Festnahme im Mordfall Peggy

Festnahme im Mordfall Peggy
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Max Geuter in jungen Jahren im Fechtanzug.

Nachruf

Gröbenzeller war das Gesicht des deutschen Fechtsports

Jahrzehntelang war er das Gesicht des deutschen Fechtsports. Als Aktiver und Funktionär machte sich Max Geuter verdient um den Sport, den er liebte. 

Gröbenzell– Dabei waren es nicht Wettkämpfe oder Siege, die ihn antrieben. „Vielmehr hat er es geliebt, Menschen kennenzulernen, die Welt zu sehen, zu gestalten und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen – also eigentlich das, was Sport wirklich ausmacht“, sagt der Sohn, der ebenso heißt wie sein Vater. Seine Familie war bei ihm, als er kurz vor seinem 81. Geburtstag starb.

Geboren wurde Max Geuter senior 1937 in Aachen. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in Frankfurt, wo er nach dem Gymnasium eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte. Sein Lehrbetrieb war die D. Stempel AG, eine der bedeutendsten Schriftgießereien des 20. Jahrhunderts. Spätestens in dieser Zeit entwickelte Max Geuter eine Leidenschaft für Papier und Schriften, schöne Bücher und edle Drucke. Später vertrieb er als selbstständiger Kaufmann unter anderem hochwertige Organizer und Kalender.

Seine sportliche Laufbahn führte vom Turnen über Leichtathletik und Handball zum Fechten mit allen drei Waffen: Degen, Florett und Säbel. Zu seinen größten Erfolgen zählten 1963 die Deutsche Meisterschaft mit dem Degen und 1966 der Gewinn der Amerikanischen Meisterschaft im Florett. Ein ganzes Jahr lebte Geuter in den USA, seinen Lebensunterhalt verdiente er beim Grußkarten-Hersteller Hallmark Cards.

Dreimal nahm er an Olympischen Spielen teil, fünfmal an Weltmeisterschaften und 108mal an Länderkämpfen. Dass es anscheinend nicht immer ganz fair zuging im Fechtkader, verkraftete Geuter tapfer. „Die Nichtnominierung zu Olympia 1960 und die Nichtnominierung für die Einzelwettkämpfe trotz bester Leistungen haben ihn bestimmt enttäuscht“, meint Sohn Max. „1972 in München hat er, soweit ich das zurückverfolgen kann, alle Kämpfe bei den Mannschaftskämpfen gewonnen, wurde aber wieder nicht fürs Einzel nominiert – obwohl er deutscher Vizemeister war.“ Geuter verlor nie ein Wort darüber. „Er war bescheiden, ganz Sportsmann. Selbstmitleid hat er nie gezeigt.“

Umso engagierter stürzte sich der zweifache Vater, der mit seiner Familie ab 1978 in Gröbenzell wohnte, nach seiner aktiven Zeit in ein neues Leben als Funktionär. Im Deutschen Fechter-Bund war er von 1985 bis 2008 Vizepräsident Leistungssport. In seine Ära fielen 284 Medaillen, darunter viel Olympisches Gold. Der Fechtweltverband machte ihn zum Ehrenmitglied, nachdem Geuter dort einige Jahre Vizepräsident gewesen war. Von 2005 bis 2017 engagierte er sich als Generalsekretär des Europäischen Fechtverbandes.

1979 gründete Geuter den Gröbenzeller Fecht-Club. 30 Jahre saß er im Vorstand. Selbst nach Aufgabe seiner Ämter blieb er eine der tragenden Säulen des Vereins. Wenn Vize-Vorsitzender Martin Pichlmeier sich über Geuter äußert, fallen Begriffe wie Engagement, Aufrichtigkeit und Ehrbarkeit. Geuter legte größten Wert auf Fairness – vielleicht aufgrund seiner Erfahrungen.

Daheim bei seiner Frau Anna Maria und den Kindern Cora und Max war Fechten kein großes Thema. Da war er einfach der Papa, der als Fechtfunktionär eben viel unterwegs sein musste. „Wir Kinder haben den Moment geliebt, wenn er von einer Reise nach Hause kam“, erinnert sich Max Geuter junior. „Der große, starke Papa, der dann auf der Couch mit uns gekuschelt hat, so viel wusste, viele Sprachen beherrschte und immer so gut roch.“

In den vergangenen Jahren freute sich Max Geuter an seinen beiden Enkelsöhnen, heute fünf und acht Jahre alt. Und selbst von einer schweren Krankheit ließ er sich nicht unterkriegen. Noch vom Krankenbett aus beteiligte er sich an der Organisation eines internationalen Fechtturniers und setzte sich für seiner Meinung nach unfair behandelte Schiedsrichter ein. (os)

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