So genannte Hochzeitsbäume stehen in Gröbenzell am Spielplatz am Ascherbach.
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So genannte Hochzeitsbäume stehen in Gröbenzell am Spielplatz am Ascherbach.

Eine grüne Gemeinde

Gigantischer Ansturm auf besondere Bäume

Gröbenzell gilt als besonders grüne Gemeinde, wird auch immer wieder Gartenstadt genannt. Mit dazu bei trägt sicherlich auch, dass die Gemeinde sich vor Jahren eine Baumschutzverordnung gegeben hat, die Bäume vor der Säge schützt. Allerdings haben die Bürger ebenso einen Anteil, dass die Zahl der Bäume entlang der Bäche, auf Spielplätzen und in Parks immer größer wird.

Gröbenzell – Bereits vor zehn Jahren hatte die Gröbenzeller Agenda 21-Gruppe die Idee, eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen, nämlich die Spende von Hochzeitsbäumen einzuführen. Der damalige Umweltreferent der CSU, Reinhard Paesler, brachte die Idee dann 2011 in den Gemeinderat ein. Und dies mit Erfolg, das Gremium sprach sich einhellig dafür aus, die Idee in die Tat umzusetzen. Bis der erste Baum dann tatsächlich gepflanzt wurde, verging aber noch einige Zeit.

2014 war es soweit, es wurden aber nicht nur Hochzeits- sondern auch Geburtsbäume gepflanzt. Und seit wenigen Wochen wurde die Regelung noch erweitert. Jetzt können auch Jubiläumsbäume gepflanzt werden, hat der Gemeinderat im Februar beschlossen. Jubiläen von Vereinen aber auch von Bürgern können so gewürdigt werden.

Landschaftsplanerin Katharina Bader ist für die Aktion in Gröbenzell zuständig.

Im Rathaus ist die Landschaftsplanerin Katharina Bader für die Aktion zuständig. „Anfangs war die Nachfrage nicht so groß“, erinnert sie sich, doch „inzwischen ist sie gigantisch“. 75 Bäume sind so in der Gemeinde seit 2014 gepflanzt worden. Anfangs waren es im Durchschnitt zehn Stück im Jahr, mittlerweile ist die Zahl auf 20 angewachsen. „Die diesjährige Pflanzaktion im Herbst ist bereits ausgebucht“, berichtet Bader, „und für das kommende Frühjahr sind nur noch wenige Spender möglich.“

Plant jemand einen Hochzeits-, Geburts- oder Jubiläumsbaum zu pflanzen, muss er oder sie sich mit Bader in Verbindung setzen. Die Landschaftsplanerin schlägt Standorte vor, wo gepflanzt werden könnte. Zur Verfügung stehen unter anderem der Spielplatz am Ascherbach, der kleine Park an der Tannenfleckstraße, das Areal an der Ammerseestraße, aber auch der Streifen entlang des Gröbenbachs im Nordteil der Gemeinde. In der Regel können die Bürger auswählen, welchen Baum sie pflanzen. Zumeist sind es heimische Bäume, wie Linden, Ahorn oder Pappel.

Bader berät die Bürger bei der Auswahl der Bäume, denn sie weiß, wo in Gröbenzell welcher Baum gedeiht. „Für manche Bäume ist der Gröbenzeller Untergrund nicht geeignet,“ erläutert Bader. Manchen Bäumen ist es hier zu feucht, andere kommen mit dem Boden nicht zurecht.

Gröbenzell liegt geologisch gesehen in der Münchner Schotterebene, im Untergrund findet sich daher Kies. Das Gebiet ist aber auch Teil des Dachauer Mooses, lange Jahre wurde um Gröbenzell herum Torf gestochen. Zudem finden sich Schichten sehr hellen feinen Kalksandes. Entlang des nördlichen Gröbenbachs aber ist die Baumart vorgegeben. „Hier besteht eine historische Allee aus Birken, die erhalten bleiben soll“, berichtet Bader. Hier dürfen also ausschließlich Birken gepflanzt werden.

Im Bürgerpark, wo ebenfalls bereits zahlreiche Geburts- und Hochzeitsbäume stehen, sollen derzeit keine weiteren Bäume gepflanzt werden. Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) will aus dem Bürgerpark keinen Bürgerwald machen. Über 30 Hochzeits- und Geburtsbäume wurden hier in vergangenen Jahren von Spendern gepflanzt.

In der Regel sind es etwa vier Meter hohe hochstämmige Bäume, die die Gemeinde von einer Baumschule in der schwäbischen Alb bezieht. „Geht ein Baum ein, ersetzt ihn die Gemeinde,“ berichtet Bader.

Bisher mussten die Bürger 200 Euro für einen Baum bezahlen, ab dem Herbst steigt der Preis auf 300 Euro. Denn es müssen nicht nur die Bäume gekauft werden, auch Pfosten, um diese anzubinden, Dünger, Rindenmulch und der Aushub muss beseitigt werden. Zudem erhält jeder Baum ein Schild auf dem die Spender und der Anlass der Spende vermerkt sind. Arbeitsstunden für die Mitarbeiter des Betriebshofes, die die Bäume einpflanzen und Mitarbeiter der Rathausverwaltung sind darin gar nicht eingerechnet.

Gepflanzt wird in der Regel zwei Mal im Jahr an einem Samstag. Bauhofmitarbeiter bereiten dazu am Tag davor die Pflanzlöcher vor, stellen den Baum am Pflanztag in dieses Loch. Nachdem die Spender, deren Kinder oder Enkel Erde in das Loch geschaufelt haben, binden sie den Baum an zwei Pfosten fest. Mit dabei sind zudem regelmäßig auch Bader und Bürgermeister Martin Schäfer.

Geschichtlicher Hintergrund

Einen Hochzeitsbaum zu pflanzen hat bereits eine jahrhundertelange Tradition. Bäume stehen als Sinnbild für das Leben, sie gedeihen, wachsen und tragen Früchte und geben so das gemeinsame Leben eines Brautpaares wieder. Der Baum soll, wie die Ehe, bis ins hohe Alter gedeihen. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, 1648, wurde in Teilen des heutigen Deutschlands aus der Tradition sogar eine Pflicht. Das durch den Krieg zerstörte Land musste wieder aufgebaut werden. Paare mussten daher bei ihrer Hochzeit Obst- und Nutzhölzer pflanzen, die örtlichen Pfarrer stellten ihnen dafür eine Bescheinigung aus, die dem jeweiligen Landesfürsten vorgelegt werden musste. Auch die Geburt eines Kindes bot immer wieder Anlass, einen Baum zu pflanzen. Susanne Schwind

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