Doppelt so viel Platz wie vorher: die Gröbenzellerin Concetta Tatti auf ihrer erweiterten Terrasse.
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Doppelt so viel Platz wie vorher: die Gröbenzellerin Concetta Tatti auf ihrer erweiterten Terrasse.

Rechtsstreit brodelt seit Jahren

Nach jahrelangem Streit: Rollstuhlfahrerin darf Terrasse behalten

Jahrelang stritten die Gemeinde Gröbenzell und eine Bürgerin um eine erweiterte Terrasse. Zuletzt wurde ein Vergleich erarbeitet. Nun ist der Streit beendet.

  • Eine Rollstuhlfahrerin hat in Gröbenzell eigenmächtig die Terrasse ihrer Mietswohnung vergrößert.
  • Der Besitzer, die Gemeinde, forderte den Rückbau.
  • Jetzt hat das Gericht entschieden: Die Gemeinde ist im recht.

Update vom 04. März 2021: Nach jahrelangem Streit – zuletzt vor Gericht – haben sich die Gröbenzellerin Concetta Tatti und ihr Rechtsanwalt Johann Böhmer mit dem Rathaus geeinigt. Die Rollstuhlfahrerin darf ihre auf eigene Kosten erweiterte Terrasse behalten. Um zu vermeiden, dass sich an der Hauswand Wasser aufstaut, muss Tatti lediglich den Spalt zur Wand auf drei Zentimeter vergrößern, heißt es in einer Pressemitteilung Böhmers. Zudem erhöhe sich die Miete und ihre Kaution.

Sollte Tatti aus der Wohnung ausziehen, muss sie die Holzbohlen wieder entfernen. Böhmer und der Rechtsanwalt der Gemeinde, Theo Krieglsteiner, hatten den Vergleich erarbeitet und mit der über das Ende des Streits erleichterten Tatti und der Gemeindeverwaltung abgestimmt. Ein Vergleich, den der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung einhellig genehmigt hatte. Zwei noch anhängige Rechtsstreite werden von den Anwälten für erledigt erklärt. (sus)

Gericht hat entschieden: Gröbenzeller Rollstuhlfahrerin muss Terrasse zurückbauen

Erstmeldung vom 25, September 2020: Gröbenzell – Seit Jahren brodelt ein Rechtsstreit zwischen der Gemeinde Gröbenzell und einer Rollstuhlfahrerin. Die Frau hatte ihre Terrasse eigenmächtig umgebaut – damit sie sie überhaupt nutzen konnte, wie sie sagt. Nun steht das Urteil fest: Die Terrasse darf so nicht bleiben.

Die Gröbenzellerin Concetta Tatti ist von dem Urteil des Brucker Amtsgerichts sichtlich enttäuscht. Tatti leidet an einer Autoimmunerkrankung und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Sie wohnt in einer Wohnung der Gemeinde und hatte die Terrasse auf eigene Faust erweitert. Nun muss sie zum großen Teil wieder zurückbauen. Tatti betont: „Fakt ist, hätte ich mich um den Bodenbelag meiner Terrasse nicht selbst gekümmert, hätte ich diese nicht nutzen könnten.“ Sie werde für ihre Rechte als behinderte Frau weiterkämpfen, das kündigte sie bereits an.

Auch für ihre Rechtsanwältin Nicole Brabant ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Möglicherweise werden sie Berufung einlegen. „Die buchstabengetreue Umsetzung des Urteils würde dazu führen, dass die Terrassennutzung wieder zu einer erheblichen Gefährdung meiner Mandantin führen würde.“

Die Ursprungsterrasse war zu klein für die Rollstuhlfahrerin

Das Problem: Die Ursprungsterrasse hatte sich für die Rollstuhlfahrerin als zu klein erwiesen. Denn angrenzend an den gepflasterten Bereich befand sich direkt eine Kiesfläche. Und diese wurde zweimal zur bösen Falle, wie Tatti berichtet. Sie geriet mit dem 130 Kilogramm schweren Elektrorollstuhl in den Kies und schaffte es ohne Hilfe nicht wieder hinaus. So kam sie auf die Idee, die Terrasse ohne Genehmigung mit Holzdielen zu vergrößern – und zwar um mehr als das Doppelte von 4,5 auf zehn Quadratmeter. Das blieb jedoch nicht ohne Folgen.

Ihr Vermieter – die Gemeinde Gröbenzell – forderte zunächst den vollständigen Rückbau. Das wurde auch begründet. Die Kiesfläche stehe als Gemeinschaftsfläche alllen Mietern zur Verfügung und diene der Versickerung des Regenwassers. Im Rahmen der Gerichtsverhandlung bot die Gemeinde an, die Erweiterung der Terrasse auf eigene Kosten zu entfernen und die Ursprungsterrasse um 50 Zentimeter zu vergrößern.

Gutachter stellt fest: Die Terrasse ist groß genug

Eine vom Gericht bestellte Sachverständige stellte in einem Gutachten fest, dass der ursprüngliche Terrassenbereich mit 2,55 Meter Länge und 1,80 Meter Breite ausreichend groß sei. Die Mindestfläche, um sich mit einem Elektrorollstuhl bewegen zu können, betrage sogar nur 1,50 auf 1,50 Meter. Jedoch fehle eine Abgrenzung zur Kiesfläche und der gepflasterte Bereich ende direkt neben der Terrassentür. Sie riet dazu, die ursprüngliche Fläche zumindest um einen Meter zu erweitern. Das Gericht folgte diesem Vorschlag.

Weitere Nachrichten aus der Gemeinde Gröbenzell finden Sie hier.

Susanne Schwind

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