Das Landratsamt geht hart vor

Flüchtlinge müssen ihren Hausrat abgeben

Gröbenzell – Die Asyl-Unterkünfte im Landkreis werden massiv entrümpelt. Viele Flüchtlinge müssen ihre Habseligkeiten abgeben. Hauptgrund ist der Brandschutz.

Auf eine herzzerreißende Szene traf die Gröbenzellerin Agnes Streber am Mittwochabend an der Flüchtlingsunterkunft an der Olchinger Straße Es hatte sich ein Menschenauflauf gebildet. Flüchtlinge weinten. Neben dem Heim befand sich ein riesiger Container, vollgefüllt mit Möbeln. In der Unterkunft waren Tische, Sessel und Sofas mit blauen Zetteln markiert, als wäre der Gerichtsvollzieher im Haus gewesen – die Habseligkeiten der Flüchtlinge werden abtransportiert. Auch Flüchtlingshelferin Lilo Nitz ist entsetzt vom Vorgehen des Landratsamtes.

Bekannt war bisher, dass elektrische Geräte aus Brandschutzgründen in den Zimmern der Flüchtlinge nicht zulässig sind. Mikrowellen, Wasserkocher oder Heizlüfter wurden bei Kontrollen immer wieder entfernt. Dass nun auch Möbel ausgeräumt werden, ist aber neu. Die Regelung betrifft sämtliche Unterkünfte im Landkreis, wie Ines Roellecke vom Landratsamt erklärt. Zulässig sind pro Person nur ein Metallspind, ein Bett nebst Matratze, ein Tisch und pro Person ein Stuhl, ein Zimmermülleimer, ein Kühlschrank und einfache Vorhänge und Gegenstände aus Metall oder Glas.

Es sei schwierig, Flüchtlingen die Gefahr durch Feuer verständlich zu machen

Die Regelung sei vor allem wegen des Brandschutzes notwendig, erklärt sie. Es sei schwierig, den Flüchtlingen die Gefahr durch Feuer verständlich zu machen. Daher müssten Brandlasten so gering wie möglich gehalten werden. Zudem habe es in einzelnen Unterkünften Ungezieferbefall gegeben. Ob dies auch für Gröbenzell zutrifft, konnte sie aber nicht sagen. Ein weiteres Problem sei die Vermüllung.

Dass Mobliar entfernt werden müsse, ist laut Roellecke bereits seit dem Ende des Sommers bekannt. Es sei auch mit der für Flüchtlingsfragen zuständigen Mitarbeiterin im Gröbenzeller Rathaus abgesprochen worden. Ines Roellecke vom Landratsamt betont, dass die Sachen nicht weggeworfen werden müssen. Sie könnten auch verkauft oder eingelagert werden. Sie müssen nur aus den Heimen raus.

Der Gröbenzeller Asylhelferkreis hält dagegen

Lilo Nitz, Leiterin des Gröbenzeller Asylhelferkreises, hält dagegen: Die Flüchtlinge hätten es sich mit Hilfe von Spenden, aber auch mit Mobiliar vom benachbarten Wertstoffhof, etwas gemütlich gemacht. Sie hätten sich ein bisschen Normalität geschaffen, um ein Heimatgefühl entwickeln zu können, berichtet sie. Jetzt herrsche Chaos in den Zimmern. Die Utensilien der Bewohner lägen verpackt in Plastiksäcken, Koffern und Taschen auf dem Boden herum. Die Menschen, derzeit leben 36 Flüchtlinge an der Olchinger Straße, seien teils seit zwei Jahren in der Unterkunft. 17 von ihnen sind bereits entweder als Flüchtlinge anerkannt oder sind subsidiär Schutzberechtigte. Sie könnten eigentlich die Unterkunft verlassen, finden aber keine Wohnung.

In dem Metallspind, der jedem Flüchtling zur Verfügung steht, passe wenig hinein, sagt Lilo Nitz. „Die Leute sind verzweifelt.“ Ihre Nerven lägen blank, teils seien sie wütend, andere resignierten. Selbst 60 Tische und 120 Stühle, die eine Schule aussortiert hatte, müssen weg. Dabei habe das Landratsamt diese Gegenstände einst haben wollen – und ihr Ehemann habe sie mühsam in die Unterkünfte geschafft.

Rubriklistenbild: © dpa

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