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Auch in Gröbenzell wird es kein großes gemeinsames Abschlussfoto geben. Es ist eine Situation, die die Schulfamilie noch nie erlebt hat. Dabei ist man stolz auf die Gemeinschaft. Damit die Abiturienten dennoch eine bleibende Erinnerung und einen würdigen Abschluss haben, ist man nicht nur bei der Feier kreativ geworden. Die Oberstufenbetreuer Gundula Schäfer (v.l.) und Christl Nadler-Arnold sowie Direktor Boris Hackl und Claudia Ankerne vom Elternbeirat haben extra für diese Aufnahme posiert. Mit großem Einsatz hätten die Schüler ihr Ziel erreicht, loben die Oberstufenkoordinatorinnen. Und die Eltern sind sich sicher: „Ihr haltet das Rüstzeug für eine erfolgreiche Zukunft in den Händen.“

Vor der Zeugnisverleihung

So rührend verabschiedet sich ein Direktor von seinen Abiturienten

Am Freitag erhalten die Abiturienten ihre Zeugnisse. Direktor Boris Hackl hat die aufreibenden Wochen zusammengefasst – und gibt seinen (ehemaligen) Schülern viel Optimismus mit auf ihren weiteren Weg.

Den Text hat Schulleiter Boris Hackl extra für das Tagblatt verfasst. Er wurde im Wortlaut abgedruckt.

Die Rede von Boris Hackl:

„Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, das Abitur ist bestanden, ein Einschnitt im Leben, herzlichen Glückwunsch! Sie werden in Kürze Ihre wohlverdienten Abiturzeugnisse erhalten und das Gymnasium Gröbenzell verlassen. Ein Lebensabschnitt endet – wenn auch mit einem turbulenten Schlussspurt.

Die Pandemie, die uns alle überraschend und unvorbereitet getroffen hat, hat Ihnen große Flexibilität und Stresstoleranz abverlangt. Weite Teile des Unterrichts im letzten Halbjahr konnten nicht stattfinden. An Stelle dessen haben Sie zuhause Materialien aus der digitalen Lernplattform Mebis bearbeitet und sich in Videokonferenzen mit Ihrer Lehrkraft ausgetauscht.

Viele Ängste haben Sie bewegt: Kein Unterricht, kein Abitur oder doch ein Notabitur? Kann ich im Herbst überhaupt studieren? Was wird aus mir? Aus vielen Mails und Anrufen von Ihnen, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, sprachen diese Sorgen und Ängste. Doch Sie ließen sich nicht unterkriegen, stellten sich der Situation trotzdem – so wie in dem Song „These days“ von R.E.M.: „Fly to carry each his burden, we are young (…), we are concerned, we are hope despite the times“.

Doch langsam lichtete sich der Himmel am Horizont. Die Prüfungstermine wurden verschoben, ein Zeitplan veröffentlicht. Fehlende Noten konnten nun auf unterschiedliche Weise ersetzt werden, Entscheidungen mussten getroffen werden. Über allem schwebte aber immer die Sorge vor der Erkrankung.

Problemloses Abitur trotz Corona-Schock

Dennoch liefen die Abiturprüfungen problemlos und störungsfrei, auch wenn uns die Nachricht von dem vermeintlichen Coronafall am Gymnasium Olching kurzzeitig schockiert hat. Doch die Sorgen lösten sich schnell auf. Hierfür sind wir rückblickend sehr dankbar.

So können wir Ihnen die Abiturzeugnisse am 17. Juli in sechs feierlichen Veranstaltungen überreichen. Darauf freue ich mich! Im März war ich mir – offen gesagt – nicht sicher, ob uns dies gelingen wird. Heute tragen viele von Ihnen Masken mit dem Logo GG für Gymnasium Gröbenzell und dem Ausruf „Corona-Abitur“!

Daraus klingt kein ,lediglich ein Corona-Abitur’, da tönt ein stolzes und freudiges Trotzdem – ein „despite the times“. Auch im Song „These days“ folgt die Wende: „All of a sudden, these days, happy throngs, take this joy, wherever, wherever you go.“ Lediglich die „throngs“ (Gedränge, Pulk) zeigten sich – meistens jedenfalls – eher als ideelle Verbundenheit des Jahrgangs, der Schicksalsgemeinschaft „Coronaabitur“.

Ich weiß, dass Sie dies sehr bedauern, liebe Abiturientinnen und Abiturienten. Sie hätten gerne im großen Pulk gefeiert. Bei allen Belastungen der letzten Monate war das Gymnasium Gröbenzell für die allermeisten auch ein Hort der Geborgenheit für acht Jahre. Dieses selbstverständliche und alltägliche Zusammentreffen mit vielen Freundinnen und Freunden, die bereichernde Auseinandersetzung mit einer großen Themenvielfalt im Unterricht oder die Mitgestaltung der Schule zum Beispiel in der Schülermitverantwortung, der Technikgruppe oder dem Schulsanitätsdienst werden viele von Ihnen vermissen.

Boris Hackl: „Nie mehr werden Sie bei Entscheidungen über Ihr Leben so frei sein“

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, die Welt liegt heute offen vor Ihnen und ich versichere Ihnen, es gibt viele schöne und interessante Plätze. Entdecken Sie sie! Nie mehr werden Sie bei Entscheidungen über Ihr Leben so frei sein. Jede Entscheidung, die Sie nun treffen, schränkt Sie bei nachfolgenden Entscheidungen etwas ein.

Nutzen Sie die Chance, die sich Ihnen bietet! Treten Sie neugierig und mutig in diese Welt hinein und gestalten Sie diese verantwortlich mit. Dafür wünsche ich Ihnen im Namen der ganzen Schulgemeinschaft eine glückliche Hand.

Mein Dank gilt aber auch all denen, die Sie in den vergangenen Monaten unterstützt und begleitet haben: allen Kolleginnen und Kollegen, die Sie in der Q11 und Q12 unterrichtet und zum Abitur geführt haben, besonders unseren Oberstufenkoordinatorinnen Frau Nadler-Arnold und Frau Schäfer, die fast immer für Sie da waren und Ihnen gerade in den letzten schwierigen Monaten mit Rat und Tat zur Seite standen, und natürlich Ihnen, liebe Eltern. Sie haben in den letzten Wochen mitgefiebert und die eine oder (Freuden-)Träne getrocknet. Wir alle gratulieren Ihnen, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, und wünschen Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute! Nehmen Sie Ihre Freude mit – ein Leben lang: „Take this joy, wherever, wherever you go.“

Er will jetzt in die Schweiz ziehen

Adrian Heckenberger war Schülersprecher

Adrian Heckenberger will jetzt in die Schweiz ziehen. Nach seinem Abitur mit Notenschnitt 1,2 hat der 18-Jährige den Aufnahmetest an der Universität St. Gallen bestanden, wo er jetzt ab dem Winter Wirtschaftswissenschaften studieren möchte. Für ihn bedeutet das: Er wird nun einen Umzug planen müssen. Die Erholung soll allerdings auch nicht zu kurz kommen. Eigentlich war ein letzter großer Urlaub mit den Eltern angedacht – daraus wird jetzt aber wegen Corona nichts. Alternativ will die Familie nun einige schöne gemeinsame Tage irgendwo in Deutschland verbringen. An der Schule hat er sich als Schülersprecher besonders dafür engagiert, die jüngeren Schüler mehr in die Schülermitverwaltung einzubinden. In seiner Freizeit trainiert der Abiturient und Bayern-Fan seit zwei Jahren die U-13 Fussball-Mannschaft des SV Lochhausen. Er selbst spielt inzwischen gerne Basketball und Tennis. Von seinem Vater hat er die Liebe für ältere Rockmusik von Queen oder Guns & Roses übernommen. Und wenn noch etwas Zeit übrig bleibt, dann liest er ein spannendes Buch aus der Reihe Skulduggery Pleasant oder etwas Gruseliges von Stephen King.

Er arbeitet schon als Softwareentwickler

Nils Cremer arbeitet schon seit einiger Zeit als Softwareentwickler für ein Ingenieurbüro für Thermoakustik, nachdem er dort in der 10. Klasse ein Praktikum gemacht hat. Nach seinem Abi (1,4) möchte er sich – statt in den Urlaub zu fahren – lieber mit einem Projekt für den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz beschäftigen. Erfahrung hat Cremer bereits: Mit seinem selbst gebauten 8-Bit-Computer ist er Regionalsieger bei Jugend forscht und Sieger des Hans-Riegel-Fachpreis für Informatik geworden. Der 18-Jährige will an der TU München Informatik studieren. Auch in seiner Freizeit sitzt Cremer gerne am PC und entspannt mit Videospielen. Cremer ist aber auch sportlich aktiv: Er spielt Volleyball bei der Spielvereinigung aus SV Esting und TSG Maisach. Mit dieser Mannschaft ist er gerade von der Bayernliga in die Regionalliga aufgestiegen.

Nils Cremer sitz eigentlich am liebsten vor dem Computer.

Sie will sich zunächst für Flüchtlinge engagieren

Michelle Grambs will sich zunächst für Flüchtlinge engagieren.

Nach ihrem Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,1 möchte Michelle Grambs Medizin studieren. Ihr persönlicher Favorit ist die Technischen Universität (TU) in München. Falls das wegen der strengen Zulassungsbedingungen nicht klappen sollte, will die 17-Jährige Biologie oder Gesundheitswesen wählen. Vorher möchte sich die Abiturientin, die eine Verfechterin der Klima-Aktion „Fridays for Future“ ist, im Sommer ehrenamtlich im Münchner Wohn- und Kulturzentrum „Bellevue di Monaco“ für Flüchtlinge engagieren. Eine kurze Reise mit dem Vater nach Budapest oder mit Freunden nach Berlin plant sie ebenso. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Turnen, fertigt Bleistiftzeichnungen an oder spielt Klavier. Vor Corona war sie zusätzlich im Jugendchor vom bayrischen Sängerbund aktiv. Die 17-Jährige liest gerne, besonders Romane wie „Corpus Delicti“ von Juli Zeh oder die bekannte Buchreihe „Tribute von Panem“ haben es ihr angetan.

Sven Behrens

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