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Ein Meer von Streichholzschachteln breitet sich auf einem großen Tisch im Heimatmuseum auf. Sie stammen aus aller Welt und sind bei einer Ausstellung der Gröbenhüter nun zu sehen.

Ausstellung im Heimatmuseum

4000 Zündholzschachteln aus aller Welt

Der Gröbenzeller Albert Scheidemann sammelte über 60 Jahre lang Zündholzschachteln. 4000 Stück aus aller Welt hat er zusammengetragen. Im Heimatmuseum sind seine Schachteln und die anderer Sammler nun zu sehen.

Im Rahmen der Eröffnung ernannte Vorsitzender Rudi Ulrich (l.) Kurt Lehnstaedt, (v.l.) Helmut Bloid und Ludwig Klauser zu Ehrenmitgliedern. Albert Donhauser gratulierte.

Gröbenzell Scheidemann hat mittlerweile mit dem Sammeln aufgehört. Seine Zündholzschachteln hat er den Gröbenhütern geschenkt. Wie der Verein seine Sammlung präsentiert, davon ist der 74-Jährige begeistert. „Das ist toll“, schwärmte er. Die 4000 Schachteln werden nämlich auf einem großen Tisch ausgebreitet und in Glaszylindern präsentiert. Sie sind zum einen sortiert nach Kontinenten und danach, ob sie aus Gröbenzell und der Region stammen. Zum anderen nach ihrem Verwendungszweck, also ob sie mit Werbung für politische Organisationen, Hotels, Gaststätten, Spirituosen, Zigaretten oder Firmen bedruckt sind.

In Scheidemanns Umgebung war seine Sammelleidenschaft bekannt. Freunde und Bekannte trugen zu seiner Sammlung bei, brachten immer wieder von Reisen und Ausflügen neue Schachteln mit. Mit seiner Leidenschaft für Zündholzschachteln ist der Gröbenzeller nicht alleine. Auch Erich Wölflinger aus Puchheim sammelt, was das Zeug hält. Er hat bereits 15 000 Schachteln zusammengetragen und ist auch regelmäßig auf Tauschbörsen unterwegs. Voneinander wussten Scheidemann und Wölflinger aber nichts. Sie lernten sich erst bei der Ausstellungseröffnung kennen.

Und auch Bürgermeister Martin Schäfer ist zum Zündholzschachtel-Sammler geworden – allerdings unfreiwillig, wie er verriet. Als er noch Geschäftsmann war, orderte er zwischen 2003 und 2005 Streichholzschachteln als Werbematerial für seine Firma. Allerdings rechnete er nicht genau nach, wie viele Zündholzer er bestellte. Das dicke Ende ließ nicht lange auf sich warten: Er bekam Millionen Hölzer geliefert. Verteilt seien immer noch nicht alle, so Schäfer. Er riet allen Anwesenden, Verträge nicht nur genau zu lesen, sondern auch nachzurechnen.

Maria Magdalena Siegesmund hat dagegen wie Scheidemann freiwillig gesammelt. Ende der 1950er-Jahre hat sie damit angefangen. Auch ihre Schachteln, rund 300, sind in der Ausstellung zu sehen.

Zudem wird auf die Geschichte der Zündhölzer eingegangen. Diese werden bereits sein hunderten Jahren benutzt, um Feuer zu entfachen. Mit Schwefel getränkte Kiefernhölzchen gab es wahrscheinlich schon im 6. Jahrhundert. Diese entzündeten sich bei der kleinsten Berührung mit Feuer. Voraussetzung für die Entwicklung der Streichhölzer war die Entdeckung des weißen Phosphors 1669 durch den Hamburger Alchimisten Hennig Brand und des Kaliumchlorats 1786 durch den Franzosen Claude-Louis Berthollet.

Anfang des 19. Jahrhunderts erschienen Tunkzündhölzer auf dem Markt. Hölzer mit Kaliumchlorat und Zucker im Zündkopf, die in Schwefelsäure getaucht sich entzündeten. 1826 entdeckte der englische Apotheker John Walker, dass sich eine Mischung aus AntimonIII-sulfid, Kaliumchlorat, Gummi und Stärke durch Reibung an einer rauen Oberfläche entzündet, und 1831 der Franzose Charles Sauria, dass durch Zusatz von Phosphor das unregelmäßige Brennen behoben werden kann. Der anfängliche weiße Phosphor wurde dann später durch roten Phosphor ersetzt, und dieser später aus dem Zündkopf auf die Reibfläche verlagert. 1906 wurde weißer Phosphor für die Streichholzherstellung verboten.

Die Ausstellung im Gröbenzeller Heimatmuseum

in der Alten Schule ist bis zum 4. Februar zu sehen. Geöffnet ist sonntags von 10 bis 12 Uhr.

von Susanne Schwind

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