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Holz-Kunst

Der grobe Schnitzer aus Gröbenzell und seine Motorsägen-Kunst

Brachiale Motorsäge statt filigranem Schnitzmesser, massive Baumstämme statt kleiner Holzscheite – Richard Litzinger schnitzt in größeren Dimensionen. Der Gröbenzeller ist Motorsägenkünstler. Er fertigt mit seiner Kettensäge Skulpturen aus Holz an und gibt sein Wissen in Kursen weiter.

Gröbenzell – Benzingeruch liegt in der Luft, als Richard Litzinger eine seiner zahlreichen Motorsägen anwirft. Das Werkzeug kreischt, es ist höllisch laut, als der Gröbenzeller sachte am Holz ansetzt. Die Holzspäne schießen meterweit durch die Luft. Zugegeben, auf den ersten Moment wirkt das ziemlich rustikal. Doch wer das Endprodukt, einen 3D-Weihnachtsstern sieht, wird feststellen: Das ist schon eine besondere Fertigkeit, die der 52-Jährige besitzt. Litzinger erschafft mit seiner Motorsäge erstaunliche Skulpturen aus Holz.

Als wahrer Künstler, sagt Litzinger, fühlt er sich dennoch nicht. „Ich stehe jetzt nicht vorm Holz und warte darauf, bis es mir was einflüstert.“ Die Inspiration kommt während der Arbeit mit der Motorsäge. Bereits nach den ersten Schnitten erkennt er, wie die Skulptur in ihrem Grundriss später einmal aussehen wird. Dennoch brauche es ein gewisses künstlerisches Talent, verbunden mit handwerklichen Fähigkeiten, sagt Litzinger.

Gerade Letzteres muss der 52-Jährige auch in seinem eigentlichen Beruf unter Beweis stellen. Er arbeitet in Teilzeit als Werkzeugmachermeister. Und nicht minder wichtig: „Man muss sich hintrauen ans Holz.“ Seit sechs Jahren schnitzt Litzinger nun schon mit der Motorsäge, nachdem er bereits als Jugendlicher mit dem Taschenmesser Holzfiguren fertigte. Seine Kunstwerke reichen von Tiermotiven wie Eulen, Adler oder Bären bis hin zu Weihnachtsmotiven.

Das Repertoire des 52-Jährigen ist groß. Kürzlich schnitzte er auf Wunsch eines Kunden einen Jakobspilger. Ungefähr einen Tag braucht er für eine Figur. Darin, sagt Litzinger, liege für ihn auch die Faszination der Motorsägen-Schnitzerei. „Ich kann an einem Tag etwas erschaffen und quasi zum Leben erwecken.“

Einmal im Jahr hat Richard Litzinger einen Stand auf dem sogenannten Weihnachtsmarktl am Schliersee, wo er seine Kunstwerke anbietet. „Dort verkaufe ich aber eher die kleinen Sachen“. Doch oft würden die Leute später nochmal bei ihm anrufen und größere Skulpturen ordern. Preislich gesehen liegt zum Beispiel eine Eule je nach Größe im Bereich zwischen 150 und 450 Euro. Weil er seinen Nachbarn die Dauerbeschallung durch die kreischende Kettensäge nicht zumuten will, schnitzt er in der Regel auf einem Bauernhof in Puchheim.

Es sind nicht nur Auftragsarbeiten, die der Vater einer 25-jährigen Tochter annimmt, sondern er bietet daneben noch Baumstumpfverschönerungen sowie Schauschnitzen auf Veranstaltungen an. Und Schnitzkurse (siehe unten).

Hier können selbst Anfänger in Einzel- oder Paarkursen zur Motorsäge greifen und Eulen, ein Herz in Flammen oder Almhütten mit kleinen Treppchen anfertigen. „Bei den Kursen sind sehr viele Hausfrauen dabei“, erzählt Litzinger. Die passende Schutzkleidung stellt er seinen Teilnehmern zur Verfügung. Die Angst davor, dass es nicht auf Anhieb klappt mit dem Schnitzen, nimmt er seinen Teilnehmern gekonnt: „Wenn es nix wird, kommt es einfach in den Ofen.“

Das Material, mit dem er schnitzt, müsse haltbar sein, erklärt Litzinger. Damit die Figuren der Witterung im Freien standhalten, verwendet er Eichen- und Lärchenholz. „Oft weiß ich die Geschichte vom Holz, etwa wo der Baum gestanden hat“, sagt Litzinger. Die Motorsägen, mit denen er das Holz bearbeitet, sehen auf den ersten Blick völlig normal aus, haben aber spezielle Schienen, die vorne spitz sind. Damit soll ein Rückschlageffekt der Säge vermieden werden. Das wiederum geht zu Lasten des Schwerts. Litzinger sagt: „Der Verschleiß ist groß, ich brauche jedes Jahr ein neues.“ (Sebastian Öl)

Die Schnitzkurse

Wer Interesse an einem Kurs bei Richard Litzinger hat, kann telefonisch einen Termin vereinbaren unter der Nummer (0 81 42) 5 44 34. Nähere Informationen zu Voraussetzungen, Dauer und anderem gibt es auf der Internetseite www.ritsche-ratsch.jimdo.com.

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