Asyl

Hier helfen Gröbenzeller Flüchtlingskindern

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Ein restlos überfülltes Lager mit unzureichenden hygienischen Zuständen: Die Bilder aus dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sorgten schon vor der Corona-Krise für Entsetzen. Hilfe ist dringend gefragt. Für die Kinder in dem Lager setzt sich eine Organisation aus Gröbenzell ein.

Gröbenzell – Zwei Wochen lang war Valeska Gleser im August vergangenen Jahres auf Lesbos. Die frühere Gröbenzellerin, die mittlerweile in Herdecke in Nordrhein-Westfalen lebt, hat dort traumatisierte Kinder vorgefunden, die unter zum Teil unwürdigen Bedingungen hausten. „Es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten, in den Zelten liegt Matratze an Matratze“, erzählt die 36-Jährige. Im Sommer sei die Atmosphäre dabei noch vergleichsweise in Ordnung gewesen. „Aber man konnte deutlich sehen, dass die Zustände bei Regen oder Kälte schlimm werden.“

Schwer traumatisiert

Gleser war im Auftrag von „Start International“ auf Lesbos. Einige Gröbenzeller hatten 2006 noch unter dem Dach der Elisabeth-Gast-Stiftung begonnen, Kinder nach Kriegen, Naturkatastrophen oder Flucht zu unterstützen. „Wir betreuen Kinder überall dort, wo sie traumatische Erlebnisse verarbeiten müssen“, sagt Myrtha Faltin vom Start-International-Vorstand. 2008 wurde die seither rein durch Spenden finanzierte Organisation offiziell gegründet und hat seitdem weltweit von Georgien über Libyen und Haiti bis Nepal und die Philippinen rund 150 Einsätze bestritten.

Schutzräume im Lager

Im Camp Moria sind die Gröbenzeller Helfer seit Ende 2018 tätig. Im Rahmen ihres Einsatzes werden dort sogenannte Child Friendly Spaces errichtet – also Räume, in denen Kinder inmitten von Chaos Schutz und Geborgenheit sowie kindgemäße Ansprache finden können. In kleinen Teams von sechs bis sieben Leuten fördern die Helfer die psychische Widerstandsfähigkeit der traumatisierten Kinder.

Die künstlerisch-pädagogische Arbeit steht im Mittelpunkt – deshalb auch die besondere Schreibweise des Namens, wie Faltin erläutert: „Start heißt, dass wir losfahren, wenn wir gebraucht werden.“ Die Organisation schreibt ihren Namen selbst mit einem groß geschriebenem ART (englisch für Kunst) darin. Also eigentlich so: stART International.

Die Helfer gehören einem Netzwerk aus Therapeuten und Pädagogen an, die alle auch künstlerische Schwerpunkte haben. Es gibt Kunsttherapeuten, Gleser wiederum ist Musikpädagogin und spielt Harfe. Das Lager auf Lesbos ist in mehrere Bereiche unterteilt.

„Es gibt einen Bereich mit Jugendlichen, einen mit Frauen mit Kindern und einen nur für Frauen“, erzählt die frühere Gröbenzellerin. Dazu kommt eine so genannte Safe Zone, in der unbegleitete Minderjährige leben. „Dort kommt man nur in Begleitung rein.“

Spiele auf engem Raum

Bei der Arbeit haben die Helfer versucht, einen Rhythmus und eine Struktur im Leben der verängstigten Kinder zu etablieren. Vormittags konnten die Kinder außerhalb der Zeltstadt im Dschungel basteln, singen, tanzen oder Armbänder knüpfen. Nachmittags ging es dann in die zum Teil sehr beengten Bereiche des Lagers. „Aufgrund des fehlenden Platzes haben wir hier zum Beispiel Konzentrationsspiele gemacht – was der Platz eben hergab.“

Für sie war die Arbeit mit dem Engagement auf Lesbos – wie für andere Helfer auch – aber nicht beendet. Im April dieses Jahres wurden 47 unbegleitete Kinder und Jugendliche aus Afghanistan, Eritrea und Syrien aus den griechischen Lagern nach Deutschland ausgeflogen. Die Flüchtlinge im Alter von vier bis 17 Jahren kamen in Bad Essen im Osnabrücker Land drei Wochen in Quarantäne, wo sie ebenfalls von Gleser und ihren Kollegen betreut wurden. Für einige Kinder gab es dabei Wiedersehensfreude, als sie die T-Shirts der Helfer erkannten, die ihnen im Camp geholfen hatten.

Eine Begegnung blieb bei Gleser besonders hängen: Eine Mutter hat nach drei Jahren ihre vier und sechs Jahre alten Kinder wieder gesehen, nachdem diese von ihrem Vater in den Irak entführt worden waren. „Für die Mutter war das ein großes Erlebnis, selbst wenn der Kleine sie nicht mehr wiedererkannt hat.“

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