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„Wählt Demokraten, keine Populisten“: Die Initiative um Detlef Arzt (Mitte mit Mikro) hat die Demo auf dem Rathausplatz organisiert.

AfD-Spitzenkandidat im Bürgerhaus

Stiller Protest gegen AfD und Alexander Gauland

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Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD, ist in Gröbenzell aufgetreten. Zeitgleich fand am Rathausplatz eine Demo statt.

Gröbenzell – Mitten in Gröbenzell wittern einige eine Verschwörung. Rund 120 Menschen sind am Freitagabend ins Bürgerhaus zur Wahlkampfveranstaltung der AfD gekommen – ungefähr genauso viele Menschen demonstrieren auf dem Rathausplatz für ein buntes Gröbenzell. Gerade haben der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland und der Direktkandidat für den Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldbruck Florian Jäger gesprochen. Nun kann man im Saal Fragen stellen. Ein älterer Herr erhebt sich. Er sagt, Claudia Roth von den Grünen wolle ja nach der Bundestagswahl die deutsche Staatsbürgerschaft abschaffen. Was man dagegen tun könne? Der nächste am Mikrofon schlägt vor, man solle am Wahltag die Wahllokale noch vor deren Öffnung kontrollieren. Er befürchtet, dass die Urnen schon voll sind.

Das sind freilich wilde Gerüchte, fernab der Realität. Doch so mancher der Anwesenden meint es damit wirklich ernst. Viele haben das Gefühl, dass das Volk in diesem Land schon lange nichts mehr zu sagen hat. „Bürger an die Macht“, lautet der Titel der Wahlkampfveranstaltung.

Draußen vorm Saal erfährt man, wo man für ein Bürgerbegehren zur Abschaffung des Rundfunkbeitrags unterschreiben kann. Drinnen hängt ein Banner an einer Leinwand. „Unser Land, unsere Heimat. Du, mein Deutschland.“ Als Gauland seine Rede beendet und ruft: „Wir holen uns dieses Land zurück“, stehen alle auf und applaudieren minutenlang. Gäste in der hinteren Reihe und auf der Empore schwenken Deutschland-Fahnen.

Zu selben Zeit wehen auf dem Rathausplatz Europa- und Peace-Flaggen. Etwa hundert Menschen demonstrieren hier – wie schon zuletzt – anlässlich der AfD-Veranstaltung. Sie halten eine Buchstabenreihe hoch: „Gröbenzell und FFB sind bunt“. Auch Bruno Klostermann (52) aus Gröbenzell ist da. Warum er hier ist, will man wissen. Er zitiert Max Mannheimer: „Wir sind nicht verantwortlich für das, was war. Aber dafür, dass es nie wieder passiert.“

Es ist ein friedlicher und leiser Protest. Die Polizei ist zwar stark vertreten, aber muss zu keiner Zeit einschreiten. Gegen kurz nach 18 Uhr ruft Detlef Arzt von der überparteilichen Initiative „Wählt Demokraten, keine Populisten“ über einen Lautsprecher dazu auf, sich mit den Inhalten der AfD auseinanderzusetzen. Markus Reiner sagt, würde eine Partie wie die AfD regieren, würde sie „alles zerstören, was wir in Deutschland und Europa haben“.

Den Demonstranten geht es darum, Präsenz zu zeigen, so wie Jamie Schmidhammer (21) und Fabian Pasewaldt. Demos wie diese seien wichtig in der heutigen Zeit, sagt Schmidhammer. Das, was im Wahlprogramm der AfD stehe, betreffe schließlich alle.

Alexander Gauland und Florian Jäger sitzen derweil unweit entfernt zum Pressegespräch im Gasthaus Zur Alten Schule. In drei Landesverbänden haben sich jüngst Parteigruppierungen gegründet, die für einen bürgerlich moderaten Kurs stehen. Doch von einer Spaltung der AfD in einen realpolitischen und völkisch-nationalistischen Flügel wollen sie nichts hören. „Ich sehe keine Grabenkämpfe“, sagt Jäger. Er spricht von einem „enormen Demokratiedefizit im Land“ und der „fehlenden Bereitschaft zur Diskussion“. Später unterhält er sich kurz draußen mit einer Demonstrantin. Sie reden über Rundfunkgebühren. Nach ein paar Minuten verschwindet er wieder. Kaum jemand hat ihn erkannt.

Um kurz nach sieben schreitet Gauland unter Applaus in den Saal des Bürgerhauses. Am Rednerpult spricht er von einer „illegalen Masseneinwanderung“, er wendet sich gegen die Rundfunkgebühren, doppelte Staatsbürgerschaft („Man kann nicht zugleich Deutscher und Türke sein“) und den Islam. Er spricht sich für mehr Nationalismus aus („Deutschland zuerst ist völlig richtig“) und gegen die EU.

Als er sagt, in der Bundesrepublik brauche man Volksabstimmungen wie in der Schweiz, löst sich das AfD-Banner hinter ihm teilweise von der Leinwand. Ein Gast geht auf die Bühne und reißt es ganz herunter. Nun liegt es auf dem Boden. Man sollte diese Szene freilich nicht allzu symbolisch sehen. Aber Florian Jäger ist um ein sauberes Bühnenbild bemüht. Er springt schnell aufs Podest und räumt das Banner weg. Er trägt es aus dem Saal. Er sagt: „Wie sieht das denn aus!“ 

rat

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