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Mikroplastik-Schleuder: Durch Kunstrasenplätze geraten kleinste Plastikpartikel in die Umwelt.

Gröbenzell

Gesucht: Kunstrasen ohne Mikroplastik

Das Granulat auf Kunstrasenplätzen gehört laut einer Studie zu einer der größten Quellen für Mikroplastik in Deutschland. Neben der Umwelt soll auch die Gesundheit Schaden nehmen. In Gröbenzell prüft man jetzt Alternativen. Die Sportler selbst sind tiefenentspannt.

Gröbenzell – Der ältere der beiden Kunstrasenplätze in der Gemeinde soll saniert werden. Der Unterbau wird nicht verändert. Notwendig sind lediglich ein neues Geflecht aus Kunststofffasern und neues Kunststoff-Granulat. Die Arbeiten sollen bereits Ende des Monats beginnen. Allerdings stößt dies wegen des umstrittenen Materials nicht nur auf Begeisterung. Im Rathaus erarbeitet man deshalb derzeit Alternativen. Heute Abend wird sich der Gemeinderat erneut mit dem Thema befassen.

Vorgesehen war eigentlich ein Granulat aus Altreifen, ummantelt von einer Poly- urethan-Schicht. Martin Runge (Grüne) hatte bereits im Zuge der Auftragsvergabe angemahnt: „Durch das Granulat gerät deutlich mehr Mikroplastik in die Umwelt als durch Kosmetika.“ Eine Studie des Fraunhofer Instituts untermauert dies: Pro Jahr gelangen 11 000 Tonnen kleinster Kunststoff-Partikel von den Sportplätzen in die Umwelt. Somit gehören die Freizeitstätten zu den größten Verteilern des Schadstoffes – auf Platz Eins befindet sich im Übrigen der Abrieb von Autoreifen. Das Mikroplastik findet seinen Weg durch die Luft in die Gewässer, über die Kleidung in die Waschmaschine und über die Schuhe in die Wiesen.

Das Granulat aus Altreifen war noch aus einem anderen Grund umstritten. Es stand im Verdacht, Krebs zu erregen, die DNA zu beeinflussen und unfruchtbar zu machen. Doch laut einer Studie des niederländischen Gesundheitsministeriums werden die von der EU zugelassenen Grenzwerte bei Weitem nicht erreicht. Ein Kilogramm des Granulats enthält fünf Milligramm so genannter polycyclischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (kurz PAK). Der EU-Grenzwert liegt bei 1000 Milligramm.

Dem Gemeinderat werden heute Alternativen vorgestellt, darunter ein Granulat aus Kork. Der Belag wurde in den vergangenen Jahren vor allem in Skandinavien häufig verwendet. Allerdings komme man dort mittlerweile bereits wieder davon weg, berichtet Gröbenzells Bauamtsleiter Markus Groß. Bei Kork drohe Schimmel, er werde außerdem vom Wind verweht und bei Regen stark aufgeschwemmt. Zudem breche Kork scharfkantig und führe bei den Sportlern immer wieder zu Augenreizungen.

Der Bauamtsleiter favorisiert ein sogenanntes Hybrid-Granulat, das sich aus Hanf und einem EPDM-Kautschuk-Gemisch zusammensetzt. Das Material besteht zu 85 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, hat Grünen-Gemeinderat Runge recherchiert. Bauamtsleiter Groß nennt weitere Vorteile: Es sei UV-beständig, könne Wasser speichern und erzeuge so eine Verdunstungskälte, manch anderer Belag heize sich im Sommer nämlich stark auf. Allerdings gebe es keine Langzeiterfahrungen.

Michael Schweyer, CSU-Gemeinderat und Vize-Vorsitzender von Grün-Weiß Gröbenzell, sieht die Sache sehr gelassen. In der ersten Sitzung zu dem Thema hatte er lediglich gesagt, dass er Sand als Belag ablehne. Stürze darauf hätten mehrere Wochen lang offene Wunden zur Folge. Anlässlich der erneuten Beratung, betont er: „Mir ist der Belag relativ egal“. Er müsse die rechtlichen Vorgaben erfüllen und finanzierbar sein. Er könne auch mit der ersten Variante mit Altreifen-Granulat leben.

Für Frank Reichelt, Fußball-Trainer und Abteilungsleiter beim SC Gröbenzell, der den Platz ebenfalls nutzt, ist die Sache klar: „Voraussetzung ist, dass das neue Material nicht gesundheitsgefährdend ist.“ Er vertraue der Gemeinde, dass diese das richtige Material heraussuchen werde. (sus)

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