Viele freie Plätze in der Kirche im Lockdown: Angelika Bischoff hat am kommenden Sonntag ihren Einführungsgottesdienst als Vikarin. Immerhin kann er stattfinden – wenn auch mit beschränkter Teilnehmerzahl.
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Viele freie Plätze in der Kirche im Lockdown: Angelika Bischoff hat am Sonntag, 26. März, ihren Einführungsgottesdienst als Vikarin. Immerhin kann er stattfinden – wenn auch mit beschränkter Teilnehmerzahl.

Praxis-Ausbildung während Corona

Pfarrerin werden in schwierigen Zeiten

In der Gröbenzeller Zachäusgemeinde ist Frauenpower angesagt: Die beiden Pfarrerinnen haben seit wenigen Wochen Unterstützung von Vikarin Angelika Bischoff. Sie muss ihre Praxis-Ausbildung zur Pfarrerin allerdings in ungewöhnlichen Zeiten antreten.

Gröbenzell – Nach jahrelanger Theorie freut sich Angelika Bischoff nun auf die Praxis – auch wenn wegen Corona nicht alles so läuft wie normal in den Gotteshäusern. Seit März ist die 26-Jährige in der Obhut der Gröbenzeller Zachäusgemeinde und deren Pfarrerinnen Susanne Kießling-Prinz und Christine Drini. Zweieinhalb Jahre wird sie hier ihren zukünftigen Beruf erlernen. Auch für ihre Mentorinnen ist das etwas Besonderes.

Eigentlich hätte Bischoff jetzt schon nach und nach alle Gruppen der Gemeinde persönlich kennenlernen sollen. Doch aufgrund der Pandemie ist dies momentan schwierig. „Außer Gottesdiensten finden derzeit keine Aktivitäten statt“, sagt Bischoff. Zunächst hat sie sich daher den Mitgliedern des Kirchenvorstands vorgestellt, bei gemeinsamen Spaziergängen. „Doch man kann nicht mit jedem Spazierengehen“, räumt sie ein. „Und Seelsorge zu betreiben ist mit Maske schwierig, es geht viel an Emotion und Mimik verloren.“

Für ihre Ausbildung muss die junge Frau alle zwei Monate für zwei Wochen das Predigerseminar in Nürnberg besuchen. Auch das läuft in Corona-Zeiten anders und ausschließlich online. Im ersten Jahr stehen die Bereiche Seelsorge, Gottesdienst und Religionspädagogik auf dem Stundenplan.

Am 25. April ist es dann schon soweit – wenn es Corona zulässt wird sie ihren ersten Gottesdienst halten. Von da an übernimmt die Vikarin jeden Monat einmal diese Aufgabe. Ab dem Herbst wird sie zudem in Gröbenzeller Schulen evangelische Religionslehre unterrichten. Gegen Ende des zweiten Jahres folgt die Vorbereitung auf das zweite Examen.

Dass sie Pfarrerin werden will, hat Bischoff bereits früh erkannt. Aufgewachsen ist sie in Wessobrunn, einer kleinen ländliche Gemeinde nahe Weilheim. Hier hat sie die Natur zu schätzen gelernt. Bis heute geht sie gerne wandern und reitet mit Begeisterung, hat dafür in Eschenried auch ein eigenes Pferd stehen.

Im nahen Weilheim war sie zudem früh in der evangelischen Gemeinde aktiv, in der Jugend- und Konfirmandenarbeit. Diese Tätigkeit ließ sie dann auch auf die Idee kommen, den Beruf der Pfarrerin zu ergreifen, denn sie lernte kennen „wie vielfältig dieser ist“.

Ihr Studium der Theologie begann Bischoff an der kirchlichen Hochschule in Neuendettelsau. Hier musste sie sich dann nicht nur der Theologie widmen, sondern auch Griechisch, Latein und Hebräisch lernen.

Es folgte ein einsemestriger Aufenthalt im französischen Montpellier, anschließend wechselte sie nach München, wo sie nach 14 Semestern ihr Studium beendete.

Und nun ist ihre Station Gröbenzell. Im Gegensatz zu den beiden Pfarrerinnen lebt sie aber nicht direkt vor Ort. Sie wohnt in Neuaubing, wo ihr Ehemann eine Pfarrstelle innehat.

Bei dem Namen „Bischoff“ wird der eine oder andere sich vielleicht an den Bischof erinnern, der später auch Bischof wurde. Jahrelang – von 1993 bis 2008 – war nämlich Wolfgang Bischof in der katholischen Gemeinde St. Johann Baptist tätig. Sein Nachname wurde später zu seinem Amt: Im Januar 2010 wurde er von Papst Benedikt zum Weihbischof bestellt.

In der evangelischen Kirche sind auch weibliche Bischöfinnen zulässig und mittlerweile auch sehr verbreitet. Trotzdem strebt Angelika Bischoff dieses Amt, zumindest bisher, nicht an. Sie erklärt: „Ich möchte lieber im bodenständigen Gemeindedienst bleiben.“

Gottesdienst

Die Gröbenzeller Gemeindemitglieder haben an diesem Sonntag, 10 Uhr, die Gelegenheit, die 26-Jährige kennenzulernen. Sie wird im Rahmen des Gottesdienstes von ihrer Mentorin Susanne Kießling-Prinz in die Gemeinde eingeführt und gesegnet. Da aufgrund der Corona-Pandemie die Zahl der Gottesdienstbesucher begrenzt ist, wird der Gottesdienst in den benachbarten Gemeindesaal übertragen werden. Susanne Schwind

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