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Der Bücherflohmarkt lockte schon am Samstag zahlreiche Besucher zum Stöbern in die Wildmooshalle.

Gröbenzell

Tausende Besucher beim Bücherflohmarkt

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Stöbern, schmökern, Schnäppchen machen: Tausende Besucher nutzten am Wochenende die Chance, beim Bücherflohmarkt in der Wildmooshalle ihre Lesebestände aufzustocken.

Gröbenzell– Dafür, dass man sich unter den 80 000 Büchern nicht heillos verzettelte, sorgte eine aufwendige Sortierung. Für Raritäten – und davon gab es diesmal eine ganze Menge – war sogar ein eigener Raum reserviert. Hier empfing Helferin Silvia Maier die Besucher mit einem heißen Tipp gegen Fieber: Man möge dem Kranken zusammengerollte Wegerichblätter auf den Bauchnabel legen, dazu einen Zettel mit einem handgeschriebenen Zauberspruch. „In Zeiten des Corona-Virus ist das doch eine gute Anregung“, so Maier augenzwinkernd. Der Tipp stammte aus einem der kostbarsten Exemplare, die der Flohmarkt dieses Mal zu bieten hatte – einem seltenen Pow-Wow-Büchlein voller religiös geprägter Zaubersprüche.

Freizügige Rarität

Die rund 120 Helfer, die jedes Jahr ab Anfang Januar die gespendeten Bücher durchsehen und sortieren, wissen vorher nie, auf welche Schätze sie stoßen werden. Oft haben sie es mit bunten Sammelsurien zu tun, zum Beispiel den kompletten Beständen aus Nachlässen oder Wohnungsauflösungen. Alles, was irgendwie nach Rarität aussieht, landet bei Silvia Maier. Sie hat im Laufe der Jahre einen Blick dafür entwickelt, „was sich zu recherchieren lohnt und was nicht“.

Recherchieren heißt in diesem Fall, den Titel im Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher suchen und herausfinden, in welcher Preisspanne er auf dem Markt angeboten wird. Auf dem Bücherflohmarkt sind auch die Kostbarkeiten deutlich günstiger. „Wir nehmen vom mittleren Preissegment ungefähr 40 Prozent“, erklärt Maier. So konnte man das Pow-Wow-Büchlein für weniger als 100 Euro erwerben statt für mehr als doppelt so viel.

Für die seltensten Stücke musste man schnell sein. Eine Cicero-Übersetzung aus dem Jahr 1742 hatte bereits kurz nach der Öffnung am Samstagvormittag den Besitzer gewechselt, ebenso ein antiquierter Atlas von 1826. Das Außergewöhnliche an ihm: Es handelte sich um eine Übersetzung aus dem Französischen. „Für einen Atlas ist das eher ungewöhnlich“, berichtete Helfer Ludwig Schülein.

Ebenfalls eine Besonderheit: ein Kunstbuch von 1923, das die Anfänge der Designschule Bauhaus dokumentiert. Doch nicht alles im Raritäten-Raum war hohe Kultur. Für Schmunzeln bei den Besuchern sorgte ein Erotikbuch aus den 1950er-Jahren – „The Big Book of Breasts“, ein umfangreicher Bildband voller freizügiger Fotos.

Das normale Flohmarktangebot verteilte sich in der Dreifachturnhalle auf lange Reihen an Biertischen und noch mehr durchnummerierte Kisten. Die Einteilung in Kategorien – von A wie Afrika bis Z wie zweisprachige Texte – erleichterte die Orientierung. „Die gute Sortierung ist das, was die Kunden bei uns schätzen“, berichteten Renate Müller und Ulrike Michel, die beiden Vorsitzenden des Vereins „Gröbenzell hilft“, die den Bücherflohmarkt federführend organisieren.

Gefragte Kochbücher

Neben Krimis und Romanen standen Gesundheits- und Esoterikbücher hoch im Kurs – und Kochbücher, selbst in Zeiten von chefkoch.de. Auch Cartoons und Comics ziehen jedes Mal viele Abnehmer an. Deshalb hatte man sich in diesem Jahr erstmals dazu entschlossen, wertvollere Sammler-Comics nicht einfach zu verkaufen, sondern zu versteigern. Und selbst ohne große Ankündigung fanden sich am Samstag um 11 Uhr jede Menge Interessenten vor der Bühne der Mehrzweckhalle ein und ersteigerten einzelne Hefte für zweistellige Preise.

„Es ist gut gelaufen“, freute sich Renate Müller anschließend. Mit dem Erlös werden traditionell regionale Vereine und internationale Hilfsprojekte unterstützt – gerne solche zur Förderung von Mädchen, Frauen und Bildung. „Am liebsten sind uns kleine Vereine und Projekte, denen sonst nicht so viel Beachtung geschenkt wird“, so Müller.

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