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Ein Bild, das möglicherweise bald der Vergangenheit angehört: das Kultlokal Hexe am Gröbenzeller Bahnhof.

Hintergründe zum geplatzten Deal

So kam es zum Aus für das Hexe-Areal

Jetzt ist die Bombe geplatzt: Der Grundstückstausch zwischen Gemeinde und Eigentümer des Hexe-Areals in Gröbenzell ist gescheitert. Damit dürfte das Schicksal der Gebäude am Bahnhof besiegelt sein – trotz des Protestes hunderter Bürger. Woran die Verhandlungen scheiterten? Offenbar am Geld.

Gröbenzell – Laut Vize-Bürgermeister Martin Runge von den Grünen waren die Ergebnisse der Grundstücksbewertungen unstrittig. Nicht einig geworden sei man sich aber darüber, wie bestimmte Kosten beziehungsweise Aufwendungen, die die Grundstückseigentümer (die Brüder Frederic und Markus Fontein) aufgebracht haben, verrechnet werden sollen. Dazu zählen etwa Ausgaben für Planung- und Genehmigungsverfahren. Frederic Fontein von der Germeringer Wohnbaugesellschaft will sich zu den Details allerdings nicht äußern (Siehe unten).

Nachdem bekannt wurde, dass der Grundstückstausch geplatzt ist und die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen gescheitert sind, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Die Freien Wähler sind nicht sehr traurig, erklärt Fraktionsvorsitzender Gerhard Beck. Man sei von vornherein dafür gewesen, die Grundstücke in der Bahnhofstraße im Gemeindebesitz zu behalten und sie nicht gegen das Hexe-Areal einzutauschen. Denn so sei es möglich, dort den dringend benötigten Kindergarten, Sozialwohnungen und eine Demenzgruppe anzusiedeln.

Die Reaktionen auf die gescheiterten Verhandlungen sind gemischt

Zwiegespalten ist UWG-Fraktionsvorsitzende Marianne Kaunzinger. Sie freut sich zwar nicht über die Nachricht, betont aber: „Leid tut es mir auch nicht.“ Für sie steht fest: „Die Gemeinde muss nicht Geld in die Hand nehmen, um eine Wirtschaft zu kaufen und ein Musiklokal zu betreiben.“ Allerdings gibt es in ihrer Fraktion auch andere Stimmen. Richtig erstaunt war Kaunzinger, dass die Verhandlungen für gescheitert erklärt wurden. Genauso erging es der CSU-Fraktionsvorsitzenden Brigitte Böttger. Beide vermissen einen Gemeinderatsbeschluss.

Auch Peter Falk (SPD) hatte die Nachricht zum jetzigen Zeitpunkt nicht erwartet. Er hatte gehofft, dass weiter verhandelt wird. Er und seine drei Fraktionskollegen hatten sich einhellig für den Tausch ausgesprochen. „Für die Gemeinde wäre das eine ganz tolle Chance gewesen“, betont Falk. Er hätte sich vorstellen können, die Hexe, aber auch das neben der früheren Apotheke gelegene Gebäude zu erhalten. In beiden Häusern sind Wohnungen, die man für Obdachlose nutzen könnte. Falk äußerte auch Kritik an Bürgermeister Martin Schäfer (UWG).

Der Interessenverein Gröbenzell ist sehr enttäuscht

Dieser hatte mit seinem Bruder Michael die Hexe Ende 2016 an die Wohnbaugesellschaft der Brüder Fontein verkauft. Falk hätte sich gewünscht, dass die Schäfers das Gebäude zunächst der Gemeinde zum Kauf angeboten hätten. Diese Verhandlungen wären wohl leichter gewesen als mit dem Bauträger.

Zutiefst enttäuscht ist Marina Kinzel, die Vorsitzende des Interessenvereins (IVG). Nicht nur, dass der IVG in der früheren Bahnhofswirtschaft gegründet wurde. Die Hexe habe auch zur Belebung des Ortszentrums beigetragen. Die Schließung des Lokals vor einigen Wochen - es fand eine riesige Abschiedsparty statt - mache sich bereits bemerkbar, am Samstagabend sei nichts mehr los. Doch Kinzel ist auch Optimistin. „Meine Hoffnung auf Erhalt der Hexe ist noch nicht ganz gestorben“, erklärt sie.

Klaus Coy von der FDP ist eher skeptisch, was das angeht. Wären die Grundstücke getauscht und die Hexe erhalten und renoviert worden, wäre dies nicht mehr die Hexe gewesen, erklärt er. Zudem hält er Grundstücke für soziale Einrichtungen in der Kirchenstraße nicht für notwendig und betont: „Es muss nicht alles im Süden sein, die Bahnhofstraße ist genauso zentral.“

Für die CSU ist die Entscheidung aus finanzieller Sicht richtig

Die CSU-Gemeinderatsfraktion hatte den Tausch der Grundstücke größtenteils abgelehnt, lediglich einer, Anton Kammerl, hatte sich dafür stark gemacht. Wie die Fraktionsvorsitzende der Christsozialen Böttger betont, waren es rein finanzielle Gründe, die aus ihrer Sicht gegen den Tausch sprachen: „Es geht uns nicht mehr so gut, wir müssen den Gürtel enger schnallen.“ Sie erinnert daran, dass die Sanierung der Alten Schule schon vor über 20 Jahren bereits rund vier Millionen Mark gekostet hat.

Grünen-Fraktionssprecher Runge hat sich dagegen immer wieder für den Tausch ausgesprochen. Dann hätte die Gemeinde das Heft des Handelns wieder in der Hand gehabt. Der Gemeinderat und möglicherweise die Bürger hätten in einem Bürgerentscheid darüber entscheiden können, wie die Grundstücke genutzt werden und ob sie abgerissen werden sollen. Runge bedauert es aus diesem Grund, dass die Verhandlungen auch durch „wahrheitswidrige Behauptungen“ durch einzelne Gegner erschwert wurden.

von Susanne Schwind

Das sagt der Bauträger zu den Verhandlungen

Warum das Tauschgeschäft geplatzt ist, dazu will sich Frederic Fontein von der Germeringer Wohnbaugesellschaft nicht äußern. Pressesprecherin Christiane Pfau erklärt das Scheitern damit, dass der Gemeinderat den Tausch nicht mehrheitlich befürwortet hat. 

Fontein selber bestätigt aber, dass seine Firma jetzt mit der Umsetzung ihrer Pläne in der Kirchenstraße 2 und 4 beginnen will. Für beide Grundstücke liegt schon eine Baugenehmigung vor. Danach können die Grundstücke mit 23 Wohnungen, fünf Gewerbeeinheiten und einer Tiefgarage bebaut werden.

Ein Gebäude mit sieben Stockwerken schwebte den Eigentümern vor

Der Abriss der Gebäude ist jederzeit möglich, die Hexe ist seit Wochen geschlossen und die Wohnungen in den Gebäuden stehen leer. Zunächst hatten die Brüder Fontein noch andere Pläne, wie das Areal bebaut werden könnte. Ihnen hatte ein bis zu sieben Stockwerke hoher Quader vorgeschwebt, mit begrüntem Flachdach und einer größeren Grünfläche in Richtung Süden. 

Dafür wäre aber auch noch eine Bebauungsplanänderung notwendig. Doch diese jetzt noch zu beantragen und das Verfahren abzuwarten, dauert zu lange, erklärt Frederic Fontein.

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