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Gröbenzeller macht Rollstühle sicherer

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Georg Becker
Georg Becker © Weber

Barrieren gibt es für Rollstuhlfahrer einige. Manches Problem kann aber einfach gelöst werden: Davon ist der Gröbenzeller Georg Becker überzeugt.

Gröbenzell – Er hat bereits vor längerem eine patentierte Technik entwickelt, die das Kippen von Rollstühlen verhindern soll. Sein Erfindergeist wurde belohnt. Den Menschen, die auf die Hilfe angewiesen sind, kommt das aber noch nicht zugute.

Auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, bedeutet für Menschen, von dessen Sicherheit abhängig zu sein. Doch Hindernisse zu überwinden, kann Gefahren bergen. Die kleinen Vorderräder können blockieren, der Stuhl kippt nach vorne und der Rollstuhlfahrer ebenfalls. Wenn er hinausfällt, kann er sich schwer verletzen. Dieses Problem erkannte der Gröbenzeller Georg Becker und hat es gelöst: Er hat einen kippsicheren Rollstuhl geschaffen. Und dies durch lediglich kleine Veränderungen.

Doppelräder

Der Rentner hat an einem Rollstuhl die beiden kleinen vorderen Räder zu Doppelrädern gemacht, zudem hat er den Abstand zwischen Vorder- und Hinterrädern vergrößert, um 30 Zentimeter. Denn „werden die beiden kleineren Vorderräder zu Doppelrädern, blockieren die vorderen Räder nicht, wenn der Rollstuhl auf eine Kante trifft und stellen sich nicht quer, wie die beiden einzelnen Räder“, erläutert Becker. Die Verlängerung zwischen Vorder- und Hinterrädern hat eine andere Gewichtsverteilung, eine Schwerpunktverlagerung, zur Folge, sodass dieser Rollstuhl nicht nur leichter zu schieben sei, sondern auch kippsicher wurde, sagt Becker. Die Verlängerung ist außerdem so konstruiert, dass diese auch eingefahren werden kann.

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Seine Idee hat Becker sich bereits vor Jahren patentieren lassen. Zwei Mal hat er sie zudem auf der Fachmesse für Rehabilitation, Inklusion und Hilfsmittel, der Reha-Care in Düsseldorf, präsentiert und hat dort auch eine Firma gefunden, die ihm einen Rollstuhl zum Umbau zur Verfügung gestellt hat. Der Prototyp wurde in einer Schlosserei konstruiert. Auf der Erfindermesse in Nürnberg, der iENA, erhielt er für seine Idee die Silbermedaille. Er hat sie in der Unfallklinik Murnau vorgeführt und ist dabei auf Begeisterung gestoßen, wie er sagt, ebenso bei zahlreichen Rollstuhlherstellern. Doch trotzdem hat keine Firma ihn in ihr Programm aufgenommen, bedauert Becker.

Und die Krähen?

Noch hat er die Hoffnung aber nicht aufgegeben. „Der Rollstuhl ist für mich Herzenssache,“ schwärmt Becker. Verbesserungen und Erleichterungen im Alltag sind das große Anliegen des 78-Jährigen (neben seinem derzeitigen Engagement in Sachen Saatkrähen, die seinen Alltag gerade ebenfalls belasten, wie berichtet). So hat er bereits unter anderem einen im Boden versenkbaren Sonnenschirmanschluss konstruiert. Derzeit ist er damit beschäftigt einen ausfahrbaren Sonnenschutz für Autofahrer zu kreieren.

Beruflich war Becker allerdings in einer ganz anderen Sparte tätig. Das Gymnasium hatte der nahe Nürnberg aufgewachsene 78-Jährige nach der Mittleren Reife verlassen und anschließend den Beruf des Maschinenschlossers erlernt. Was es ihm ermöglichte, später ein Ingenieurstudium zu absolvieren. „Ursprünglich war es mein großer Traum zur See zu fahren“, berichtet Becker. Doch auf einer Fahrt nach Amerika mit der norddeutschen Lloyd, die später mit der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft zur Hapag-Lloyd fusionierte, erkannte er: Dies kann nicht seine berufliche Zukunft sein. Wieder festen Boden unter den Füßen, bewarb er sich erfolgreich bei der Lufthansa. Hier hat er dann verschiedenste Bereiche durchlaufen und war letztlich ab dem Jahr 1996 bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter als Pressesprecher tätig. (sus)

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