer zweiten Ebene. Flaschensammler mussten so nicht mehr in die Tonne greifen und im Dreck wühlen. Sie laufen so auch nicht mehr Gefahr, sich an Scherben und scharfen Kanten zu verletzen. Außerdem wird der Müll getrennt.

Enttäuschung: „Die Ringe wurden laufend zerstört“

Gröbenzell kaufte damals die Modelle, die auf dem Markt waren. Die Idee war innovativ, Städte wie Bamberg sprangen auch auf den Zug auf. Leider folgte die Enttäuschung prompt: „Die Ringe wurden laufend zerstört oder sind gar ganz verschwunden“, heißt es aus dem Gröbenzeller Rathaus. Tolle Idee, ernüchternde Bilanz, war der allgemeine Tenor damals. Erfahrungen, die dazu führten, dass sich die Landeshauptstadt München von vornherein gegen diese Hilfe für Flaschensammler ausgesprochen hatte.

Bürgermeister Martin Schäfer blieb aber hartnäckig und glaubte offenbar an die Idee. Die Mitarbeiter des Betriebshofes entwickelten eine eigene, kleinere, aber dafür deutlich stabilere Version als das Vorgängermodell. Zwei Metallplatten werden mit einer Eisenstange zusammengeschraubt, der Abstand entspricht in etwa dem Bauch einer Flasche. Aus der oberen Platte werden fünf Löcher ausgestanzt, die als Halter dienen.

Rathaus-Chef Schäfer vom Modell Marke Eigenbau überzeugt

Das Ganze wird dann fest an die Trägerstange des Mülleimers montiert, nicht mehr an den Eimer selbst und ist so nicht mehr abnehmbar. Rathaus-Chef Schäfer ist überzeugt von dem Modell Marke Eigenbau: „Einfache Maßnahme, große Wirkung.“ Nicht nur für die Menschen, auch für die Umwelt: Es sei ein weiterer kleiner Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, so der Bürgermeister.

Im Februar wurde der Gröbenzeller Flaschenhalter im Ortszentrum, an Bushaltestellen und Spielplätzen angebracht, 18 Stück gibt es insgesamt. Die Kosten betragen im Übrigen laut Rathaus 35 Euro pro Stück – inklusive Montage durch den Betriebshof. Zum Vergleich: Das Original kostet laut Internetseite 70 Euro aufwärts.

Für eine erste Bilanz ist es laut Rathaus noch zu früh. Bei Facebook wird die Aktion aber schon gefeiert. Hier ist zu lesen: „Coole Sache“ oder auch „Kleines Ding, große Wirkung.“

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