Einblick in die Geschichte: Eine Postkarte mit der Gastwirtschaft von Xaver Bär aus einer Zeit, die Johann G. Böhmer in seinem Buch näher beleuchtet.
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Einblick in die Geschichte: Eine Postkarte mit der Gastwirtschaft von Xaver Bär aus einer Zeit, die Johann G. Böhmer in seinem Buch näher beleuchtet.

Vor 450 Jahren

Alles begann mit dem Haus der Gröbenhüter

Gröbenzell ist ja noch sehr jung ohne jegliche Geschichte, bekommen die Bürger immer wieder zu hören. Ein jetzt veröffentlichtes Buch zeigt jedoch eine spannende Historie.

Gröbenzell – Der Ort wurde erst 1952 zur Gemeinde. Dass es aber eine deutlich längere Historie und viele spannende Begebenheiten gibt, zeigt nun Johann G. Böhmer, der aus einer der ältesten ortsansässigen Familien stammt, mit seinem Buch.

Alles begann vor 450 Jahren mit dem Bau eines einzelnen Hauses – der Keimzelle Gröbenzells sozusagen. Das war im Jahr 1570, wie Johann G. Böhmer in seinem Buch „450 Jahre Gröbenzell –1570 – 2020“ schreibt. Der Gröbenzeller hat in akribischer, detailversessener Arbeit in Archiven die örtlichen Geschehnisse um 1570 und danach aufgearbeitet.

Ein Haus im Sumpf für den Gröbenhüter

Zur Recherche nutzte er das Salbuch (oder Urbar) der Grafschaft Dachau aus dem Jahr 1583. Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis über Besitzrechte eines Landesherrn. Im Kapitel mit der Überschrift „der Gröben“ ist vom Bau des ersten Hauses die Rede. Es war zweistöckig und lag mitten im sumpfigen Gebiet zwischen Olching und Lochhausen.

Der damalige Landesherr, Herzog Albrecht V., hatte das Gebäude an einem neuen Weg durchs Moos errichten lassen. Und zwar für einen Mann, den man Gröbenhüter nannte und „der auf den Weg und den Gröbenbach ein vleissig aufsehen haben soll, damit nicht schaden beschehe“, wie Böhmer in seinem Buch zitiert.

Einsame erste Bewohner

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb es bei einem einzigen Haus. Im Ortschaftenverzeichnis des Königreichs Bayern von 1888 heißt es nämlich: „Gröbenzell, zu Landgemeinde Langwied gehörende Einöde, zur katholischen Pfarrei, Schule und Post Lochhausens gehörig, acht Einwohner, ein Wohngebäude“.

Gut Gröbenzell Anfang des 20. Jahrhunderts: Die alte Postkarte zeigt unter anderem den Biergarten.

Stand das erste Haus am Böhmerweiher?

Das Haus, dessen Standort und die Aufgabe seiner Bewohner hat sich im Laufe der Jahre jedoch immer wieder verändert. Es wurde zerstört oder abgerissen – und dann musste es immer wieder neu aufgebaut werden. Wo das wirklich erste Haus genau stand, dazu gibt es unterschiedliche Theorien. Für Böhmer spricht vieles für den Gröbenbach im Bereich des Böhmerweihers.

Eines weiß man aber: Um 1750 entstand einer der Nachbauten nahe des heutigen Gasthaus El Greco (früher Böhmerhof beziehungsweise Gröbenzeller Hof). Das Gebäude gibt es allerdings nicht mehr. Es wurde vor knapp 20 Jahren abgerissen.

Aufgabe der Gröbenhüter

Die ersten Bewohner, Michael Fiedtmair, Oßwald Prandtmeier und Lonhart Luz wurden als Gröbenhüter bezeichnet. Dieser Begriff dürfte vielen Gröbenzellern mittlerweile geläufig sein. Böhmer geht davon aus, dass deren Aufgabe ursprünglich die „fürstliche Fischwirtschaft“ war. Sie mussten Schwarzfischerei verhindern und aufpassen, dass dem Fischbestand kein Schaden zugefügt wurde.

Einen Weg gab es schon lange

Die Aufsicht über den Weg kam erst später hinzu, schreibt Böhmer. Sein Beleg ist ein Bittgesuch des Gröbenhüters Bartholomäus Pagner von 1612, der um eine Aufbesserung seiner Besoldung gebeten hatte, „weil früher das Haus nicht wie jetzt beim Weg stand“. Den Weg hatte es aber wohl Jahrhunderte zuvor bereits zwischen Lochhausen und Olching/Esting gegeben. Noch ein Hinweis: Das Kassieren von Zoll ist laut Böhmer erst um 1630 als Aufgabe der Bewohner dazugekommen.

Ein Gröbenhüter ist wohl verhungert

Die Einkünfte der Gröbenhüter und der Zöllner waren keinesfalls üppig. Immer wieder finden sich in Akten Klagen und Anträge der Männer oder ihrer Witwen um eine Aufbesserung der Besoldung. Bartholomäus Pagner, der bis 1633 als Gröbenhüter tätig war, ist vermutlich sogar verhungert. Wenige Jahre zuvor war die Pest ausgebrochen, zudem fielen im Laufe des 30-jährigen Krieges die Schweden mehrmals in München ein, auch das Haus des Gröbenhüters hatten die Schweden 1632 abgebrannt.

Zahlreiche Besitzerwechsel

Nachdem 1766 die Binnenzölle aufgehoben wurden, hieß es in einer Verfügung „dass die Gröbenzollstelle am Gröben für alle Zeit aufgehoben sye und bleibe,“ schreibt Böhmer. Daher versuchte die Hofkammer das Gütl zu verkaufen, was aber erst 1792 gelang. Ein Rasso Zwickl erwarb es. Nach zahlreichen Besitzerwechseln kaufte dann der aus der Pfalz stammende Justizrat Franz Troll 1895 das Anwesen und vergrößerte es.

Die Siedlung begann langsam zu wachsen

In dieser Zeit begann die Siedlung am Gröbenbach langsam zu wachsen, vor allem Torfstecher zogen in die Einöde. Nach Trolls Tod verkauften dessen Söhne 1921 den Besitz an die Bayerische Landessiedlung.

Ein Jahr später kaufte wiederum der Verwalter des Anwesens, der aus Oberfranken stammende Michael Böhmer (Großvater Johann Böhmers), das um ein Drittel verkleinerte Anwesen. 2002 wurde das einstige Gröbenhüterhaus abgerissen und das Areal mit Wohnhäusern bebaut.

Einer der besten Kenner der Ortsgeschichte: Johann G. Böhmer(l.) ist Ehrenmitglied der Gröbenhüter. Michael Jaumann überreichte die Urkunde.

Gröbenhüter als Herausgeber

Das Buch haben die Gröbenzeller Geschichtspfleger, der Verein „Die Gröbenhüter“, herausgegeben. Johann G. Böhmer wurde kürzlich zum Ehrenmitglied ernannt. Rudolf Ulrich, Vorsitzender der Gröbenhüter, schwärmt: „Böhmer ist zweifellos einer der besten Kenner unserer Ortsgeschichte.“

Das Buch „450 Jahre Gröbenzell –1570 - 2020“ von Johann G. Böhmer, 116 Seiten, erhältlich im Buchhandel für 19,50 Euro. Susanne Schwind

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