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Ein Nottestament wurde von den Pflegekräften verhindert. (Symbolbild)

Aus dem Gerichtssaal

Weil ein Nottestament verhindert wurde - Frau räumt Konto von toter Freundin ab

Weil sie knapp 180 000 Euro vom Konto ihrer verstorbenen Freundin abgehoben hatte, musste sich eine Gröbenzellerin vor Gericht verantworten.

Gröbenzell – Als eine Gröbenzellerin das erste Mal vor Gericht stand, erlitt sie in der Verhandlung einen Herzstillstand. Die Frau musste reanimiert werden. Inzwischen geht es ihr gesundheitlich etwas besser. Die Verhandlung konnte fortgeführt werden – es ging um Erbstreitigkeiten und viel Geld.

Der Herzstillstand war die Folge eines psychogenen Krampfanfalls gewesen. Beim neuen Termin war im Gerichtssaal für alle Fälle ein Arzt anwesend, denn der Hausarzt der 70-Jährigen konnte nicht ausschließen, dass sich ein solcher Krampfanfall wiederholt. Die Verhandlung macht der Gröbenzellerin dann auch sichtlich zu schaffen, sie überstand sie aber ohne einen erneuten Zusammenbruch. Staatsanwalt und Rechtsanwältin hielten ihre Plädoyers. Das Schöffengericht sprach ein Urteil: Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Untreue in 40 Fällen.

Sie hatte knapp 180 000 Euro vom Konto der Verstorbenen abgehoben

Die Gröbenzellerin hatte 2015 mit der Bankvollmacht einer verstorbenen Freundin von deren Konto nach und nach knapp 180 000 Euro abgehoben. Ein großer Teil des Geldes ist heute verschwunden. 42 000 Euro hat die Angeklagte zurückgezahlt, weitere 6000 Euro waren bei ihr vollstreckt worden. 151 000 Euro, der Rest des veruntreuten Geldes zuzüglich rechnerisch aufgelaufenen Zinsen und Kosten, sollen bei ihr eingezogen werden.

Die Gröbenzellerin hatte sämtliche Abhebungen zugegeben. Sie hatte sogar eingestanden, ein Nottestament der Freundin gefälscht zu haben, wofür sie gar nicht angeklagt war. Laut diesem Testament hätten die Gröbenzellerin und eine Nichte der verstorbenen Freundin geerbt. Doch das Testament wurde vom Gericht nicht anerkannt. Es trat die gesetzliche Erbfolge ein. Der Bruder der Verblichenen erbte das Vermögen. Ein über 90-jähriger Mann, der finanziell gut ausgestattet in einem Pflegeheim lebt und zu dem die Freundin seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, wie die Verteidigerin erklärte.

Verteidigung sieht die Angeklagte als nicht haftfähig an

Für das Gericht lag letztlich die Vermutung nahe, dass die Angeklagte sich moralisch berechtigt gefühlt hatte, das Geld abzuheben. Denn die verstorbene Freundin hatte gewünscht, dass die Gröbenzellerin erbt. Hätten Pflegerinnen in dem Heim, in dem die Freundin damals lebte, sich nicht geweigert, das Nottestament zu unterschreiben, wäre es auch dazu gekommen. Der Staatsanwalt hatte beantragt, die 70-Jährige zwei Jahre und elf Monate ins Gefängnis zu schicken. Die Verteidigerin forderte eine 18-monatige Bewährungsstrafe. Ihre Mandantin sei gar nicht haftfähig. Die Gröbenzellerin kämpft seit Jahren mit diversen Krankheiten, mehreren Krebsarten, Depressionen und schmerzhaften Abnutzungen von Gelenken.

Susanne Schwind

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