Ist das ein Buchregal? Nein, es ist ein Quilt, das man sogar gewinnen kann.

Quilt

Kunst aus Stoffresten: Ausstellung in Gröbenzell

Manchmal muss man schon genau hinschauen. Ist das ein gemaltes Bild oder doch etwas anderes? Es sind wahre Kunstwerke, die die Gröbenzeller Quiltgruppe aus Stoffresten anfertigt. Diese außergewöhnliche Art der Handarbeit gibt es seit den 1980er-Jahren in der Gemeinde. Am Donnerstag wird eine neue Ausstellung eröffnet – mit speziellem Souvenir.

Gröbenzell – Es ist eine Erinnerung an Besucherinnen der letzten Quilt-Ausstellung, die 2016 stattfand. Professorinnen und Studentinnen der türkischen Universität in Konya waren da zu Gast. Den Gröbenzeller Quilterinnen schenkten sie Stickquadrate zur weiteren Verarbeitung. Die wurden natürlich gleich für die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „#erzählt #gefärbt #genäht, Märchen – Erinnerungen“ verwendet. Diese wird heute im Freizeitzentrum eröffnet. Dort können die Besucher das Souvenir aus der Türkei bewundern, neben vielen weiteren Werken.

Die Quiltgruppe in Gröbenzell gibt es bereits seit 1980. 1986 stellten die Mitglieder – es sind ausschließlich Frauen – ihre Werke erstmals der Öffentlichkeit vor. Seitdem finden alle drei, vier Jahre Ausstellungen statt. Hier präsentieren die Quilterinnen ihre Kreationen aus Stoffresten.

Gemeinsames Nähen

Derzeit hat die Gröbenzeller Gruppe 22 Mitglieder. Fünf sind laut Chef-Quilterin Gabriele Bach bereits über 80 Jahre alt, aber noch immer sehr aktiv. Lediglich zwei sind unter 30 Jahre alt. Die Frauen kommen zwei Mal im Monat zusammen, um Organisatorisches zu besprechen, sich über ihre Arbeiten zu unterhalten und ihre Quilts zu präsentieren. Gemeinsam genäht wird an zwei Wochenenden im Jahr. Um ihre Ausstellungen vorzubereiten, braucht es aber dann doch eine ganze Woche.

Die Quiltfrauen werkeln vor allem an der Nähmaschine. Das ist aber nicht alles: Immer wieder besuchen sie auch Vorträge. So wie Künstlerinnen von woanders zur Ausstellung nach Gröbenzell kommen, zeigt die Gruppe ihre Werke wiederum auch im In- und Ausland.

Bei der aktuellen Ausstellung geht es ebenso international zu: Die Näh-Künstlerinnen präsentieren Quilts vom Canadian Red Cross (Kanadisches Rotes Kreuz). Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Kanada und Amerika sogenannte “care quilts“ gefertigt und in Deutschland und Österreich nach dem Krieg verteilt.

Selbst aktiv werden

Wer mehr über diese historischen Stücke erfahren will, kann am kommenden Samstag an einer Führung der Volkshochschule durch die Ausstellung im Freizeitzentrum teilnehmen. Wer selbst aktiv werden will, hat am selben Tag zwischen 15 und 17 Uhr die Möglichkeit dazu. Mit Hilfe von Stoff und Nadel werden fantasievolle Blumen gestaltet. Und wer sich jetzt noch fragt, was die Ausstellung mit Märchen zu tun hat: Am Sonntag von 14.30 bis 16 Uhr werden Geschichten der Gebrüder Grimm vorgelesen.

Zum Ende der Ausstellung am Sonntag um 17 Uhr wartet ein weiterer Höhepunkt: Zu jeder ihrer Ausstellungen nähen die Mitglieder der Quiltgruppe einen Gemeinschaftsquilt. Diesmal trägt er das Motiv eines Buchregals, das die Besucher auch gewinnen können. Das Los kostet drei Euro.

Eigentlich hätten sogar zwei Bücherquilts verlost werden sollen. Der eine der beiden wurde aber vorab in der Gröbenzeller Bücherei ausgestellt. Und dieser „hat uns und unseren Lesern so gut gefallen, dass die Gemeinde beschlossen hat, diesen für die Gemeindebücherei zu erwerben“, sagt die Leiterin der Bücherei Angelina Hanke. Dafür kann er nun von allen Gröbenzellern in der Bücherei bewundert werden.

Die 11. Ausstellung

wird heute um 19 Uhr im Gröbenzeller Freizeitzentrum in der Wildmoosstraße 36 eröffnet. Schirmherrin ist Gerda Hasselfeldt, die frühere CSU-Bundestagsabgeordnete und jetzige Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes. Vom morgigen Freitag bis zum Sonntag, 28. April, hat die Ausstellung dann jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3 Euro.

Was der Begriff bedeutet

Der Name Quilt stammt aus dem Lateinischen. Ursprünglich geht er auf das Wort „culcita“ zurück, was so viel bedeutet wie ausgestopfter Sack, Matratze oder Kissen. In England ist es seit dem Jahr 1300 in verschiedenen Schreibweisen nachgewiesen. Das englische Wort „quilt“ bedeutet übersetzt in die deutsche Sprache „Steppdecke“. Die Decken bestehen in der Regel aus zwei oder drei Lagen. Oben befindet sich die Schauseite und in der Mitte eine wärmende Schicht aus Vlies, Wolle, Baumwolle, Seide oder Synthetik. Die Rückseite bildet in der Regel eine große Stoffbahn. Das Verbinden dieser drei Stoffbahnen mit der Hand oder der Maschine nennt sich quilten. Wie lange an einem Quilt gearbeitet wird, ist unterschiedlich, erklärt Gabriele Bach, Vorsitzende der Gröbenzeller Quiltgruppe. Handelt es sich zum Beispiel um ein einfaches Muster, dann kann der Quilt nach drei oder vier Tagen fertiggestellt werden, wenn man eine Nähezeit von acht Stunden pro Tag rechnet. Nicht immer geht es vergleichsweise schnell, es gibt deutlich aufwendigere Kreationen. So kann es auch ein Jahr dauern, bis eine Arbeit komplett beendet ist, wobei nicht immer das Nähen die meiste Zeit beansprucht, sondern das Nachdenken über den Entwurf und die Suche und Auswahl der benötigten Stoffe. (sus)

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