Cordula Braun Organisatorin des Kinoabends
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Cordula Braun: Organisatorin des Kinoabends

Gröbenzell

So läuft ein Kinoabend in Corona-Zeiten

Normalerweise laufen in den Gröbenlichtspielen immer wieder sehr außergewöhnliche Filme. Danach kann jeder seine Eindrücke kundtun. Da dies zurzeit nicht möglich ist, hat sich die Organisatorin der Kinoabende etwas überlegt: gemeinsam Film anschauen im Internet. Das birgt sogar einen Vorteil.

Gröbenzell – Dass man Filme im Internet anschauen kann, ist längst nicht mehr außergewöhnlich. Dass man aber einen Themenabend zu einem Film mit Diskussion online abhält, ist schon eher besonders. Auf diese Idee kam nun Cordula Braun, UWG-Gemeinderatsreferentin für interkulturelle Zusammenarbeit. Seit fünf Jahren organisiert sie die interkulturelle Filmreihe. Und anlässlich des Geburtstages wollte sie wieder den Film zeigen, mit dem alles angefangen hat: „Töchter des Aufbruchs“.

Der Streifen wird nun am Mittwochabend noch einmal gezeigt – allerdings nicht wie damals in den Gröbenlichtspielen sondern online. Der „Eintritt“ beträgt 7,50 Euro, die Tickets gibt es im Internet auf der Seite www.bezmedien.de. Es handelt sich dabei eher um eine Spende: Der Erlös kommt ausschließlich der Regisseurin Ulrike Bez zugute. Braun organisiert den Filmabend wie auch ihre gesamte Filmreihe mit Herzblut, wie sie betont und hat keinerlei Gewinninteressen.

Um 19.30 Uhr geht es los mit einer Konferenz über die Videochat-Plattform Zoom. Nach einer Begrüßung durch Cordula Braun wird Ulrike Bez den Zuschauern ihren Film vorstellen.

Große Resonanz

Es geht darin um Frauen, die über ihre Gründe für einen Neuanfang und ihr Leben in Deutschland berichten: Gastarbeiterinnen, die in den 1960er-Jahren nach Deutschland kamen sowie Frauen, die aus politischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten beziehungsweise deren Mütter oder Großmütter nach Deutschland gekommen waren.

Die Resonanz auf das Angebot ist groß: Über 40 Frauen und Männer hatten laut Bez bereits Anfang der Woche ihren Obolus entrichtet. Die Regisseurin freut sich zwar über den Zuspruch, sie betont aber, dass dieses Format keine Konkurrenz zu den Kinos werden soll. Sie hofft darauf, dass die Menschen bald wieder ganz klassisch ins Kino gehen können.

Das geht auch Cordula Braun so. Aber es gibt einen großen Vorteil in der Onlinevorführung: Denn so können Zuschauer aus ganz verschiedenen Regionen Deutschlands zusammenkommen und sich über den Film austauschen. So hat Bez bereits Tickets verkauft für Zuschauer, die nicht nur aus Gröbenzell oder seiner näheren Umgebung kommen, sondern auch an Frauen und Männer aus Berlin oder Stuttgart.

Im Anschluss an den Film steht Bez mittels Zoom zu einem Filmgespräch zur Verfügung. Aber nicht nur sie selber, sondern auch eine der zahlreichen Mitwirkenden aus dem Film: Roula Ukkeh.

Die Politikwisenschaftlerin Roula Ukkeh war in den 1980er-Jahren als Dreijährige mit ihren Eltern aus dem Libanon nach Deutschland gekommen. Sie berichtet von der Unterstützung, die sie und ihre Familie damals bekommen haben, aber auch von antimuslimischen Ressentiments, die sie immer wieder erfahren mussten. Ob die interkulturelle Filmreihe online fortgesetzt wird, weiß Braun noch nicht. Sie kann sich aber vorstellen, immer wieder einmal an ein Filmfestival „anzudocken“. (sus)

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