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Bienenvölker nahe der letzten Ruhestätte? Die Gemeinde Gröbenzell will artenfreundlicher werden – auch auf dem Friedhof. 

Gröbenzell

Neue Idee: Bienenhonig frisch vom Friedhof

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Klimaschutz und Artenerhalt stehen hoch im Kurs. In Gröbenzell hat die SPD nun eine besondere Idee ins Spiel gebracht: Auf dem Friedhof sollen Lebensräume für Wildbienen geschaffen werden. Einige sehen das skeptisch.

  • Die SPD bringt einen Vorschlag im Gemeinderat Gröbenzell ein
  • Am Friedhof sollen Bienen Behausungen bekommen
  • Hier soll Honig gewonnen werden

Gröbenzell SPD-Gemeinderatsmitglied Andrea Schuster träumt vom „Gröbenzellhonig“. Sie hat mit ihrem Fraktionskollegen Peter Falk beantragt, dass auf dem Friedhof Bienenbehausungen aufgestellt werden, die auch von Wildbienen genutzt werden können. Den Insekten stünden immer weniger Lebensräume zur Verfügung. Deshalb komme der öffentlichen Hand eine besondere Verantwortung zu.

Zudem wünschen sich die Sozialdemokraten, dass die Bürger über insektenfreundliche Grabpflanzungen informiert werden. Aber auch Bienenstöcke für Honigbienen kann Schuster sich auf dem Friedhof vorstellen. Die Idee stieß im Gemeinderat auf geteilte Meinung.

Bienen am Friedhof: Der Bund Naturschutz

Larissa Holmer (Grüne) erläuterte, dass der Bund Naturschutz bereits an einem Konzept für einen insektenfreundlichen Friedhof arbeite und mit der Friedhofsgärtnerei im Gespräch sei. Zudem werde an einem Plan zur Müllvermeidung gearbeitet. Beispielsweise sei der größte Teil der Grablichter mit Plastik umhüllt, es gebe aber auch andere wiederverwertbare Systeme.

Ulrike Breitkopf (CSU) sah das mit viel Skepsis. Sie hat selbst Erfahrung: Das Imkern ist ihr Hobby. Die CSU-Gemeinderätin ist überzeugt, dass der Friedhof bereits jetzt durch zahlreiche Bäume und Sträucher einen Lebensraum für Bienen und andere Insekten biete. Das noch auszubauen, bewertet sie kritisch.

Bienen am Friedhof: Reger Flugverkehr

Denn die Wege dort müssten gepflegt und die Zugänge zu den Gräbern freigehalten werden. Bedenken hat sie zudem bezüglich der Ansiedlung von Honigbienen. Diese bildeten Staaten mit bis zu 50 000 Tieren, was regen Flugverkehr zur Folge habe und Friedhofsbesucher gefährden könne. Und Behausungen für Wildbienen seien zudem Großteils gar nicht notwendig, da Dreiviertel der Wildbienen im Boden lebten. Andere Orte in der Gemeinde, wie etwa den Bürgerpark, könne sie sich eher für so ein Projekt vorstellen.

Ihr Fraktionskollege Michal Jaumann machte zwar klar, er habe nichts gegen Bienen („Ich hebe jede Biene auf“). Den SPD-Antrag bezeichnete er aber als „polemisch“ und „Wichtigmacherei“. Er fragt sich: „Wer soll sich um die Bienenkästen kümmern?“ Und Hecken nicht mehr zu schneiden und Wiesen nicht zu mähen, habe zur Folge, dass es „furchtbar ungepflegt“ aussehe.

Bienen am Friedhof: Fingerspitzengefühl

Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) wusste aus Erfahrung, dass die Ansichten wie ein Friedhof auszusehen habe, sehr unterschiedlich seien. Hier sei Fingerspitzengefühl gefragt. Sein Vorschlag: Die Rathausverwaltung soll sich mit dem Bund Naturschutz und der Friedhofsgärtnerei anschauen, wie das Areal naturnah gestaltet werden kann – ohne dabei die Pflege zu vernachlässigen. Unter diesem Aspekt könne man das gesamte Gemeindegebiet betrachten. Dieses Vorgehen fand unter den Gemeinderäten eine große Mehrheit. Lediglich Michael Jaumann stimmte dagegen.

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