Flüchtlinge

Asylhelfer warnen vor Integrations-Frust

  • vonDieter Metzler
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Im Landkreis leben über 3000 Flüchtlinge. Die Gruppe, die für die Koordination der ehrenamtlichen Asylhelfer zuständig ist, schlägt nun Alarm: Es muss dringend ein Integrationskonzept her – um dem Frust entgegenzuwirken. Von den Landratskandidaten und dem Amtsinhaber fordert sie Antworten.

Gröbenzell – Es ist ein klarer Richtungswechsel, den sich die Helfer der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer wünschen: „Weiter so, wir machen schon alles richtig, das kann es aus unserer Sicht nicht sein.“ Beim Pressegespräch vor Ort waren neben Flüchtlingen und Helfern die Gröbenzellerin Eva-Maria Heerde-Hinojosa, der Puchheimer Bernhard Harles und der Olchinger Wolf Kohlrausch. Diese drei gehören zum Koordinatorenkreis der ehrenamtlichen Asylhelfer im Landkreis. Und sie haben Forderungen an die Politik: eine „wirkliche Integration“ der Geflüchteten, ein proaktiver Umgang mit dem Thema und dass die Gesellschaft besser einbezogen wird. Das Zauberwort: ein Integrationskonzept für den Landkreis.

Als Grund nannten die Asyl-Koordinatoren, dass sich immer mehr Ehrenamtliche frustriert zurückziehen, weil sie sich von den Behörden allein gelassen fühlen. „Im Mittelpunkt sollte stets der Geflüchtete stehen“, erklärte Kohlrausch. Es sollte für die Zuwanderer als Unterstützung einen festen „Behördenlotsen“ in der Verwaltung geben. Außerdem sollte sich die Integration der Migranten stärker im Leitbild des Landkreises niederschlagen.

Mitte Januar forderten die Koordinatoren den amtierenden Landrat Thomas Karmasin (CSU) sowie dessen Herausforderer bei der kommenden Kommunalwahl Christoph Maier (SPD), Jan Halbauer (Grüne), Ulrich Bode (FDP) und Sandra Meissner (FW) schriftlich auf, ihre Vorstellungen zur Flüchtlingspolitik zu äußern, falls sie gewählt werden würden. Bewerber Christian Holdt (ÖDP) antwortete nicht, Ernestine Martin-Köppl (Linke) wurde wegen ihrer zu späten Nominierung nicht angeschrieben. Fünf Themenfelder gab es: Wohnen, Integration durch Arbeit und Ausbildung, gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation sowie Bildung und Sprache.

Landrat Karmasin rief ausführlich in Erinnerung, was bisher an Integrationsarbeit geleistet wurde (siehe Kasten). Die Ergebnisse eines im Juli 2018 abgehaltenen Fachtags „Migration – Situation und Handlungsbedarfe im Landkreis“ könnten als Ausgangslage für ein Integrationskonzept dienen. Integration sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

SPD-Kandidat Maier betont, dass ein Landrat eine positive, motivierende und wertschätzende Rolle gegenüber allen Beteiligten einnehmen sollte. Er hat selbst Erfahrung als Asylhelfer – als Fußballtrainer und im Beruf. Grünen-Kandidat Halbauer wird recht konkret: Er würde die Asylhelferkreise enger mit dem Landratsamt vernetzen, einen regelmäßigen Jour fixe einberufen und sich für ein Integrationskonzept einsetzen. Der Landkreis könnte seiner Meinung nach zu einem Musterlandkreis in Sachen Integration werden.

Sandra Meissner (FW) ist ebenfalls für ein Integrationskonzept. Ihrer Meinung nach findet sich bisher wenig im Leitbild des Landkreises zur Integration. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben sollten immer Hand in Hand mit Politik, Ehrenamt und Verwaltung angegangen werden.

FDP-Bewerber Ulrich Bode betrachtet die Integration als übergeordnete Aufgabe einer Gesellschaft. Ein Landrat sei dabei aber natürlich an geltendes Recht gebunden. Gleichwohl prangert er aber an, dass viele Entscheidungen verwaltungstechnisch wohl korrekt seien, menschlich allerdings sei dies nicht der Fall.

Das sagt das Landratsamt

Das Landratsamt hat auf die Anfrage der Asylhelfer mit einem sechsseitigen Schreiben geantwortet. Daraus geht hervor, dass es den geforderten Integrationslotsen bereits gibt. Dieser koordiniert die Helferkreise. Beim Thema Bildung und Sprache existiert seit Längerem eine Kooperation mit Trägern aus der Region. Sie bekommen finanzielle Unterstützung vom Landkreis. 

Außerdem unterstützt der Landkreis die Asylsozialberatung der Caritas. Das Landratsamt beziffert diese verschiedenen Förderungen auf über 400 000 Euro im Jahr. Die Kreisbehörde verweist zudem auf ihre eigene Bildungskoordination und deren enge Zusammenarbeit mit den Berufsintegrationsklassen in der Brucker Berufschule. Beim Jobcenter gebe es ebenfalls Integrations- und Sprachkurse. Beim Thema Wohnen sei sowieso die gesamte Bevölkerung betroffen. Im Wohnungsamt des Landkreises waren im vergangenen Jahr 371 wohnungssuchende Haushalte für preisgebundene Objekte vorgemerkt. 

Davon waren 126 deutsch und 245 ausländisch. 69 der ausländischen Haushalte sind anerkannte Geflüchtete. Viele Flüchtlinge bleiben wegen des angespannten Wohnungsmarkt als so genannte Fehlbeleger in den Asylunterkünften wohnen. Weiterhin berichtet das Landratsamt, dass für das Jahr 2020 eine Stelle für Flüchtlings- und Integrationsberatung geschaffen werden soll. Allen Asylhelferkreisen sei des weiteren eine Notfall-Rufnummer mitgeteilt worden. Den Einsatz eines Behördenlotsen hält das Landratsamt für schwierig. Die Probleme sind logistischer und personeller Art. Die Sprachbarriere würde nicht aufgehoben. Hier verweist das Landratsamt auf den eigenen Info-Bereich. (st)

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