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„Wir können nicht nur Liebeslieder“: Das sagen die Musiker der Gruppe Schandmaul (v.l.) Thomas Lindner, Matthias Richter, Martin Duckstein, Stefan Brunner, Anna Kränzlein und Birgit Muggenthaler – und beschäftigen sich auf ihrem neuem Album mit einem regionalen Volkshelden. 

Inspiriert von Räuber Kneißl

Die Gröbenzeller Band "Schandmaul" mit neuem Album 

Gröbenzell – Fast zwei Jahre hat die Mittelalter-Rockband Schandmaul aus Gröbenzell an ihrem neuen Album „Leuchtfeuer“ gearbeitet. Sänger Thomas Lindner wühlte sich dafür sogar durchs Archiv des Augsburger Amtsgerichts. Und schuld daran ist ein hiesiger Volksheld.

„Schachermüller-Hiasl“ heißt der fünfte Song auf der neuen CD. Er handelt von keinem Geringeren als Mathias Kneißl, der als Wilderer, Räuber und Mörder im Dachauer Hinterland zu tragischem Ruhm gelangte. Dass sich die Gröbenzeller mit dem Volkshelden beschäftigen, liegt nicht nur wegen der regionalen Nähe auf der Hand. „Wir können nicht nur Liebeslieder“, sagt Thomas Lindner. „Songs über Persönlichkeiten der Historie machen uns einfach Spaß.“

Den Räuber Kneißl hatte der Schandmaul-Sänger zunächst aber nicht auf dem Radar. Die Anregung kam vielmehr vom aus Gernlinden stammenden Schlagzeuger Stefan Brunner. Und Lindner war zunächst gar nicht so begeistert. Nach erster Recherche in Büchern und im Internet stellte sich der Sänger erst einmal die Frage: „Was soll ich da schreiben, das ist ein Mörder.“

Dann habe er sich aber doch weiter mit der Figur beschäftigt. „Ich habe mir Filme angesehen und sogar die Fall-Akten im Amtsgericht Augsburg eingesehen.“ Dabei habe er dann die Tragik in der Figur erkannt. „Sein Mord geschah durch eine abgelenkte Kugel.“ Eigentlich habe er nichts anderes wollen, als einfach nur das Land zu verlassen. „Der Räuber Kneißl war kein Arschloch, sondern einfach nur ein Pechvogel.“ Die Tragödie hinter dieser Geschichte verarbeitete Lindner schließlich in seinem Text.

Musikalisch knüpfen die Mittelalter-Rocker mit ihrem neuen Album an den gold-prämierten Vorgänger „Unendlich“ an. Das Herangehen ans Komponieren lief wie gewohnt: „Wir haben uns auf unsere Kernkompetenz beschränkt und Geschichten geschrieben“, sagt Lindner. Die hat das Sextett dann in den Proberaum getragen und gemeinsam die Lieder dazu komponiert – ohne sich jedoch dabei zu kopieren.

Für Neuerungen sorgt alleine schon die Instrumentierung. Geigerin Anna Kränzlein konnte bis vor zwei Jahren noch nicht Cello spielen. „Ich habe es extra gelernt“, sagt die Tochter des ehemaligen Puchheimer Bürgermeisters Herbert Kränzlein. Nun ist sie mit dem Instrument auf „Leuchtfeuer“ zu hören. Aber auch die anderen Bandmitglieder schafften sich jede Menge neuer, vor allem mittelalterlicher Instrumente an. „Wir haben viel Neues ausprobiert, das hat jede Menge Spaß gemacht“, erzählt Lindner.

Mit dem neuen Material gehen die Schandmäuler auch wieder auf Tournee. Start ist am 14. Oktober in der Schweiz. Hiesige Fans können die neuen Songs am 17. Dezember im Zenith in München live auf Herz und Nieren prüfen. Und dann wirft auch schon das 20-jährige Bandjubiläum seine Schatten voraus – und das fällt eine saftige Nummer größer aus, als das Premieren-Konzert in der Gröbenzeller Hexe vor zwei Jahrzehnten: Gefeiert wird mit einem Konzert in der Lanxess-Arena in Köln, bei der auch eine Live-DVD aufgenommen wird.

Von Andreas Daschner

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