Ein Mund- und Nasenschutz hängt am ersten Schultag des neuen Schuljahres in einer Grundschule an einem Haken.
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An der Maskenpflicht wird Kritik laut.

Gröbenzell

Gemeinderätin gibt Masken-Kritikerin Forum - Faktencheck

Die Zahlen der Neu-Infizierten im Landkreis explodieren gerade. In Gröbenzell hat UWG-Gemeinderätin Cordula Braun eine erklärte Masken-Kritikerin zu einem Vortrag ins Freizeitheim eingeladen. Die Ärztin Birgit Hörger spricht sich öffentlich gegen verhängte Maßnahmen in der Corona-Pandemie aus.

Gröbenzell – Gemeinderätin Cordula Braun (UWG) hatte den Vortrag „Mit Weitblick durch die Krise“ organisiert. Das habe ihr sehr am Herzen gelegen, wie sie auf Tagblatt-Nachfrage sagte. Sie habe vor Monaten angefangen, zu zweifeln und zu recherchieren. So werde unter anderem nicht unterschieden: Ist ein Mensch an oder mit Corona verstorben (siehe Kasten)? Braun rät den Bürgern dringend, selber im Netz zu recherchieren.

Am Donnerstagabend war die Gröbenzellerin aber sichtlich bemüht, alle coronabedingten Auflagen einzuhalten. Jeder Zuhörer wurde auf die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung hingewiesen, musste seine Daten hinterlassen und es wurde ausgiebig gelüftet. Trotz des großen Saals im Freizeitheim waren lediglich 25 Zuhörer zugelassen, die Stühle standen in großen Abständen. Da aber nach zwei Stunden bereits die nächsten 25 Zuhörer warteten, blieb für die erste Veranstaltungsrunde keine Zeit zur Diskussion.

Zweifel an Zahlen und Testverfahren

Somit sprach vor allem die Ärztin Birgit Hörger. In ihrem Vortrag äußerte sie Zweifel an Zahlen, Testverfahren und Impfung. Beim Tragen von Masken sah sie vor allem für Kinder eine Gefahr. Unter der Maske würde sich die CO2-Konzentration erhöhen, was eine Stressreaktion und einen Adrenalinausstoß bewirke. Das könne der Entwicklung von Kindern schaden.

Hörger räumte bei der Zahl der Corona-Infizierten „einen Trend nach oben“ ein. Allerdings: „Der Trend ist zahlenmäßig, nicht krankheitsmäßig“. So liege derzeit auf der Intensivstation im Brucker Krankenhaus kein einziger Covid-19-Patient.

Wird manipuliert?

Hörger ist der Meinung, dass manipuliert werde, um Angst zu verbreiten. Sie zitierte dazu aus einem Szenario der Bundesregierung, indem es heiße: Kinder werden sich leicht anstecken, zum Beispiel bei den Nachbarskindern. Wenn der Nachwuchs dann wiederum die Eltern ansteckt und ein Elternteil qualvoll stirbt, habe dies noch schrecklichere Folgen: Das Kind fühle sich schuldig.

Hörger thematisierte ebenso die so genannte Kupferzellstudie des RKI vom Mai diesen Jahres und schloss daraus: Mit einer Sterblichkeit von 0,15 Prozent bei Covid-19 „liegen wir genau im Bereich einer Grippe“. Zweifel äußerte sie auch an dem von dem Virologen Christian Drosten mitentwickelten Corona-Test, dem PCR-Test, und potenziellen Impfstoffen. Einer der Zuhörer berichtete in diesem Zusammenhang, dass obwohl sein zweiter Test negativ war, seine zweiwöchige Quarantäne nicht aufgehoben wurde.

Der Faktencheck

Das Tagblatt hat einige Aussagen den offiziellen Quellen, wie zum Beispiel dem Robert-Koch-Institut (RKI), gegenüber gestellt.

1. „Es wird nicht unterschieden, ob ein Mensch an oder mit Covid-19 verstorben ist“ (Cordula Braun): Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) liegen Informationen zur Todesursache bei etwa 99 Prozent der gemeldeten Sars-CoV-2-Fälle vor, von denen wiederum rund 89 Prozent an Covid-19 verstorben sind und elf Prozent an einer anderen Ursache.

2. „Erhöhte CO2--Konzentration unter der Maske ist schädlich für Kinder“: Laut Bundesumweltamt geht von dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes keine Gesundheitsgefährdung durch Kohlendioxid aus – und auch Sauerstoff wird ausreichend aufgenommen. Die Mund-Nasen-Bedeckungen würden sowieso (richtig getragen), so eng am Gesicht anliegen, dass das Luftvolumen darunter eher klein sei und sich somit gar keine größere Menge CO2 ansammeln könne. Tests, die etwa im Internet kursieren und erhöhte Werte zeigen sollen, seien nicht aussagekräftig, weil die Messgeräte gar nicht für diesen Zweck geeignet seien.

3. „Der Trend ist zahlenmäßig, nicht krankheitsmäßig“: Tatsächlich ist die Zahl der Fälle auf den Intensivstationen im Vergleich zum Frühjahr gering. Laut der deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, an die die Kliniken alle Fälle melden müssen, gibt es einen Covid-19-Fall in intensivmedizinischer Behandlung (Das war der Stand von Freitag, 16. Oktober, 13 Uhr).

4. Zum Zusammenhang zwischen erkannten Fällen und tatsächlichem Pandemiegeschehen: Das RKI stellt klar, dass mehr Tests natürlich zu mehr Fallzahlen führen würden, da mehr zuvor unentdeckte Infizierte (etwa ohne Symptome) erkannt würden. Ausdrücklich wird allerdings ebenso betont: Das heißt nicht, dass umgekehrt die beobachteten steigenden Fallzahlen nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären wären. Die Gründe seien auf verschiedene Faktoren (wie größere private Feiern, Freizeitaktivitäten und Reiserückkehrer) zurückzuführen.

5. „Bei der Sterblichkeit liegen wir genau im Bereich einer Grippe“: RKI-Sprecher Lothar Wieler hatte im Februar davon gesprochen, dass Corona tödlicher sei als die Grippe. Belastbare Aussagen über die so genannte Letalität (Sterblichkeitsrate) könne man aber erst am Ende der Pandemie treffen. Laut Internetseite des RKI liegen dazu keine Zahlen vor, weil gar nicht bekannt ist, wie viele Menschen wirklich erkrankt sind.

6. Falsche PCR-Testergebnisse: Das RKI geht bei korrekter Durchführung und fachkundiger Beurteilung der Ergebnisse von einer sehr geringen Zahl falsch-positiver Befunde aus, die die Einschätzung der Lage nicht verfälsche. (gar/sus)

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