Am Münchner Stadtrand

Gröbenzell und Lochhausen im Dialog

Gröbenzell setzt auf interkommunale Zusammenarbeit: Erstmals haben der Gemeinderat und der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied gemeinsam getagt. Denn die beiden verbinden einige Probleme – etwa der viele Verkehr.

Gröbenzell – Bis zu 28 000 Fahrzeuge fahren täglich auf der Lochhausener Straße zwischen Gröbenzell und dem Münchner Stadtteil Lochhausen. Darauf wies Jürgen Umseher (CSU), Mitglied des Bezirksausschusses, in der gemeinsamen Sitzung hin. Das sei eine Menge Verkehr – und das auf einer Straße, die Grundschüler queren. Umseher forderte daher eine Unterführung für die Kinder. Zudem plädierte er dafür, dass entlang der Straße beidseitig sowohl ein Gehweg als auch „ein leistungsfähiger Radweg“ gebaut wird. Diese sollen jedoch nicht miteinander verbunden sein, fügte Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) hinzu. Er bezeichnete die Situation auf der Lochhausener Straße als totales Verkehrschaos. Und klagte: „Alle sehen es, aber es wird trotzdem nichts gemacht.“

Drei neue Baugebiete und mehr Bürger

Eine Entspannung ist nicht zu erwarten, eher das Gegenteil. Denn Lochhausen wird enorm wachsen, wie Christian Kriesel, Vorsitzender des Bezirksausschusses, sagte. Drei Neubaugebiete sind geplant: im Bereich der Henschel-, der Pirol- und der Osterangerstraße. Die Einwohnerzahl wird sich von derzeit 5000 auf etwa 8500 erhöhen.

Martin Schäfer: „Auf der Lochhausener Straße herrscht ein totales Verkehrschaos.“

Hinzu kommt, wie Kriesel weiter berichtete: Statt mit 20 000 Einwohnern im neuen Stadtteil Freiham, rechnet Münchens Oberbürgermeister nun mit etwa 25 000. Laut dem Ausschussvorsitzenden habe Reiter außerdem angedeutet, dass da sogar noch ein bisschen mehr gehe. „Die Auswirkungen werden wir spüren“, sagte Bürgermeister Schäfer.

Die Verkehrsinfrastruktur müsse daher dringend verbessert werden, so Kriesel. Ein Ausbau der Lochhausener Straße steht zwar bereits fest. Doch Kriesel bezweifelte, ob dieser reicht. Zusätzlich müsse man die Fahrradinfrastruktur ausbauen. Auch Carsharing-Angebote könnten zur Entspannung beitragen. Eine Ampel, die eventuell bei der Einmündung in das neue Baugebiet an der Ostangerstraße installiert wird, befürwortet Kriesel nicht. Er geht davon aus, dass sie den Verkehr auf der Lochhausener Straße behindern wird.

In Lochhausen fehlen Schulen und Läden

Ein weiteres Problem: die fehlende Infrastruktur Lochhausens. Brigitte Böttger (CSU) beklagte, dass aber trotzdem viele Wohnungen in dem Münchner Stadtteil gebaut würden. „Und zwar auf Teufel komm raus. Wir werden der Verantwortung für die Bürger nicht gerecht“, sagte sie. In Lochhausen gebe es keine weiterführenden Schulen und fast keine Einkaufsmöglichkeiten. Die Folge: Die Lochhauser fahren nach Gröbenzell zum Einkaufen, und so mancher Schüler besucht das dortige Gymnasium.

Zur Entlastung der Straßen schlug Böttger vor, eine Buslinie einzurichten, die von Lochhausen nach Gröbenzell zu den Geschäften fährt. Kriesel warf ein, dass es solche Linien zu den großen Märkten bereits gebe. Dass Busse auch kleinere Läden anfahren, kann er sich nicht vorstellen. Jedoch berichtete der Vorsitzende des Bezirkssausschusses von einem geplanten rund 800 Quadratmeter großen Supermarkt in Lochhausen. Er soll nahe des künftigen Baugebiets an der Henschelstraße entstehen.

Gröbenzeller Pendler fahren ab Lochhausen

Anlass zur Kritik bot auch das Tarifsystem der S-Bahn. „Angesichts des schwierigen Systems ist eine Reform dringend notwendig“, sagte Kriesel. Zumal der Tarifsprung in Lochhausen nicht nur den Geldbeutel der Gröbenzeller, sondern auch die Lochhausener Straße und die Parkplatzsituation rund um den S-Bahnhof Lochhausen belaste. Denn um Geld zu sparen, fahren manche Gröbenzeller mit dem Auto nach Lochhausen. Während von München nach Gröbenzell vier Streifen gestempelt werden müssen, sind es nach Lochhausen nur zwei. Peter Falk (SPD) sagte dazu, dass, wenn viele Leute durch ein günstigeres System auf den MVV umsteigen würden, dieser zusammenbrechen würde.

Ausbau des Böhmer Weihers

Bezüglich des Ausbaus des Böhmer Weihers zum Badesee wusste Kriesel nichts Neues zu berichten. Johann Böhmer (FWG) beklagte, dass nichts vorangehe. Rathauschef Schäfer entgegnete ihm, dass die Pläne dem Gemeinderat im Herbst oder Spätherbst diesen Jahres vorgelegt werden sollen.

Von Susanne Schwind

Rubriklistenbild: © dpa

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