So sah das Schützenheim im Keller der „Hexe“ aus: Die Mitglieder des Vereins Almrausch haben fleißig gewerkelt, damit sie 1953 ihre erste eigene Schießstätte eröffnen konnten.

Gröbenzell

Als der Schießstand noch im Gastraum war

Es ist zwar kein rundes Jubiläum, sondern eine Schnapszahl, aber trotzdem können die Gröbenzeller Almrausch-Schützen stolz sein: Mit 111 Jahren sind sie der älteste bis heute existierende Verein der Gemeinde. Und die Mitgliederzahl passt derzeit auch noch perfekt dazu.

Gröbenzell – Es waren gleich zwei Schützenvereine, die aus der Taufe gehoben wurden, als Gröbenzell noch eine Siedlung war, also lange bevor es 1952 zur Gemeinde wurde. 1901 gründete Magnus Schwörer den Verein „Frisch-Auf“. Dieser hatte allerdings keine allzu lange Lebensdauer, einige Jahre später verschwand er wieder.

Da hatten die Schützen von „Frischer-Mut“ schon deutlich mehr Durchhaltevermögen. Dieser Verein wurde am 19. Oktober 1909 ins Leben gerufen – mit Alois Böhmer als erstem Schützenmeister. Da der Name des Vereins in diesem Bereich sehr verbreitet war, änderte man ihn 1921 zu „Almrausch“. So wurde er zum ältesten bis heute existierenden Verein Gröbenzells. Und die heutige Schützenmeisterin Marianne Kaunzinger kann stolz verkünden: „Am 111. Geburtstag gibt es 111 Mitglieder.“ Ein Drittel davon sind Frauen.

Früher gab es so einige Probleme

Schützenkönige von heute: (v.l.) Doris Kaunzinger, Manfred Hauser und Anna-Maria Kaunzinger.

Die Zeiten waren nicht immer leicht. Zwei Mal gab es eine längere Zwangspause. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1921 und dann noch rund um den Zweiten Weltkrieg von 1937 bis 1951. Trainingsstätte für die Schützen war lange Jahre die mittlerweile abgerissene alte Bahnhofswirtschaft.

Probleme bereitete auch die damals geltende bayerische Schießordnung: Denn diese einzuhalten, das war in den beengten Räumen gar nicht so einfach. Es musste eine Entfernung von zehn Metern bis zum Ziel gewahrt werden. Man musste sich behelfen: Über drei Räume wurde durch kleine Öffnungen mit einem Zimmerstutzen geschossen. Ein Lader lud die Gewehre, und ein Zieler zeigte an, wo die Schüsse getroffen hatten. Noch bis 1952 wurde vom Gastraum aus in ein Nebenzimmer geschossen. Das führte zu Schwierigkeiten, etwa beim Weihnachtsschießen am 26. Dezember 1952. Stundenlang mussten die Schützen warten, bis die letzten Gäste das Nebenzimmer verlassen hatten. So konnte es nicht weiter gehen.

Ein Schützenheim musste her

Bereits wenige Tage später fuhr eine Abordnung zur Brauerei Maisach – damals Eigentümerin der Bahnhofsgaststätte – und verhandelte über den Bau eines Schützenheims im Keller. Die Brauerei gab tatsächlich grünes Licht und stellte 2000 Mark zur Verfügung. Die Schützen konnten sofort loswerkeln. Bereits einige Monate später, am 25. Juli 1953, wurde der Schießstand eröffnet. Damals waren es 138 Schützen. Wenige Jahre später, 1957, wurde die erste Frau in die Mannschaft aufgenommen.

Es lief gut für den Verein, er entwickelte sich immer weiter. Schließlich ging am 1. Mai 1978 ein weiterer Traum in Erfüllung: Die Schützen zogen in den Keller des Freizeitheims um, wo ein moderner Schießstand auf sie wartete. Hier sind sie bis heute beheimatet.

Die jüngsten Schützen sind neun Jahre alt

Im Schießen erfolgreich zu sein, ist gar nicht so leicht. Mit Luftgewehr oder -pistole muss aus einer Entfernung von zehn Metern ein 0,5 Millimeter kleiner Punkt getroffen werden. Körperbeherrchung, Konzentration, ein gutes Auge und eine ruhige Hand sind gefordert. Ein Sport, der in jüngster Zeit wieder bei Jugendlichen interessant geworden ist: Derzeit hat Almrausch 14 jugendliche Mitglieder, die drei jüngsten sind gerade neun Jahre alt. Bis sie an Luftgewehr oder -pistole dürfen, müssen sie aber noch drei Jahre warten. Bisher können sie mit Laserwaffen an den elektronischen Schießständen üben. (sus)

Das Jubiläumsfest

Der Schützenverein hatte ein großes Fest im Mai geplant – unter anderem mit Kabarettistin Martina Schwarzmann. In der momentanen Lage ist völlig offen, ob die Feier stattfindet.

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