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Ein eingespieltes Team: Marlene Gaab (10) und Peter Burkhart (24). Burschen in Marlenes Alter sind bei den Trachtlern Mangelware.

Im Schuhplatteln sind sie Weltklasse

Der rote Rock des Dirndls fliegt so hoch, dass er fast waagrecht in der Luft steht. Die schwarzen Trachtenschuhe klappern laut auf dem Boden. Peter Burkhart (24) und Marlene Gaab (10) tanzen einen Schuhplattler. Und die beiden sind richtig gut darin. So gut, dass sie bei der Weltmeisterschaft dabei waren.

Gröbenzell– Ausgetragen wurde der Bayerische Löwe, der als Weltmeisterschaft im Schuhplatteln und Deandldrahn gilt, im Münchner Löwenbräukeller.„Ich war sehr aufgeregt, obwohl ich schon zum zweiten Mal dabei war“, erzählt Marlene. Die Realschülerin (10) tanzt seit drei Jahren beim Trachtenverein Almfrieden. 2017 hat sie beim Deandldrahn in ihrer Altersklasse den 20. Platz erreicht.

Bereits bevor sie mit dem Tanzen anfing, interessierte sich Marlene für Musik. „Ich war lange im Schulchor und spiele Cajón, das ist eine Kiste, auf der man trommelt.“ Vor drei Jahren kam dann der Trachtenverein in ihre Grundschule. „Sie haben mit uns ein Schuhplattler-Training gemacht. Ich war sofort begeistert und wollte lernen, so zu tanzen“, erinnert sich Marlene. Seitdem trainiert sie regelmäßig – auch gemeinsam mit Peter Burkhart.

Der Schuhplattler ist abgeleitet vom Balztanz des Auerhahns

Während sich die Zehnjährige mit fliegendem Rock dreht, wird sie von ihm umrundet. Der 24-Jährige stampft auf den Boden und springt hoch in die Luft. Burkhart ist der Vorplattler des Vereins. Er organisiert die Proben, die alle zwei Wochen stattfinden. „Der Schuhplattler ist abgeleitet vom Balztanz des Auerhahns“, erklärt er. Der Junge umwirbt dabei das Mädchen, das sich in der Mitte dreht. Getanzt wird immer in einem Kreis von vier Metern Durchmesser.

Bereits im Alter von fünf Jahren hat Burkhart mit dem Platteln angefangen. Sein Urgroßvater war 1920 eines der Gründungsmitglieder des Vereins. Wenn der 24-Jährige nicht trainiert, dann arbeitet er als Versuchsingenieur bei einer Zulieferfirma für BMW. Für den Bayerischen Löwen hat er vier Wochen lang täglich mindestens eine Stunde lang geprobt. Und die Mühe hat sich gelohnt: Burkart erplattelte sich in seiner Altersklasse den ersten Platz. Als Preisgeld gab es eine Urkunde und einen Anstecker für den Trachtenhut.

Das Schuhplatteln und die Trachtenvereine werden immer beliebter

„Wir sind mächtig stolz auf unsere beiden Weltmeister“, sagt Ralf Hollenbach, Vorsitzender des Trachtenvereins. Seit einiger Zeit beobachtet er eine steigende Beliebtheit des Schuhplattelns und der Trachtenvereine. „Mittlerweile erhält man über Bayern hinaus Anerkennung, wenn man so etwas macht. Früher musste man sich eher schämen für eine Mitgliedschaft im Trachtenverein.“

Burkharts Faszination am Schuhplatteln hat sich über die Jahre entwickelt. „Das Schuhplatteln ist ja eigentlich nur ein kleiner Teil des Trachtlerlebens, und dazu gehören für mich Gemütlichkeit und Geselligkeit, viel Spaß und auch der Erhalt des Brauchtums“, sagt er. „Außerdem bin ich ziemlich ehrgeizig, deshalb messe ich mich gern im Wettkampf mit anderen Schuhplattlern.“

Was sein nächstes Ziel ist, weiß er noch nicht. „Es gibt nichts Höheres als den Bayerischen Löwen. Aber ob ich im nächsten Jahr wieder so gut bin, kann ich noch nicht sagen. Es gehört nicht nur Können dazu, sondern auch viel Glück und eine gute Tagesverfassung.“

von Katharina Wohlfart

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