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Martin Runge (Grüne) verzichtet auf erneute Kandidatur für den Landtag

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Von: Thomas Steinhardt

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Martin Runge vor dem alten Brucker Rathaus. Bei seiner OB-Kandidatur unterlag er nur knapp.
Martin Runge vor dem alten Brucker Rathaus. Bei seiner OB-Kandidatur unterlag er nur knapp. © Weber

Bei der Landtagswahl 2023 Jahr endet eine Ära: Martin Runge, langjähriger Abgeordneter der Grünen, wird nicht mehr antreten. In einem Brief an Parteifreunde spricht er offen über die Gründe.

Landkreis – Zweifellos gehört Martin Runge aus Gröbenzell zu den prägenden Gesichtern der Landes-Grünen. In der Region Fürstenfeldbruck gilt er ohnehin als bekannt wie ein bunter Hund – und vor allem als stets bis ins Details informiert, als mindestens genauso streitbar und immer kritisch was das Tun der Herrschenden anbetrifft, also vor allem der CSU. Runge – berühmt-berüchtigt sind seine ellenlangen Schreiben mit etlichen Fußnoten und Herkunftsnachweisen – war viele Jahre wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag und war zweieinhalb Jahre lang auch Chef derselben.

Privileg

Im nächsten Jahr aber soll Schluss mit seinem Engagement im Maximilianeum, wie der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Umweltökonom in seinem Schreiben an die Mitglieder des Kreisverbands kundtut. Für die kommende Landtagswahl werde er als möglicher Kandidat nicht zur Verfügung stehen, schreibt Runge. Wobei er darauf verzichtet, die Formulierung „nicht mehr“ zu verwenden. Denn: „Vielleicht juckt es mich 2033 oder 2038 ja dann doch wieder“, so Runge. Der 64-Jährige: „Ich hatte jetzt das Privileg und das Vergnügen (das Letztere war es, claro, nicht durchgehend), gute zwei Jahrzehnte Mitglied des Landtags sein zu dürfen, da ist es nun mal Zeit für einen Wechsel.“

Interessant und spannend

Die Tätigkeit als Abgeordneter sei interessant und in vielen Fällen auch spannend, schreibt Runge weiter. Allerdings formuliert er auch einen deutlichen Seitenhieb auf die aktuelle Fraktion: Eingestehen müsse er, dass ihm das Wirken im Landtag zu anderen Zeiten noch mehr Freude gemacht habe als jetzt. Das sei in jener Zeit gewesen, als die Fraktion zahlenmäßig noch nicht so groß gewesen sei und als „noch nicht so viele aus unserer Fraktion nach einer Regierungsbeteiligung, und das als Juniorpartner der CSU, getrachtet haben.“

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Die beiden Stimmkreise Fürstenfeldbruck-Ost und Fürstenfeldbruck-West/Landsberg seien für die Grünen Prima-Stimmkreise, lässt Runge weiterhin wissen. Da überdurchschnittlich einwohnerstark gebe es auch überdurchschnittlich viele Wählerstimmen zu ergattern. Die Ergebnisse in den Stimmkreisen hätten in der Regel recht deutlich über dem Durchschnitt gelegen. „Das heißt, dass unsere Kandidaten stets gute Chancen haben, das Landtagsmandat zu erlangen“, so Runge. Die Ergebnisse der Grünen im Stimmkreis seien sogar „granatenmäßig“ gewesen, ergänzte Runge gegenüber dem Tagblatt. Das sei natürlich ein Pfund für neue Bewerber.

Zwei Kandidaten

Um seine Nachfolge bemühen sich nun zwei Kandidaten: Zum einen möchte der Mitarbeiter in Runges Landtagsbüro und Kreisrat Jan Halbauer aus Fürstenfeldbruck Kandidat der Grünen im Ostkreis werden. Und zum anderen will auch der Hörbacher Kreisrat und Schreinermeister Andreas Birzele bei der internen Nominierung seinen Hut in den Ring werfen. Während unter Beobachtern Halbauers Engagement wenig überrascht, hatte man mit Birzeles Interesse eher weniger gerechnet. Die Nominierung soll laut Halbauer Ende September über die Bühne gehen.

Runge selbst übrigens dankt am Ende seines Schreibens an die Mitglieder für die Unterstützung, betont aber auch in seinem typischen Humor, wieder mit einem Anhauch der Drohung: „Aber, keine Angst, beziehungsweise keine falsche Hoffnung: Diese Danksagung soll kein Abgesang sein.“ Er werde der grünen Politik sicher erhalten bleiben.

Hartnäckiger Kampf um öffentliche Auftrags-Vergabe

Von Politikmüdigkeit an sich kann bei Martin Runge nicht die Rede sein – auch nicht, was sein Mandat im Kreistag in Fürstenfeldbruck angeht. Seit Beginn der Wahlperiode rang der Grüne in dem Gremium um ein bestimmtes Thema. Jetzt hat er hier endgültig obsiegt: Ein Teil der Auftragsvergaben im Kreistag erfolgt wieder öffentlich. Am Anfang der Legislaturperiode wurde im Kreistag festgelegt, dass alle Vergaben künftig hinter verschlossenen Türen erfolgen sollen. Man berief sich auf die bayerische Staatsregierung. Martin Runge indes betonte gleich, dass bestimmte Vergabe-Verfahren für Bauleistungen (VOB) sehr wohl öffentlich zu behandeln seien.

Es begann ein längeres Ringen um das Thema. Immer wenn eine VOB-Vergabe nichtöffentlich auf der Tagesordnung stand, beantragte Runge den Übertrag in die öffentliche Sitzung. Damit gewann er oft sogar einstimmig. Jetzt hat dieses Spiel ein Ende: Der Kreistag hat seine Geschäftsordnung dahingehend geändert, dass Vergaben automatisch in den öffentlichen Teil wandern, erfüllte also Runges Wunsch beziehungsweise folgte seiner Rechtsauffassung, nachdem das Thema auch im Innenausschuss des Landtags behandelt worden war.

Martin Runge nahm das im Kreistag durchaus genüsslich zur Kenntnis. Gut sei es, „uns mehr zu glauben als der bayerischen Staatsregierung“, sagte der langjährige Grünen-Kreisrat schmunzelnd. Im Übrigen sei er überzeugt, dass sich die Kreisräte mit einem Thema noch intensiver als sonst befassen, wenn selbiges öffentlich behandelt wird. st

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