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Verzögerung und hohe Kosten: Zehn Fragen rund ums neue Rathaus

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Ganz fertig ist es noch nicht: das neue Gröbenzeller Rathaus. Am kommenden Freitag können es sich die Bürger aber bei einem Tag der offenen Tür anschauen und alles Mögliche darüber erfahren.
Ganz fertig ist es noch nicht: das neue Gröbenzeller Rathaus. Am kommenden Freitag können es sich die Bürger aber bei einem Tag der offenen Tür anschauen und alles Mögliche darüber erfahren. (Archivfoto) © Weber

Es war ein gigantisches Projekt mit Kosten von 23 Millionen Euro: Vor einem Jahr wurde das neue Gröbenzeller Rathaus fertiggestellt. Nun wird es bei einem Tag der offenen Tür am Freitag feierlich vorgestellt. Das Gebäude ist im Ort nicht unumstritten. Nicht zuletzt wegen der hohen Kosten. Hier gibt es einen Überblick über den Werdegang.

Gröbenzell – „Wer bis dahin über Verschwendung gemurrt hatte, freute sich nun des schönen Gebäudes.“ Diese Worte schrieb Anne-Lise von Branca, allerdings schon vor langer Zeit, nämlich anlässlich des zehnten Geburtstages Gröbenzells im Jahre 1962. Das erste Rathaus Gröbenzells hatte damals 157 000 D-Mark gekostet. Das ist schon ein gravierender Unterschied zu heute. Aber vielleicht gibt es ja am kommenden Freitag, 22. Juli, ähnliche Komplimente wie damals. An diesem Tag lädt Bürgermeister Martin Schäfer nämlich jeden zum Tag der offenen Tür ein. Da wird vielleicht auch die eine oder andere Frage beantwortet.

Warum war ein neues Rathaus nötig?

Erste Stimmen, dass Gröbenzell ein neues Rathaus benötige, kamen bereits über zehn Jahre, bevor der Neubau beschlossen wurde, auf. Der alte Bau bestand aus drei Teilen, zwei davon aus den 1950er-Jahren, der Mittelteil aus den Siebzigern. Alle drei Gebäude waren sanierungsbedürftig. Büros waren zu klein und zu wenig und entsprachen zudem nicht der Arbeitsstättenverordnung. Das Gebäude war nicht barrierefrei, da die Räume vorher teils als Wohnung, teils als Arztpraxis genutzt worden waren.

Wie und wann fiel die Entscheidung?

Im Jahr 2012 gab der Gemeinderat grundsätzlich grünes Licht in Sachen Rathaus. Drei Jahre später wurde der Umzug an die Danziger Straße beschlossen, um eine Sanierung mit Neubau oder einen völligen Neubau zu ermöglichen. Zwei Monate später waren sich alle im Gemeinderat einig, dass Gröbenzell ein ganz neues Rathaus bekommen soll.

Wieso wurde das alte Gebäude nicht saniert?

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung einer beauftragten Firma hatte ergeben, dass ein Neubau um rund 1,2 Millionen Euro günstiger würde als eine Sanierung. Die Sanierung des Mittelteils mit Neubauten rechts und links davon war mit 11,7 Millionen Euro angegeben worden. Bei den rund 10,4 Millionen Euro Kosten für ein neues Rathaus war es allerdings nicht geblieben. Und zwar gar nicht: Nach derzeitigem Stand sind es knapp 23 Millionen Euro.

Das neue Gebäude wurde größer als gedacht. Das belegt die Bruttogeschossfläche (BGF), die die Fläche aufzeigt, die von Außenwänden eingeschlossen ist, einschließlich Verputz. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung war man ursprünglich von 5060 Quadratmetern ausgegangen – geworden sind es schließlich 6139 Quadratmeter, beides einschließlich Tiefgarage.

Wie groß war die Verzögerung?

Im April 2017 ging Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer noch von einer 20-monatigen Bauzeit und einem Einzug Ende 2019 aus. Bezogen wurde das neue Rathaus im Sommer 2021, also vor einem Jahr.

Wer hat das Gebäude entworfen?

Um festzulegen, wie das neue Rathaus aussehen soll, wurde europaweit ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Wobei den Architekten freistand, den Rathausbau aus den 1950er-Jahren in einen Neubau zu integrieren. Gewinner des Wettbewerbs war das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten.

Mit welchen Kosten rechnete man?

Die Stuttgarter Architekten erstellten eine Entwurfs- und eine Vorplanung, die mit einer Kostenschätzung von 17,6 Millionen Euro einschließlich eines Puffers von 1,8 Millionen Euro endete. Um knapp drei Millionen Euro hatte sich diese Kostenschätzung erhöht, weil der Gemeinderat unter anderem beschlossen hatte, eine begehbare Dachterrasse zu bauen, plus eine Photovoltaik- beziehungsweise Lüftungsanlage mit Feuchtigkeits- und Wärmerückgewinnung einzuplanen.

Weshalb kam es zu Verzögerungen?

Anfang 2018 wurde das gesamte dreiteilige alte Rathaus abgerissen, termingerecht. Doch der Rohbau verzögerte sich. Denn es ging nur ein einziges Angebot für diese Arbeiten ein, dieses war zudem mehr als doppelt so hoch wie die Kostenschätzung. Der Beginn der Arbeiten für den Rohbau musste daher um Monate verschoben werden, bis Herbst 2018.

Das zweite Angebot lag mit 3,3 Millionen Euro zwar unter dem ersten, aber noch immer um ein Drittel über der Kalkulation. Trotzdem wurde der Rohbau an die Firma vergeben. Die Gefahr, dass eine erneute Ausschreibung noch höhere Kosten erbracht hätte, war zu groß. Die Steigerung der Kosten setzte sich dann in den weiteren Ausschreibungen fort, nur selten lagen diese darunter.

Ist das Rathaus nun fertig?

Im Sommer 2021 war es so weit: Der Neubau konnte bezogen werden. Gänzlich fertiggestellt ist das Rathaus aber bis heute nicht. Es fehlen unter anderem die Photovoltaikanlage, die Außenanlagen, ebenso die Markierungen in der Tiefgarage. Schuld ist teils Material-Mangel.

Wie viele Büros gibt es für die Mitarbeiter?

Im alten Rathaus standen den Mitarbeitern auf knapp 1600 Quadratmetern Nutzfläche und 2659 Bruttogeschossfläche 34 Einzel-, zehn Doppel-Büros und eines für fünf Personen zur Verfügung, insgesamt also 45. Im neuen Rathaus gibt es 102 Mitarbeiter. Es wurden 37 Einzel- und 29 Doppelbüros geschaffen. Dazu stehen 3272 Quadratmeter Nutzfläche (etwa doppelt so viel wie früher) und 4000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche (BGF) in den Obergeschossen sowie 2180 Quadratmeter für die Tiefgarage, Archiv, Technik und Registratur zur Verfügung. Dazu kommen Büroflächen im Einwohnermeldeamt für insgesamt sechs und an der Infotheke für vier Mitarbeiter, die aber nicht immer alle gleichzeitig vor Ort sind. Derzeit sind alle Mitarbeiter untergekommen, nicht aber alle Doppelbüros sind mit zwei Mitarbeitern besetzt.

Wie ist es mit den Parkplätzen?

In der Tiefgarage stehen 46 und oberirdisch drei weitere Stellplätze zur Verfügung. In dem Neubau sind neben den Büros, ein großer und ein kleiner Sitzungssaal, Besprechungsräume, ein Trauungszimmer, ein Multifunktionsraum, Registratur, Archiv, Teeküchen und WCs (auch von außen öffentlich zugänglich), eine Tiefgarage und eine begehbare Dachterrasse entstanden. Die Dachterrasse konnte sich die Öffentlichkeit schon bei der jüngsten Musiknacht anschauen und dabei ein Konzert genießen. Auf dem Dach des neuen Rathauses wurde die Veranstaltung heuer nämlich eröffnet.

Besichtigung: Der Tag der offenen Tür ist am Freitag, 22. Juli, von 14 bis 19 Uhr. Die Bürger können die Baupläne und Modelle betrachten, mit Architekten und Planern reden, einen Film über den Abriss des alten Rathauses anschauen, zudem stehen Mitarbeiter des Rathauses für Fragen parat. Susanne Schwind

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